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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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geschehene Dinge nicht zu endern stunden / muste sie damit zu frieden seyn; dann sie ingesamt bekenneten / es håtte das Weib mit jhrem frechen Maul ihr dieses Unglük selbst muhtwillig zu wege gebracht. Jungfer Libussa hätte mit Herkules gerne allein geredet / und ihm der Fräulein lezten Willen angezeiget / weil es aber sehr späte wahr / und jeder die Ruhe begehrete / muste sie es biß auff näheste bessere Gelegenheit auffschieben.
    Die meiste Zeit der Nacht brachte Herkules mit behten zu / und rieff Gottes Barmherzigkeit an / jhm die Gnade zu verleihen / daß er das Fräulein aus der Räuber Händen erlösen möchte / insonderheit / daß Gott jhre Ehr und Zucht in seinen Schuz nehmen /und sie vor allem unfal bewahren wolte; befahl sich endlich selbst seinem Erlöser / und schlieff ruhig ein. Kurz vor Tage erschien jhm im Schlaffe ein Gesichte /nehmlich ein sehr ansehnliches schönes Weibesbilde zeigete jhm eine köstliche güldene Kron / mit dieser ümschrifft: Hoc Emolumentum Redimit Christiana Virtus Labore Et Spe Zu Teutsch: Diesen Nutzen löset die Christliche Tugend durch Arbeit und Hoffnung. In der anderen Hand führete sie eine Fahne / in welcher die Wollust wieder die Gottesfurcht streitend gemahlet wahr / und stunden diese Worte über jhren Häuptern: Volentibus Adest Levamen Jehovæ, Sistit´q; Coronam Aeternitatis. Das ist: Gottes Hülffe stehet den Willigen bey / und stellet jhnen die Kron der Ewigkeit zu. Unten zu den Füssen der Gottesfurcht lase er diese Teutsche Reimen:
     
    1
    Laß das Unglük immer wüten /
    Laß die Weltergrimmet seyn;
    Gott wird Unschuld wol behuten /
    Was schafft dir dann Glückes schein?
    Wer den bösen wil gefallen /
    Hat durchaus nicht festen Fuß /
    Er bleibt wol des Glückes Ballen /
    Biß er gar verderben muß.
     
    2
    Einer ist / der wird dich führen /
    Du kennst seinen Nahmen schon;
    Dessen Rettung wirstu spüren /
    Biß er dir den Gnaden-Lohn
    Der Unsterbligkeit wird schenken.
    Ey so brich durch Noht und Pein /
    JESUS wird an dich gedenken /
    Drum mustu gerettet seyn.
     
    An der Gottlosigkeit oder Wollust seite / wahr dieser Reim mit rohten (die vorigen aber mit güldenen) Buchstaben gesetzet:
     
    Fleisches Lust kan Gott nicht ehren
    Tügend fält durch Fleisches Lust;
     
    Was die Straffen sol abkehren
    Komt aus einer reinen Brust.
     
    Neben der Gottesfurcht stunden diese Worte:
     
     

Wann der Teufel noch so wütet /
    Wann gleich alles uns gebricht /
     
    Und die Welt nur Unglük brütet /
    Läst doch Gott die seinen nicht.
     
    Sonst gedauchte jhn / das trefliche Bilde hätte ihn etlichemahl ganz freundlich angelachet / und diese Worte jhm zum drittenmahl zugeruffen / da sie die beyden vördersten Finger jhrer rechten Hand aufrecht hielt:
     
    Was du suchest soltu finden /
    Doch mustu im Glauben fest
     
    Dich auff Gottes Beystand gründen /
    Der die seinen nicht verläst.
     
    Als dieses Gesichte hierauff verschwand / erwachete Herkules / empfand einen sonderlichen Trost uñ geistliche Freude in seinem Herzen / und sprach dieses Gebeht zu Gott: O du Schöpfer und Erlöser des menschlichen Geschlechtes / gib mir wahre Beständigkeit / deinem heiligen Willen folge zu leisten / und die schnöde Wollust der üppigen gellen Welt zufliehen / auff daß ich durch wahren Glauben auff dein Verdienst gerechtfärtiget / die himlische Kron der Gerechtigkeit / welche du allen Auserwählten von Ewigkeit bereitet hast / aus deiner Gnaden Hand empfahen / und durch keine Boßheit mich deren verlustig machen möge. Er verrichtete ferner sein gewöhnliches Morgen Gebeht / und so bald die Sonne die hohen Berges-Spitzen der Finsterniß entreiß / befahl er die Pferde zu satteln / und so wol die von den Räubern entführete / als ihre eigene fertig zuhalten / des gewissen Vorsatzes / sein herzgeliebtes Fräulein auffs fleissigste zu suchen / ob jhm gleich Ketten und Bande / ja der Tod selbst drüber zustossen solte. Fabius lies die Gefangenen fest binden und auff Pferde setzen / macheten sich auff und nahmen den Rükweg nach dem Gehölze wieder vor sich / da die Jungfer zwischen Herkules und Ladisla reiten / und ihnen erzählen muste / was sich irgend zu Prag sieder jhrem Abwesen denkwirdiges zugetragen hatte / biß Ladisla wegen enge des Weges hinter sich zu Fabius ritte / und sie Gelegenheit hatte mit Herkules in geheim zureden / an dessen Finger sie ohngefehr den obgedachten Ring mit den eingeschlossenen Händen sahe / und zu jhm sagete: Durchl. Fürst / ich erinnere mich /

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