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Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter

Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter

Titel: Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Pierre Grimbert
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zum Vorschein kam. Wenn er ehrlich war, fand Cael die Vorstellung, seine Stimme könnte für immer verstummen, ebenso erschreckend wie die Aussicht, für alle Zeiten von ihr beherrscht zu werden.
    Niss war noch nie im Königreich Wallatt gewesen, geschweige denn in Saats einstigem Heerlager, und doch kam ihr die Umgebung seltsam vertraut vor. Ihr war, als hätte sie die gewaltige Pyramide, um die die Erben einen großen Bogen machten, schon einmal gesehen. Und auch der zerfallene Palast des Hexers, den sie bisweilen in der Ferne erblickten, während sie zwischen weiteren Steinhaufen hindurchmarschierten, kam ihr irgendwie bekannt vor. Vermutlich hatten ihr Großvater und die älteren Erben so viel davon erzählt, dass sich Niss den Schauplatz ausgemalt hatte. Aber es gab noch eine andere Erklärung: Vielleicht war Niss’ Geist über das Gebiet hinweggeschwebt, als sie im Tiefen Traum versunken war. Schließlich lag das Jal, oder zumindest der irdische Übergang dorthin, irgendwo inmitten der Gipfel des Rideau, die vor ihnen aufragten. Die Seelen der Toten gelangten offenbar auf unterschiedlichen Wegen dorthin, und Saats Heerlager befand sich auf einem dieser Wege.
    Doch diese Überlegungen lenkten Niss nicht von ihrer Angst vor einem weiteren Zusammenstoß mit den Lemuren ab. Die Erben waren ständig auf der Hut, um beim kleinsten Zeichen von Eryne zum Kampf bereit zu sein. Die Lorelierin setzte in tiefer Konzentration einen Fuß vor den anderen, wodurch sich der Vormarsch der Truppe verlangsamte. So kam der Tunneleingang erst nach einer Dezime, in der sie immer wieder haltmachten, in Sicht.
    Eigentlich waren es sogar mehrere Eingänge. Einer hob sich deutlich von den anderen ab: eine riesige, zehn Schritte breite Öffnung, abgestützt mit gewaltigen Baumstämmen. Daneben klafften vier weitere Löcher in der Felswand, und auch diese waren groß genug, um Lemuren durchzulassen.
    Grigän bedeutete den Aufständischen, hinter dem letzten Steinhaufen zu warten. Hier waren sie wenigstens nicht auf den ersten Blick zu entdecken. Niss spürte die Verwirrung der älteren Erben und bekam es noch mehr mit der Angst zu tun, als sie einige ratlose Worte wechselten.
    »Das kann nicht sein«, flüsterte Grigän. »Damals gab es nur einen Eingang.«
    »Ich glaube, es waren schon immer mehrere«, widersprach Rey. »Obwohl, ganz sicher bin ich mir nicht …«
    »Das alles liegt über zwanzig Jahre zurück«, sagte Yan. »Und es war Nacht. Unsere Erinnerung kann uns trügen.«
    »Wie auch immer, es können schließlich nicht fünf Tunnel sein«, meinte Leti. »Das ändert nichts an unserem Plan.«
    »Aber womöglich umgehen die Lemuren unsere Barrieren, indem sie auf Nebengänge ausweichen«, entgegnete Corenn. »Dann wäre alles vergeblich. Schlimmer noch - wir könnten geradewegs in eine Falle laufen.«
    Bei dieser Aussicht geriet Niss kurzzeitig in Panik, aber sie mussten sich alle Gefahren vor Augen halten, um keine leichtfertige Entscheidung zu treffen. Als die anderen unschlüssig schwiegen, fürchtete Niss schon, sie würden den Plan aufgeben.
    »Wir können nicht alle fünf Gänge in ihrer ganzen Länge ablaufen«, sagte Amanon nachdenklich. »Am besten bringen wir die Decke im Haupttunnel an so vielen Stellen wie möglich zum Einsturz, und zwar erst, wenn wir ein gutes Stück vom Eingang entfernt sind. Sollte es tatsächlich Nebengänge geben, müssten sie irgendwann alle in den Haupttunnel münden.«
    Grigän nickte, zögerte aber immer noch. Wieder legte sich Schweigen über die kleine Schar. Bra’n trat unruhig von einem Fuß auf den anderen, und irgendwann murmelte Lana: »Bald wird es dunkel.«
    Alle sahen zum Abendhimmel hoch und dann zum Mausoleum, dessen Spitze den Steinhaufen überragte. In wenigen Dezimen würde es hier vermutlich vor Dämonen nur so wimmeln.
    »Gehen wir«, sagte Grigän seufzend.
    Schon im nächsten Moment schien er seine Worte zu bereuen, und als sie sich in Bewegung setzten, fragte sich auch Niss, ob sie nicht geradewegs in ihr Verderben liefen.
    Eryne hatte gedacht, dass die hundert Schritte bis zum Tunneleingang, die sie von ihrem Versteck hinter dem Steinhaufen über freies Gelände zurücklegen mussten, die schwersten sein würden. Doch sie hatte sich geirrt. Als sie in den Berg vordrangen, wuchs ihre Angst von Dezille zu Dezille. Nach gerade einmal fünfzehn Schritten in der Finsternis hatte sie das beklemmende Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Die Erinnerung an ihren Marsch durch die

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