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Die Jäger des Roten Mondes

Die Jäger des Roten Mondes

Titel: Die Jäger des Roten Mondes Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Marion Zimmer Bradley
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Dieser Mond war jedoch offensichtlich kein atmosphäreloser Brocken, sondern ein Planet, auf dem Lebensbedingungen für dieses buntgemischte Wild herrschten.
    Dane konnte nicht sehen, wer am Steuer des kleinen Raumschiffes saß. Aber er hatte sehr stark den Eindruck, als ob es Diener – oder einer von seiner Art – war. Er saß zwischen Dallith und Rianna und hielt von jeder eine Hand, aber sie sprachen nicht. Es war entweder zu spät oder zu früh dazu. Er versuchte, zumindest teilweise um Dalliths willen, Ruhe und Zuversicht zu bewahren; sie würde seine Verfassung übernehmen. Auf der anderen Seite war es sinnlos, eine völlige Ruhe vorzutäuschen, die er nicht besaß. Sie würde merken, daß es nicht echt war.
    Aratak faßte seine Gedanken in Worte, wie es manchmal seine Gewohnheit war. »Der Mann, der sich ohne Grund fürchtet, ist ein Narr; aber ein doppelter Narr ist, wer sich nicht fürchtet, wenn es Grund dazu gibt.«
    »Das mag alles wahr sein«, murmelte Cliff, »aber oft gibt das Sprechen von der Angst ihr erst Gestalt und Inhalt.« Rianna sagte verbissen: »Es sieht so aus, als hätte diese hier schon jede Menge Gestalt und Inhalt.«
    Dane fragte sich, ob die Jäger sich in dem Schiff befanden; er sah Dallith fragend an, aber sie schüttelte den Kopf. »Ich spüre so oder so nichts. Aber … es sind so viele Fremdartige anwesend, und die meisten sind uns feindlich gesinnt – es wäre schwer zu sagen.«
    Dane sah sich in der halb dunklen Kabine um und fragte sich ein bißchen grimmig, ob dies alles Gefangene waren oder ob einige von ihnen, unter sie gemischt, Jäger waren, die ihre Beute von nahem beobachteten; aber er mochte den Gedanken nicht noch einmal aussprechen.
    Es schien eine lange Zeit des Wartens vergangen zu sein – obwohl er vermutete, daß es nicht mehr als eine Stunde war –, bevor der Bildschirm mit einem Bild des Roten Mondes zum Leben erwachte. Der Mond wurde größer und größer und prallte scheinbar genau auf sie. Etwa zur selben Zeit ertönten ein paar metallische, einleitend kratzende Töne aus dem Lautsprecher am vorderen Ende der Kabine. Dallith umklammerte Danes Hand schmerzhaft in der Dunkelheit.
    »Ehrenwertes und Heiliges Wild.« Die Stimme war der der Diener nicht unähnlich, hatte aber eine andere Qualität … vielleicht das Original, nach der die Stimme der Diener entwickelt worden war? Dane fühlte eine verrückte, atavistische Erregung in sich aufsteigen und wußte, daß die Haare an seinen Armen sich aufrichteten. Cliff fuhr wachsam auf. Seine Schnurrhaare und der vollendet gelockte Bart, den er sich für das Fest gebürstet hatte, sträubten sich.
    »Ehrenwertes und Heiliges Wild! Wir begrüßen Euch zu dem neunhundertfünfundsiebzigsten Jagdzyklus dieser überlieferten Ära«, sagte die seltsame Stimme. »Ihr werdet nun sehr bald in den Jagdgründen freigelassen, die seit Anbeginn der überlieferten Zeit der Jagd geweiht sind. Euch wird die Zeitspanne bis zur Dämmerung bleiben, um Euch zu zerstreuen und Euch die vorteilhafteste Stellung zu suchen. Ihr habt unser Wort, das seit siebenhundertdreizehn Jagdzyklen nicht gebrochen worden ist, daß ihr nicht verfolgt werdet, bis die Sonne vollkommen über dem Horizont steht.«
    Dane flüsterte: »Ich möchte wissen, was vor siebenhundertdreizehn Zyklen passiert ist.«
    Rianna sagte drängend: »Pst!«
    »Die Jagd wird jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit unterbrochen, damit Jäger und Gejagte sich stärken und erfrischen können. Die Bereiche, die mit gelben Lichtern erleuchtet und von Dienern bewacht sind, gelten als neutrale Gebiete, und von der Dämmerung bis Mitternacht darf kein Jäger näher als viertausend Meter an sie herankommen.«
    Danes Translatorscheibe hatte ihm offenbar die genaueste Entsprechung gegeben; auch alle anderen schienen die Abmessung zu begreifen. »Andere Bereiche sind den Jägern vorbehalten, und kein Wild wird sie betreten dürfen unter Androhung des sofortigen und unehrenhaften Todes.«
    Das war etwas. Es wies darauf hin, daß die Jagd in einem Maße formalisiert und ritualisiert war, daß es unwahrscheinlich schien, daß die Jäger außerhalb der neutralen Zonen auf sie warten und einen nach dem anderen aufgreifen würden.
    Die Stimme hielt einen Moment inne und fuhr dann fort: »In Kürze wird das Schiff landen. Die Jagd beginnt in der Morgendämmerung. Bis wir dann in tödlichem Zweikampf auf Euch treffen, grüßen und ehren wir Euch, unser Heiliges Wild. Diejenigen, die am Leben

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