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Die Pellinor Saga Bd. 3 - Die Krähe

Die Pellinor Saga Bd. 3 - Die Krähe

Titel: Die Pellinor Saga Bd. 3 - Die Krähe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alison Croggon
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die heutige Nacht an und wurden mit Pflichten an anderer Stelle bedacht, wo sie dringender gebraucht werden. Jeder von ihnen wäre würdiger gewesen als du.«
    »Ja, Helligkeit.« Abermals neigte Zelika den Kopf und spürte, wie ihre Ohren vor Scham loderten.
    Ohne ein weiteres Wort wandte Har-Ytan sich ab. Zelika fühlte sich etwa daumengroß. Sie sah sich in dem Raum um und fragte sich, wo sie sitzen könnte. Es war eine sehr kleine, fensterlose Kammer, wahrscheinlich ein Wachzimmer, und es gab kein Versteck. Niemand beachtete sie weiter, wodurch sie sich widersinnigerweise umso mehr im Weg fühlte. Sie drückte sich in dem Versuch gegen die Wand, sich so klein wie möglich zu machen.
    »Das Wetter wird bald losbrechen, Quell des Lichts«, sprach Juriken mit einer Zärtlichkeit in der Stimme, die Zelika aufschauen ließ.
    »Ja.« Har-Ytan stand reglos da, und einen Augenblick lang schien es Zelika, dass ihre Gestalt von einem Lichtkranz umgeben war. Groß, streng und anmutig präsentiertesie sich im leuchtenden Blau und Gold der Schlachtkluft, von Turbansk, und Zelika fand, dass sie noch nie jemanden so wunderschön oder so traurig wirken gesehen hatte. Dann zog Har-Ytan langsam ihr Schwert und hob es sich vor die Augen, sodass die Klinge im trüben Lampenschein glänzte.
    »Ich gehe nun in die Finsternis«, verkündete Har-Ytan. »Ich werde nicht zurückkehren. Möge meine Klinge sich tief in ihr Herz bohren.«
    Sie sah Juriken in die Augen, und die beiden wechselten einen tiefen Blick. Zu Zelikas Überraschung trat der Barde vor, umarmte die Ernani und küsste sie auf den Mund. Anschließend wich er zurück und neigte das Haupt.
    »So geh denn, meine Königin. Möge das Licht dich begleiten.«
    Har-Ytan wurde von ihren beiden ranghöchsten Hauptleuten flankiert: dem Hauptmann der Sonnengarde, II Hanedr, und Menika, der obersten Kriegerin von Har-Ytans persönlicher Leibgarde. Menika war eine große, schlanke, sehr dunkle und ungemein hartgesotten aussehende Frau, die Zelika noch nie hatte reden hören. II Hanedr kniete sich vor Har-Ytan, und die Ernani legte ihm kurz die Hand auf den Kopf. »Meine Königin«, sagte er. »Es schmerzt mich zutiefst.«
    »Ja, das tut es, II Hanedr«, erwiderte Har-Ytan. »Aber wäre Euch lieber, dass ich alle Blüten meiner Stadt der Vernichtung preisgebe? So wie Ihr muss ich an die Zeit danach denken, wenn wir nicht für alle Zeit verlieren wollten. Ihr müsst meinen Sohn leiten und fortan mein Volk anführen.«
    II Hanedr küsste ihre Hand und umarmte wortlos Menika. Danach verließen die beiden Frauen das Wachzimmer und begaben sich zur Innenmauer, wo ein Laufsteg über das Westtor verlief. Zelika vernahm von draußen gedämpften Jubel, der in einem langen Donnergrollen unterging.
    Eine Zeit lang saßen sowohl II Hanedr als auch Juriken schweigend in einem Raum, der wesentlich dunkler als zuvor schien. II Hanedr hob den Kopf, und Zelika, die scheu von der Wand zu ihm spähte, sah, dass ihm Tränen in den Augen standen. Es entsetzte sie und war ihr peinlich, dass sie einen solchen Hauptmann, für Zelika einen wahren Helden, in einem derartigen Augenblick sah. Hastig starrte sie auf Irc hinab.
    Zumindest besaß die Krähe genug Verstand, sich hier ruhig zu verhalten, dachte sie. Plötzlich überkam sie Bedauern darüber, wie sie Irc behandelt hatte. Ebenso bedauerte sie mit einem Schlag ihr ganzes bemitleidenswertes, fruchtloses Abenteuer. Sie setzte sich, schlug die Beine übereinander und löste behutsam den Riemen, mit dem sie Irc die Füße gefesselt hatte.
    Zu ihrer Überraschung rührte sich das Tier zuerst gar nicht. Was daran lag, dass sie ihm die Beine so fest zusammengeschnürt hatte, dass er sie kaum fühlen konnte und insgesamt zerschunden und wund war. Als Irc letztlich erkannte, dass er frei war, hopste er von ihrem Schoß und kippte um.
    Zelika biss sich auf die Lippe und streckte sich, um ihn einzufangen. Sie fürchtete, ihm die Beine gebrochen zu haben; das würde ihr Hem nie verzeihen. Irc stieß ein spitzes Krächzen aus, hackte nach ihrer Hand und schleppte sich von ihr weg. Ich schätze, ich verdiene nichts anderes, dachte Zelika. Ich bin ein Nichts. Eine einzige Schande. Sie vergrub das Gesicht in den Händen.
    Irc hopste zur gegenüberliegenden Seite der Kammer, von wo aus er Zelika wachsam beobachtete. II Hanedr sprach mit Juriken, danach verließ auch er das Wachzimmer. Zurück blieben nur Zelika, Juriken und Irc.
    Eine Weile saß der Barde schweigend da,

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