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Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter

Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter

Titel: Die Krieger 5 - Das Labyrinth der Götter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Pierre Grimbert
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Blicke, aber jetzt war es zu spät, um noch kehrtzumachen. Nach kurzem Zögern gingen sie weiter und beschleunigten ihre Schritte.
    Eryne dachte ehrfürchtig, an welch geschichtsträchtigem Ort sie sich befand, auch wenn sie Schwierigkeiten hatte, sich die damaligen Geschehnisse in Einzelheiten vorzustellen. Wenn sie sich das Abenteuer ihrer Eltern ausmalte, hatte sie nur Bilder des Grauens vor Augen. Zehntausende Sklaven hatten sich buchstäblich zu Tode geschuftet, um den Tunnel unter dem Rideau hindurchzugraben, und ebenso viele Krieger hatte der Hexer anschließend ausgeschickt, um Ith zu erobern. Doch die Arkarier, die gemeinsam mit den Ramgrith die Verteidigung der Heiligen Stadt übernommen hatten, drängten Saats Heer zurück in den Tunnel, woraufhin Panik ausbrach. Vermutlich hatten die Barbaren einander an den Wänden zu Tode gequetscht und sich gegenseitig niedergetrampelt. Viele waren wohl einfach erstickt. Jedenfalls war nur wenigen das Glück beschieden, noch einmal frische Luft zu atmen oder gar nach Wallatt zurückzukehren, denn ein Großteil der Krieger, die es aus dem Tunnel herausschafften, war anschließend von den befreiten Sklaven niedergemetzelt worden. Reyan und seine Gefährten waren in der Zwischenzeit Lana zu Hilfe geeilt, die von Saat gefangen genommen worden war.
    Obwohl all dies tatsächlich geschehen war, kam Eryne die Geschichte unwirklich vor. Sie bewunderte den Mut und die Selbstlosigkeit ihrer Eltern, die in späteren Jahren versucht hatten, ihre Kinder nicht mit diesem schweren Erbe zu belasten. Damals hatten sie nicht geahnt, dass das Schicksal es anders wollte und sie eines Tages in den verfluchten Tunnel zurückkehren würden, um den Eroberungsfeldzug von Saats Schützling zu verhindern.
    Die Ironie des Ganzen ließ Eryne erschauern: Vor dreiundzwanzig Jahren hatten die Erben diesen Tunnel in entgegengesetzter Richtung durchquert, um gegen die Wallatten zu kämpfen, die die Heilige Stadt überfallen hatten. Heute zogen sie in Begleitung einer Schar wallattischer Krieger durch den Tunnel, um die Goroner vor einem Dämonenheer zu bewahren, das bald über das Kaiserreich herfallen würde. Waren sie nur ein Spielball des Schicksals? Würde diese Geschichte jemals ein Ende nehmen? Und wenn ja, wie würde sie ausgehen?
    Diesmal jedoch würde der Tunnel ihren Durchzug nicht unbeschadet überstehen. Diesen Gedanken fand Eryne irgendwie tröstlich. So viele Menschen hatten hier den Tod gefunden. Eigentlich war es verwunderlich, dass sie nirgendwo auf Skelette oder mumifizierte Leichen stießen. Aber wenn die Lemuren den Tunnel benutzt hatten, um zu Sombres Mausoleum zu gelangen, hatten sie sich vermutlich über alle sterblichen Überreste hergemacht.
    Eryne wünschte, Corenn und Yan würden endlich die erste Barriere errichten. Das Echo ihrer Schritte hallte laut von den Wänden wider und musste in beide Richtungen weithin zu hören sein. Außerdem rechnete sie jeden Moment damit, die Anwesenheit von Lemuren zu erspüren. Ihr wäre wesentlich wohler dabei, mehrere Tonnen Gestein zwischen sich und den Dämonen zu wissen.
    Eine knappe Dezime später und nachdem sie zum dritten Mal eine Abzweigung zu einem Seilengang passiert hatten, war es so weit. Yan und Corenn musterten eine morsche Deckenstütze und das Gestein darüber genau und sahen den Moment gekommen, ihre magischen Kräfte anzuwenden.
    Nolan war sich der Gefahr bewusst, aber er wollte unbedingt zusehen, wie Corenn und Yan die Decke zum Einsturz brachten. Seine Neugier war einfach stärker als die Angst. Schon mehrmals hatte er miterlebt, wie Magier ihre Kräfte gebrauchten, und eigentlich hätte ihn das Kunststück nicht großartig beeindrucken dürfen. Aber es war auch nicht so sehr der Vorgang selbst, der ihn faszinierte, sondern die Zerstörung des Tunnels. Sollte es ihnen tatsächlich gelingen, den Vormarsch der Lemuren aufzuhalten, wären sie Sombre damit zum ersten Mal einen Schritt voraus. Bislang war das einzige Verdienst der Erben, dem Dämon immer wieder entwischt zu sein.
    So trat Nolan neben Corenn und Yan, während sich seine Freunde und die Aufständischen ein ganzes Stück entfernten. Corenn versuchte ihn dazu zu bewegen, ebenfalls auf Abstand zu gehen, doch er behauptete, den beiden Magiern leuchten zu wollen, wenn sie sich in Sicherheit brachten. Falls die Decke an mehreren Stellen einstürzte, konnte ihnen seine Laterne das Leben retten. Nach einigem Hin und Her kam Corenn zu dem Schluss, dass sie ihn nicht

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