Die Porzellanmalerin
beschrieben habe?«, hakte Friederike nach.
Doch Josefine hörte schon nicht mehr zu. Sie griff sich eine Handvoll Pfefferkörner aus einem der Säckchen, holte den steinernen Mörser vom Küchenbord und begann energisch mit dem Stößel das Gewürz zu zermalmen.
Das wird ein Festmahl werden, dachte Friederike, was immer es heute zu essen geben sollte.
6. KAPITEL
F riederike ließ das Beil sinken. Vor ihr auf dem Axtblock lag ein großer Buchenholzstamm. Über ihrer Nasenwurzel hatten sich zwei steile Falten gebildet. Die Schweißtropfen liefen ihr über das Gesicht, so angestrengt hatte sie gehackt. Fast ein halbes Klafter Holz, ohne ein einziges Mal abzusetzen. Sie drehte sich zu Josefine um, die ihr offenbar schon eine ganze Weile zugesehen hatte.
»Na, wen hast du denn da erschlagen?«, fragte die Freundin spöttisch. »Mit dir stimmt was nicht, das sehe ich doch!«, fügte sie etwas sanfter hinzu. »Wer oder was hat dich so aufgebracht, dass du hier dermaßen herumwüten musst?«
»Wie kommst du denn darauf?«
Friederike hieb das Beil nur ganz leicht in den Buchenstamm, damit sie es später ohne Mühe wieder herausziehen konnte. Trotz der Hitze hatte sie ihre Winterstiefel angezogen, eine reine Vorsichtsmaßnahme, falls sie beim Hacken danebenhauen sollte. Sie trug ein altes Hemd von Josefines Mann mit aufgekrempelten Ärmeln. Eine ausgeblichene Hose schlotterte um ihre Beine.
Josefine hatte sich einen der beiden Ledereimer gegriffen, die neben der Regenwassertonne standen, und ihn randvoll mit Wasser gefüllt. Mit einem Ausdruck von Missbilligung sah sie an Friederike herunter, als sie den Eimer vor ihr abstellte.
»Damit kannst du dich waschen, du Kerl, du! Dass du mal ein vornehmes Meißener Fräulein warst, möchte man wirklich nicht glauben, wenn man dich so sieht. Schau dich doch mal an!«
»Schau dich doch selbst an!«, hätte Friederike am liebsten erwidert.
Die Freundin trug nicht mehr als ein leichtes Mieder und einen alten Unterrock. »Bei der Hitze kann man sich einfach nicht ordentlich anziehen«, hatte sie feierlich verkündet, und mit einem Achselzucken hinzugefügt, dass die Nachbarn wegen der hohen Mauern sowieso keinen Einblick in den Hof hätten. »Es sieht mich doch niemand. Und selbst wenn …«
Josefine hatte auch den zweiten Ledereimer in die Tonne getaucht und goss nun eine halbe Ladung Wasser auf die ausgetrocknete Erde unter dem Stachelbeerbusch. Der Boden war so hart, dass die Flüssigkeit stehen blieb, statt sofort einzusickern.
»Du läufst rum wie ein Mann, redest wie ein Mann, gestikulierst wie ein Mann - und siehst aus wie ein Mann. Du beherrschst deine Rolle ziemlich gut. Um nicht zu sagen: zu gut!«
»Um so besser«, knurrte Friederike und zog vorsichtig das Beil aus dem Buchenstamm. Für sie war das Gespräch beendet.
Das Beil sauste in das trockene Holz hinein und brach den Stamm in zwei saubere Hälften, als Josefine noch einmal nachlegte:
»Selbst dein Verhalten ist typisch für einen Mann. Du machst einfach weiter und redest nicht über die Dinge.«
Friederike legte die eine Hälfte des Buchenstamms wieder auf den Hackklotz, um ihn zu vierteilen.
»Worauf willst du hinaus, Josefine?«
Diese stopfte sich eine Stachelbeere in den Mund.
»So wie du im Moment aufgelegt bist, könnte ich ja gleich mit einem Mann zusammenwohnen.«
Was sollte das denn bedeuten? Friederike fehlten die Worte, so überrascht war sie.
»Du redest überhaupt nicht mehr mit mir!« Nervös zupfte Josefine an den Blättern des Stachelbeerstrauchs.
»Aber was soll ich denn die ganze Zeit reden?« Friederike versuchte, ihre Stimme nicht allzu gereizt klingen zu lassen.
»Wir haben uns unsere Geschichte hundertmal erzählt. So viel Neues erlebst weder du noch ich jeden Tag, als dass man die ganze Zeit reden könnte. Außerdem hacke ich gerade Holz. Dabei kann ich nicht reden, sonst hacke ich mir in den Fuß.«
Auch Josefines Ton wurde schriller.
»Du verheimlichst mir was, das merke ich ganz genau!«
Wie hatte Josefine ihr das anmerken können? Natürlich hatte ihre Wirtin recht: Sie verheimlichte ihr in der Tat etwas. Dabei war es gar nichts Wichtiges. Nichts jedenfalls, das Josefine sofort hätte wissen müssen. Durfte man nicht mal für ein paar Stunden etwas für sich behalten? Friederike schnaufte empört. Durfte man nicht mal erst über eine Sache nachdenken, bevor man sie weitererzählte? Mit welchem Anspruch verlangte Josefine, sofort über alles informiert zu werden?
»Es
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