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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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stille wendeten / und eine zimliche Rotte Bauren ansichtig wurden / welche ihren Verlust höchlich beklageten / daß ihnen alle Speise und Baarschafft samt dem besten keine Gerähte hinweg geraubet währe. Valikules trat hin zu ihnen / grüssete sie freundlich /uñ fragete / warumb sie bey so später Nacht in solcher Versamlung unter dem freyen Himmel lägen? Diese Leute sahen ihn stillschweigens an / und hielten ihn anfangs vor einen Ausspeher und Räubergenossen; welchen Argwohn ihnen zubenehmen / er sich unerschrocken bezeigete / und gab vor / er währe neben diesem seinen Gefärten von dem Römischen Stathalter zu Padua ausgeschicket / umb zuerforschen /wohin die SeeRäuber sich gewendet hätten / von deren Einfall das Geschrey schon erschollen währe /und würde man nicht unterlassen / ihnen nachzusetzen / es geschähe gleich zu Lande oder über Meer. Der älteste unter diesem Hauffen antwortete: Ach ja! so pfleget mans ins gemein zumachen / daß man den Brunnen zuleget / wann das Kind ersoffen ist; Hielte man gebührliche Auffsicht bey dem Meer / so kähmen wir armen Leute nicht so schlimlich umb das unsere. Valikules stellete sich ernsthafftig / und gab zur Antwort: Ey mein Freund kan dann die Obrigkeit von solchen und dergleichen unvermuhtlichen fällen Rechenschafft geben? müsten nicht vielmehr des Meers Anwohner acht haben / nicht zu sicher seyn / sondern der Obrigkeit es andeuten / wann etwa Gefahr zubefürchten währe? Ihr sprechet aber / es sey ohn euer vermuhten geschehen. Aber hats dann die Obrigkeit können riechen? oder kan dieselbe allenthalben gegenwärtig seyn? Sol man aber den ganzen Meerstrand besetzen /und zwar in Friedeszeite? das würde euch guten Leuten erst verdrießlich seyn; dann hie würdet ihr durch so unerträgliche Dienste oder Unkosten gar zu hart belastet werden. Doch hievon haben wir mit einander nicht zu zanken / sondern man muß darauff bedacht seyn / wie man sich an den verwägenen Buben am besten rächen möge; da ihr nun geträue Leute und Untertahnen eurer Obrigkeit seyd / werdet ihr mir unwegerlich zuwissen tuhn / wohin die SeeRäuber sich gewendet / welche zuverfolgen alsbald Anordnung sol gemacht werden. Vorgedachter Baur entschuldigte sich / wegen seiner unvorsichtig-ausgelassenen Reden / und hätte er aus Betrübniß wegen seines nicht geringen Verlustes etwas ungebührliches vorgebracht /möchte es nicht im argen auffgenommen werden. Ein ander frecher Baur redete darzwischen; was er sich viel zuentschuldigen hätte; wer das seine verlieren und zusetzen müste / empfünde des übels / und hätte noch wol so viel Freyheit / daß er sein Unglük beklagete. Und wer weiß / sagete er / ob dieser junge Kerl nebest seinem Gesellen nicht suchet / uns noch weiters Ungelegenheit zumachen? Der mehrerteil begunten mit zu grießgramen / und liessen sich vernehmen /sie solten sich bald packen / oder man würde ihnen Füsse machen. Valikules hielt nicht vor rahtsam / sich mit diesem Lumpengesindle in Handgemenge einzulassen / wo er sich sonst auff andere weise vor ihnen retten könte / sagte demnach zu ihnen: Ihr guten Leute / hütet euch ja vor weitere Ungelegenheit / das rahte ich als ein Freund; es liegen dort im Pusche über 300 bewehreter Mann / denen ich mit einer Pfeiffe bald ein Zeichen geben wolte / euch alle mit einander niderzumachen. Gallus nam bald sein Pfeiffchen hervor / und begunte es schallen zu lassen; worauff die Bauren ingesamt / ausser den ersten Alten / davon lieffen / als hätte ihnen der Kopff gebrant / daß er drüber lachen muste / befahl auch Gallus / alsbald zurücke zulauffen / und der Völcker Auffbruch zu verhindern; wendete sich zu dem Alten / und begehrete von ihm weiteren Bericht wegen des Abzuges der MeerRäuber. Welcher zur Antwort gab: Er håtte es mit Augen angesehen /daß sie mit samt ihrem Raube währen zu Schiffe gangen / und auff das hohe Meer gefahren; hätten ein treflich festgebauetes Schiff gehabt / darauff in die 200 bewehreter Mann sich sehen lassen. Valikules fragete / ob sie auch Menschen geraubet hätten? Ja / antwortete er; sie nahme XII starcke Baurknechte mit sich /an den Rudern zuzihen / führeten auch einen sehr schönen Jüngling nebest einer wolgestalten Jungfer mit sich auff einem Wagen / welche sie ohn zweiffel geraubet hatten / muste ihnen aber Blut gekostet haben / weil nicht allein viel unter ihnen verwundet wahren / sondern über das auch nicht mit so starker Manschafft zurük kahmen / als sie hingezogen wahren. Die

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