Die Farben der Zeit
umzustoßen.
»Mama!!« rief Tossie, und Baine, Terence, Professor Peddick und ich stürzten gleichzeitig nach vorn, um Mrs. Mering aufzufangen, wobei wir in alles hineinkrachten, was Mrs. Mering vermieden hatte.
Terence fing Mrs. Mering auf, Baine drehte das Gaslicht höher, damit wir sehen konnten, wo wir hineingelaufen waren. Ich richtete die Schäferin aus Dresdner Porzellan wieder auf und das Stereophon, das ich beides umgeworfen hatte. Der Geistliche nahm wieder Platz und wischte sich mit einem großen weißen Taschentuch die Stirn. Terence und Baine brachten Mrs. Mering zu einem maronenfarbenen Samtsofa, wobei sie eine Büste der Pallas Athene umstießen, und Verity begann, Mrs. Mering Luft zuzufächeln.
»Baine«, sagte sie. »Sagen Sie Colleen, sie soll das Riechsalz bringen.«
»Ja, Miss«, sagte Baine, der immer noch überwältigt wirkte, und eilte davon.
»Oh, Mama!« Tossie wollte zu ihrer Mutter gehen. »Bist du…?« Ihr Blick fiel auf die Katze, die während der ganzen Aufregung meine Brust hochgekrochen war.
»Prinzessin Arjumand!« schrie sie und schoß auf mich zu. »Mein Liebling, mein Herzblatt! Du bist zu mir zurückgekommen!«
Der Liebling mußte Kralle für Kralle vom Vorderteil meines Hemdes abgepflückt werden. Ich reichte ihn Tossie, die eine Reihe Freudenschreie ausstieß und ihn enthusiastisch an sich preßte.
»Oh, Mr. St. Trewes«, zirpte sie. »Sie haben mir meine Miezmiez zurückgebracht!« Sie küßte das Herzblatt. »Arme Miezmiez, so danz allein im Dunkeln draußen! Hattu fürchtie fürchtie gemacht? Aber Mr. St. Trewes hat nach dir geducht, dimmst? Sagst du brav Dankedanke zu liebem Onkelchen?«
Cyril, der neben mir stand, schnaubte laut, und sogar Miezmiez schaute entsetzt. Na denn, dachte ich, das müßte Terence eigentlich wieder zu Verstand bringen, und wir konnten zurück nach Oxford. Tossie konnte Mr. C heiraten, und das Kontinuum war gerettet.
Ich schaute zu Terence. Er strahlte Tossie vernarrt an. »Wirklich keine Ursache«, sagte er. »Sie baten mich, Ihre kostbare Katze zu suchen. Es war Ihr Wille. Ihr Wunsch ist mir Befehl, edles Fräulein.«
Vom Sofa her drang ein Stöhnen. »Tante Malvinia«, sagte Verity und rieb Mrs. Merings Hände zwischen ihren. »Tante Malvinia?« Sie wandte sich zu Tossie. »Cousine, läute nach Baine und sag ihm, er soll den Kamin anfeuern. Deine Mutter hat eiskalte Hände.«
Tossie ging zur Wand hinüber zu einem langen, mit einer Quaste versehenen damastenen Paneel. Sie zog an der Quaste.
Ich hörte keinen Ton, aber irgendwo mußte eine Glocke angeschlagen haben, denn Baine erschien sofort. Während seiner Abwesenheit hatte er offenbar wieder die Kontrolle über sich gewonnen. Sein Gesicht und seine Stimme waren unbeteiligt, als er sagte:
»Sie wünschen, Miss?«
»Machen Sie Feuer«, erwiderte Tossie, ohne ihren Blick von der Katze zu wenden.
Ihr Ton war fast grob, aber Baine lächelte und sagte nachgiebig: »Ja, Miss.« Er kniete sich vor den Kamin, um Holz auf dem Rost aufzuschichten.
Ein Mädchen, dessen Haar noch röter war als Veritys, huschte ins Zimmer. Sie trug ein winziges Fläschchen. »Oh, Miss! Ist Mrs. Mering wieder in Ohnmacht gefallen?« fragte sie mit einem Akzent, der sie sofort als Irin auswies.
»Ja«, erwiderte Verity und nahm die Flasche. Sie zog den Stöpsel heraus und hielt die Flasche unter Mrs. Merings Nase. »Tante Malvinia!« sagte sie aufmunternd.
»Oh, Miss, waren es wieder die Geister?« fragte das Mädchen und schaute sich ängstlich im Zimmer um.
»Nein. Tante Malvinia?« Mrs. Mering stöhnte, öffnete aber nicht die Augen.
»Ich wußte, daß es hier spukt«, sagte das Mädchen und bekreuzigte sich. »Letzte Woche sah ich einen Geist, draußen beim Gartenpavillon…«
»Colleen, holen Sie ein feuchtes Tuch für Mrs. Merings Stirn«, sagte Verity. »Und einen Fußwärmer.«
»Ja, Miss.« Das Mädchen knickste und ging immer noch furchtsam um sich blickend hinaus.
»Miezimiez«, gurrte Tossie zu der Katze. »Hattu Hungerchen? Willst du hamham?« Sie wandte sich zu Baine, der das Holz aufgeschichtet hatte und es eben anfachen wollte. »Kommen Sie her, Baine«, sagte sie gebieterisch.
Obwohl er gerade dabei war, einen Papierfidibus zu entzünden, erhob sich Baine sofort und kam herbei. »Ja, Miss?«
»Bingen Sie Juju ein Schälchen Sahne.«
»Ja, Miss«, sagte er, lächelte der Katze zu und wandte sich zum Gehen.
»Und einen Teller Fisch.«
Baine drehte sich um. »Fisch?« Er zog eine
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