Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter
Katakomben der Heiligen Stadt, die Höhlen der Etheker und die Gänge des Jal’karu ließ sie nicht los. Nie wieder wollte sie so etwas erleben!
Sie machte kehrt, um noch ein letztes Mal draußen vor dem Tunnel frische Luft zu atmen, doch die nachströmenden Wallatten versperrten ihr den Weg. Das verstärkte ihre Panik noch.
Als sie gerade losschreien wollte, drückte Amanon ihr eine Laterne in die Hand, und sie beruhigte sich etwas. Sie war so außer sich gewesen, dass sie nicht bemerkt hatte, wie er die Lampe entzündet hatte. Aus Angst, mögliche Feinde vor dem Tunnel auf ihre Anwesenheit aufmerksam zu machen, hatte er den Docht heruntergedreht, doch selbst die kleine Flamme, die nur einen blassen Schein auf die Felsen warf, machte Eryne neuen Mut. Sie dankte ihrem Geliebten mit einem kleinen Lächeln und nahm sich fest vor, sich wieder ganz auf die Lemuren zu konzentrieren. Glücklicherweise hatte sie seit dem letzten Kampf keine Dämonen mehr wahrgenommen, zumindest nicht außerhalb des Tunnels. Aber vielleicht trieben sich ja welche in den Gängen herum …
Sombre konnte sie als Wächter abgestellt haben, oder es waren einige schon auf eigene Faust Richtung Ith losgestürmt. Eryne musste sie unbedingt wahrnehmen, bevor sie sich mit spitzen Krallen und gefletschten Zähnen auf die Erben stürzten, denn die engen Gänge verschafften den Lemuren einen großen Vorteil: Hier unten würde ihre Zähigkeit und Stärke entscheidend sein, nicht die Überzahl der Menschen.
Bevor die Erben weiter in den Tunnel vordrangen, mussten sie sich vergewissern, dass sie bei der Überquerung des freien Geländes vor dem Berg nicht entdeckt worden waren. Deshalb standen sie eine ganze Weile in der Nähe des Eingangs, lauschten auf Geräusche und spähten nach draußen. Als alles ruhig blieb und keine Feinde auftauchten, machten sie sich mit neuer Zuversicht auf den Weg. Sie entzündeten ein paar zusätzliche Laternen und schirmten sie ab, bis der Eingang außer Sicht war. Zehn Schritte weiter gebot Grigän erneut Halt: Er hatte in der Felswand einen Durchgang entdeckt, der in eine große Höhle führte, und da keine unmittelbare Gefahr drohte, gestattete er ihnen, eine kurze Rast einzulegen, um die Verwundeten zu versorgen.
Eryne machte sich gleich daran, ihre Leiden zu lindem. Fast unwillkürlich schickte sie ihre heilende Kraft zu all jenen, die von den Lemuren angegriffen worden waren. Die Verletzten selbst bemerkten zunächst kaum etwas davon – sie sahen nur, wie Erynes Blick flüchtig über sie hinwegglitt, während sie an ihnen vorbeiging. Doch gleich darauf hoben einige von ihnen den Kopf und sahen ihr verwundert und voller Ehrfurcht nach.
Sie bemühte sich, dem nicht allzu viel Bedeutung beizumessen, spürte aber, dass sie eine weitere Veränderung durchmachte. Bald würde jeder Fremde, dem sie begegnete, intuitiv spüren, dass er eine Unsterbliche vor sich hatte. Vielleicht musste ihre Entwicklung zur Göttin dazu nicht einmal vollendet sein. Schützte ihr Gwelom sie überhaupt noch vor Sombre? Und wenn ja, wie viele Tage blieben ihr noch?
Abermals stieg Panik in ihr auf, und sie versuchte, die düsteren Gedanken zu verdrängen, indem sie an etwas Belangloses dachte – zum Beispiel an die Gasthäuser, die sie in der Heiligen Stadt erwarteten. Doch nach einer Weile fiel ihr nichts mehr ein, womit sie sich ablenken konnte, und so blieb ihr nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sie ihren Marsch fortsetzten.
Zum Glück machten sich alle schnell wieder zum Aufbruch bereit. Nachdem sämtliche Wunden verbunden waren und Zejabel ihre letzte Phiole verteilt hatte, mahnte Grigän zur Eile, denn sie hatten noch einen langen Weg vor sich. Natürlich hofften alle, dass sie von weiteren Zwischenfällen verschont bleiben würden. Kurz berieten die Erben, ob sie an dieser Stelle die Decke zum Einsturz bringen sollten, um eine erste Barriere zu errichten, doch die Idee wurde gleich wieder verworfen. So nah am Mausoleum würde das Gepolter nur die Lemuren aufscheuchen, zumal die Barriere nutzlos war, falls es tatsächlich mehrere Nebengänge gab.
Einige hundert Schritte weiter bestätigte sich diese Vermutung. Eryne hatte abermals die Führung übernommen, um rechtzeitig vor Lemuren warnen zu können, und so entdeckte sie den Seitengang als Erste. Nicht anders als der Haupttunnel wurde er von Holzpfeilern gestützt, und auch der Boden war geebnet worden, um ein rasches Fortkommen zu ermöglichen. Die Erben wechselten bange
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