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Die letzten Worte des Wolfs

Die letzten Worte des Wolfs

Titel: Die letzten Worte des Wolfs Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tobias O. Meißner
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darauf hin. Wenn der Stadtrat für die Anlockung der Wale verantwortlich wäre, hätte doch heute jemand im Sturmhaus zumindest mal erwähnt, daß alles nach Plan läuft und die Wale sich weiterhin nähern.«
    Â»Queckten war nicht den ganzen Tag über dort und hat auch sicherlich nicht alles mitbekommen und jede Andeutung verstanden«, gab Eljazokad zu bedenken.
    Â»Stimmt, aber dennoch fehlt auch nur der kleinste Hinweis. Könnte die ganze Stadt dichthalten? Nein, niemand weiß etwas.«
    Â»Es reicht ja auch, wenn nur einer etwas weiß«, beharrte der Magier.
    Hellas wandte sich ihm zu. »Du glaubst weiterhin daran, daß Wandry dahintersteckt und nicht Skerb?«
    Â»Nicht Wandry. Jemand in Wandry.«
    Â»Der die Pfahlbauten versenken will?«
    Â»Warum nicht? Vielleicht gibt es jemanden im befestigten Nobelbezirk, dem der ganze Pfahlvorbau mit seinen Ausschweifungen und ungesetzlichen Vergnügungsstätten ein Dorn im Auge ist?«
    Â»Aber wie?« fragte Rodraeg. »Wie macht er das? Wie lockt er die Wale – ohne Magie?«
    Â»Durch Schall. Durch Licht. Durch Gerüche. Ich weiß es nicht.«
    Â»Das ist völliger Quatsch«, schüttelte Hellas den Kopf. »Die Meldung der Seemagier an den Kreis ist Wochen her! Seit Wochen sind die Wale Richtung Wandry unterwegs! Wie soll man sie über eine so lange Strecke durch Schall oder Licht oder Gerüche erreichen?«
    Eljazokad seufzte. »Wir gehen immer von einer feststehenden Anlockung aus. Aber was ist, wenn die Wale begleitet werden? Das ist hier doch schließlich eine Seefahrerstadt. Ein einziges magisches Schiff würde genügen, die Wale auf See anzulocken und Richtung Wandry zu führen. Das kann ruhig wochenlang und mondelang dauern. Kein Problem.«
    Â»Dann sind wir hier trotzdem falsch«, haderte Hellas. »Dann müssen wir raus auf See, aber nicht hier hockenbleiben!«
    Â»Es ist nur eine Theorie, Hellas«, lächelte Eljazokad. »Aber es gibt womöglich noch viele Theorien, auf die wir nicht gekommen sind.«
    Â»Also, was machen wir?« beharrte Hellas. »Was machen wir?«
    Rodraeg räusperte sich wieder. Die Luft im Ain Land kam ihm stickig und brechreizerregend vor. »Eljazokad hat recht. Wir sind ein paar offensichtlichen Fährten nachgegangen, aber … wir … müssen uns noch eine Nacht Zeit nehmen, über alles nachzudenken. Möglicherweise übersehen wir etwas Wichtiges, etwas, das die ganze Zeit vor unseren Augen steht und winkt, von uns aber einfach nicht begriffen wird.« Seine Kehle verengte sich, ein heftiger Hustenanfall kündigte sich an, aber er versuchte, ihn niederzuhalten. »Wenn wir die Ursache für die Anlockung nicht finden und ausschalten können, dann müssen wir spätestens morgen nachmittag das Pferd vom anderen Ende aus aufzäumen. Dann warnen wir den Kapitänsrat vor der drohenden Gefahr und versuchen, eine Art Seeblockade zu organisieren. Mit einem Dutzend Schiffen müßte man den Hafenbuchteingang so abriegeln können, daß die Wale einfach nicht hindurchkommen.«
    Â»Nein, nein, nein, nein, nein.« Hellas schüttelte wieder vehement den Kopf. »Das mit der Seeblockade habe ich gestern schon vorgeschlagen, aber das wird auch nicht funktionieren. Wenn die Wale böse sind, magisch sind, wahnsinnig sind vor Schmerz oder Wut, werden sie erst die Blockadeschiffe zertrümmern und dann die halbe Stadt. Und wir werden für alles zur Verantwortung gezogen, weil wir uns groß hingestellt und das ganze Unheil herumposaunt haben! Leute wie wir sind gute Zielscheiben. Das sollten wir nie vergessen.«
    Â»Ich nehme es hier mit jedem auf«, behauptete Bestar.
    Â»Das ist schön für dich«, versetzte Hellas gereizt.
    Â»Hellas hat recht«, sagte Eljazokad unerwartet. »Das Mammut darf sich nicht so sehr ins Licht drängen, daß seine Weiterexistenz gefährdet wird. Außerdem bezweifele ich, daß man uns überhaupt glauben würde, selbst wenn wir zu viert aufträten. Wir sind Fremde. Noch dazu Landratten. Was verstehen wir denn schon vom Meer und von Walen? Wir müßten unsere Quellen offenlegen – und das wiederum ist nicht im Sinne des Kreises, oder?«
    Rodraeg machte ein schluckaufartiges Geräusch, und plötzlich quoll Blut zwischen seinen Lippen hervor und tropfte auf den Tisch. Die anderen sprangen sofort auf, allen voran Bestar.

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