Die Nadel.
Dayton. Dayton hat ein gebrochenes
Genick, die anderen sind mit irgendeinem Messer umgebracht worden. Langhams Leiche hat eine
Zeitlang im Kanal gelegen. Sie wurden alle in dem Grab verscharrt, das wir jetzt gefunden
haben. Ein schrecklicher Mord!« Er war tief erschüttert.
Harris musterte die
Leichen eingehend, die man nebeneinandergelegt hatte. »Ich habe solche Wunden schon mal
gesehen, Fred«, sagte er.
Bloggs schaute genauer hin. »Himmel, das ist er.«
Harris nickte. »Der Stilettmörder.«
Der Inspektor fragte erstaunt: »Sie
wissen, wer es getan hat?«
»Wir können’s uns denken«, meinte Harris. »Wir
glauben, daß er schon zwei Morde begangen hat. Wenn es derselbe Mann ist, wissen wir, wer er ist, aber nicht, wo er ist.«
Der Inspektor kniff die Augen
zusammen. »Da die Sperrzone so nahe ist und der Special Branch und der MI5 so schnell hier
auftauchen – können Sie mir sonst noch etwas über diesen Fall sagen?«
»Nur, daß Sie kein Wort verlauten lassen, bis Ihr Chef mit unseren
Leuten gesprochen hat«, erwiderte Harris.
»Alles klar.«
»Wurde sonst noch
etwas gefunden, Inspektor?« fragte Bloggs.
»Wir kämmen die Gegend noch durch, in
immer größeren Kreisen – bis jetzt ohne Erfolg. Im Grab waren ein paar
Kleidungsstücke.« Er zeigte auf sie.
Bloggs faßte sie vorsichtig an: eine
schwarze Hose, ein schwarzer Pullover, eine kurze schwarze Lederjacke, wie sie bei der RAF
üblich war.
Harris sagte: »Kleidung für Nachtarbeit.«
»Für einen
großen Mann«, setzte Bloggs hinzu. »Wie groß ist unser Mann?«
Ȇber eins
achtzig.«
»Sind Sie an den Männern vorbeigekommen, die das versenkte Boot
gefunden haben?« fragte der Inspektor.
»Ja.« Bloggs runzelte die Stirn. »Wo
befindet sich die nächste Schleuse?«
»Vier Meilen stromaufwärts.«
»Wenn
unser Mann in einem Boot fuhr, müßte der Schleusenwärter ihn doch gesehen haben, nicht
wahr?«
»Müßte er«, pflichtete der Inspektor bei.
»Am besten unterhalten
wir uns mit ihm«, sagte Bloggs. Er ging zu seinem Rad zurück.
»Du willst doch
nicht im Ernst noch einmal vier Meilen mit diesen Dingern fahren«, jammerte Harris.
»Strample dir nur ruhig etwas von deinem Sonntagsspeck runter.«
Sie benötigten
für die Strecke fast eine ganze Stunde, da der Treidelpfad für Pferde, nicht für
Fahrzeuge irgendwelcher Art gemacht war, uneben und schlammig, mit losen Steinen übersät
und von Baumwurzeln durchzogen. Harris schwitzte und fluchte, als sie die Schleuse endlich
erreicht hatten.
Der Schleusenwärter saß vor seinem Häuschen, rauchte einePfeife und genoß die milde Nachmittagsluft. Er war ein Mann mittleren
Alters, der langsam sprach und sich noch langsamer bewegte. Leicht belustigt betrachtete er
die beiden Radfahrer.
Bloggs sprach zuerst, da Harris völlig außer Atem war. »Wir
sind Polizeibeamte.«
»Ah ja?« sagte der Schleusenwärter. »Warum so
aufgeregt?«
Und dabei schaute er die beiden an, als sei er die Ruhe selbst.
Bloggs nahm die Photographie der Nadel aus der Brieftasche und gab sie dem Mann. »Haben
Sie den schon mal gesehen?« Der Schleusenwärter legte das Bild auf seinen Schoß,
während er ein frisches Streichholz an seine Pfeife hielt. Dann musterte er die
Photographie für eine Weile und reichte sie zurück.
»Nun?« sagte Harris.
»Ja.« Der Schleusenwärter nickte langsam. »Er war gestern ungefähr um diese Zeit
hier. Hat eine Tasse Tee mit mir getrunken. Ganz netter Bursche. Was hat er getan, nach der
Verdunklung das Licht angemacht?«
Bloggs ließ sich auf die Bank fallen. »Jetzt
ist alles klar.«
Harris dachte laut nach. »Er vertäut das Boot stromabwärts und
geht bei Nacht ins Sperrgebiet.« Er sprach leise, damit der Schleusenwärter ihn nicht
hören konnte. »Als er zurückkommt, hat die Bürgerwehr sein Boot entdeckt. Er räumt sie
aus dem Weg, segelt ein bißchen weiter bis zur Bahnlinie, versenkt das Boot und
. . . springt auf einen Zug.«
Bloggs fragte den Schleusenwärter: »Die
Eisenbahnlinie, die den Kanal ein paar Meilen stromabwärts überquert – wohin führt
sie?«
»Nach London.«
»Oh, Scheiße«, sagte Bloggs.
Bloggs traf um Mitternacht wieder im Kriegsministerium in Whitehall
ein. Godliman und Parkin warteten dort auf ihn. »Kein Zweifel, er ist es.« Bloggs erzählte
ihnen die Geschichte.
Parkin war aufgeregt, Godliman wirkte nur angespannt. Als Bloggs
geendet
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