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Die Chroniken von Blarnia

Die Chroniken von Blarnia

Titel: Die Chroniken von Blarnia Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Gerber
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ein Arschloch.«
    »Immer einen weisen Spruch auf Lager, was?«, fauchte die Hexe. »Gehst du dir eigentlich gar nicht selbst auf die Nerven? Auf jeden Fall weißt du so gut wie ich, dass der Junge mir gehört. Oder hast du vielleicht die Billige Magie vergessen?«
    Asthmas Ohren drehten sich nach hinten - die Nilpferde hatten mal wieder die Pyramide zum Einsturz gebracht -und dann wieder nach vorn. »Falls du damit auf gewisse, für Schundromane typische literarische Kunstgriffe anspielst«, sagte er, »die der Geschichte auf billige Weise Spannung verleihen sollen - darüber weiß ich Bescheid.«
    »Das ist kein Schundroman!«, erwiderte die Hexe wutentbrannt. »Im Leben gibt es nun mal gewisse Spielregeln, und... Wo kämen wir denn hin, wenn jeder alle sinnlosen, willkürlichen Übereinkünfte, die ihn gar nicht betreffen, einfach ignorieren würde?«
    »In den Himmel, vermute ich mal«, sagte Asthma.
    »Wir können nicht einfach ruhig und friedlich vor uns hinleben, wie es uns gefällt!«, ereiferte sich die Hexe. »Wir brauchen gewisse Regeln, an die sich jeder halten muss, ob sie ihm gefallen oder nicht.«
    »Es kommt nicht auf die Regel an, sondern auf ihre Begründung«, sagte Asthma. »Wenn es für eine Regel gute Gründe gibt, dann muss die Regel selbst untersucht werden. Ist sie gerecht? Entspricht sie nicht nur dem Gesetz der Verhältnismäßigkeit, sondern auch dem Gebot der Güte? Ist sie klug? Weise? Das muss jeder von uns für sich abwägen. Man darf sich nicht hinter Traditionen oder der Allgemeinheit verstecken. Ungerechte Regeln müssen gebrochen werden, damit sie in besserer Form wieder zusammengefugt werden können.«
    »Genau deswegen scheiterst du immer wieder«, sagte die Hexe spöttisch. »Egal wie oft du zurückkommst, du gehorchst nie den Regeln. Du hältst dich für etwas Besonderes...«
    »Ich halte jeden für etwas Besonderes.«
    »... aber das bist du nicht. Guck dich doch an! Selbst wenn du keine Klamotten anhast, siehst du noch scheiße aus! Du bist total verstaubt. Du bist ständig pleite. Du endest immer als Penner, und alle können es kaum erwarten, dich loszuwerden.«
    Asthma zuckte mit den Schultern.
    »Was die Billige Magie betrifft, kannst du dich gern mit dem Allmächtigen Lektor herumschlagen, aber nicht mit mir«, sagte die Hexe. »Ich will mein Menschenfilet.« Plötzlich breitete sich ein teuflisches Grinsen auf ihrem Gesicht aus. »Ich könnte den Jungen natürlich verschonen, wenn...«
    »Wenn was?«, fragte Asthma. Ed war der einzige auch nur halbwegs interessante Mensch, den er seit seiner Ankunft in Blarnia getroffen hatte.
    »Wenn du mir den Jungen mit Pudding aufwiegst«, sagte sie. »Ich werd in die Steinerne Badewanne steigen, und du kannst mich damit übergießen.« Sie geriet in Ekstase. »Ich werde mich freifressen!«
    Asthma runzelte die Stirn, was durch die Tigerstreifen darauf zusätzlich betont wurde. »Ich glaube nicht, dass der Allmächtige Lektor das zulassen würde.«
    »Na, wer versteckt sich jetzt hinter Vorschriften?«, fragte die Hexe verärgert.
    »Ich hab einen anderen Vorschlag«, sagte Asthma.

    Kurz darauf kehrte Asthma in das Festzelt zurück, wo seine Anhänger in einen erbitterten sektiererischen Streit darüber vertieft waren, ob Pompons und Flüstertüten streng nach Geschlechtszugehörigkeit verteilt werden sollten oder nicht.
    »Was hat denn so lange gedauert?«, fragte Ed.
    »Nichts.« Asthma nahm nie den direkten Weg. In diesem Fall hatte er sich vom Schatten eines Schmetterlings ablenken lassen, den er eine Weile gejagt hatte.
    »Dann muss ich wohl mit ihr gehen, was?«, fragte Ed. Es war erstaunlich, dass etwas, das einst sein innigster Wunsch gewesen war, ihm nun furchtbar unattraktiv erschien. »Nicht zu fassen, dass sie mir mal gefallen hat.«
    »Du hast Glück«, sagte Asthma. »Du musst nicht mit ihr gehen.«
    »Was ist passiert? Wie haben Sie sie überredet?«
    »Darüber mach dir mal keine Gedanken«, sagte Asthma und lief davon, um auf einer Pusteblume herumzukauen.
    »Okay«, sagte Ed, der dieser Anweisung nur allzu gern folgte. Er wandte sich wieder den Kieselsteinen zu, die er sammelte, um damit seine Geschwister zu bewerfen. »Oh, da ist ein schöner spitzer«, murmelte er vor sich hin.

Nachdem die Hexe das Feld geräumt hatte (das dauerte eine Weile, denn sie schnaufte, ächzte, keuchte und musste sich alle paar Meter an einem Baum festhalten), rief Asthma alle ins Festzelt und sagte: »Wir ziehen um.«
    »Muss das

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