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Die Rose von Asturien

Titel: Die Rose von Asturien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Iny Lorentz
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Angriff der Mauren nach dem anderen zurück.

3.
     
    A
n den beiden ersten Tagen in Fadl Ibn al Nafzis Haus empfand Maite nur Hass. Um ihren Willen zu brechen, hatte der Feldherr befohlen, die Tür zu ihrer Kammer verschlossen zu halten und ihr weder Nahrung noch Wasser zu reichen. Maite erkannte seine Absicht und wusste, dass sie schon bald zu schwach sein würde, um sich wehren zu können. Doch eine schnelle Flucht, die sie als Einziges vor einer erneuten Vergewaltigung bewahren konnte, war unmöglich.
    Bis jetzt hatte sie Konrad noch nicht sprechen können, obwohl er oft nur wenige Schritte vor ihrem Fenster Unkraut jätete. Die Arbeit ging ihm langsam von der Hand, der harte Marsch durch die gnadenlose Sonne schien ihm das Letzte an Kraftabgefordert zu haben. Auch war die Behandlung in Fadl Ibn al Nafzis Haushalt gewiss nicht dazu angetan, ihn rasch gesunden zu lassen. Er wirkte so mager, als bekäme er nicht genug zu essen, und jeden Morgen bedeckten frische Peitschenstriemen seinen Rücken. Wie es aussah, schien Fadl ihn vorerst am Leben lassen zu wollen, vielleicht um seine Rache in die Länge zu ziehen und den Franken möglichst lange leiden zu lassen. Irgendwann aber würde er ihn grausam töten, das hatte er geschworen.
    Da Konrad wusste, welches Schicksal ihm hier bevorstand, war er Maites einzige Hoffnung. Als sie am dritten Tag am Fenster saß und versuchte, ihren brennenden Durst und das Rumoren in ihren Eingeweiden zu vergessen, hörte sie von draußen das Klappern von Hufen. Auch Konrad horchte auf, arbeitete dann aber weiter. Dabei kam er immer näher auf ihr Fenster zu.
    Rasch öffnete Maite es und spürte, wie die warme Luft von draußen über ihre Haut strich. Um Konrad auf sich aufmerksam zu machen, klopfte sie mit dem Griff des Dolches gegen das hölzerne Gitter.
    »Hörst du mich, Franke?«, fragte sie so laut, wie sie es gerade noch verantworten zu können glaubte.
    »Maite?« Er sprach den Namen wie einen Fluch, und sein Gesicht verzerrte sich zu einer hasserfüllten Grimasse. »Du elende Verräterin!«
    Seine Anklage empörte sie, doch sie hatte keine Zeit, über Dinge zu reden, die im Augenblick nicht von Belang waren. »Wenn du nicht ewig Fadl Ibn al Nafzis Unkraut rupfen und als Lohn dafür Schläge erhalten willst, solltest du mir zuhören, Franke!«
    Konrad blickte in die Richtung, aus der er die Stimme hörte, senkte aber sofort wieder den Kopf. »Gerade dir werde ich erzählen, ob ich fliehen will oder nicht.«
    »Sei nicht so stur! Wir müssen beide fliehen. Gemeinsam können wir es schaffen. Allein kommt keiner von uns zurück in die Heimat.« Händeringend hoffte Maite, dass Konrad sich überzeugen ließ. Doch zunächst sah es nicht so aus. Er wandte ihr den Rücken zu und rupfte ein paar Stengel aus. In seinem Kopf jedoch arbeitete es. Weshalb war Maite noch hier? Ihr Onkel und die anderen Waskonen waren doch schon vor Tagen abgereist. Hatte ihr Verwandter Okin sie zurückgelassen, damit sie Fadl Ibn al Nafzis Frau oder – besser gesagt – eines seiner Weiber werden sollte? Er vergönnte es ihr. Trotzdem mochte sie der Schlüssel sein, der ihm und vielleicht auch Ermengilda das Tor zur Freiheit aufschließen konnte. Doch durfte er ihr trauen? Immerhin hatte sie sich schon einmal auf die Seite seiner Feinde geschlagen. Noch im Zwiespalt mit sich selbst, schüttelte er den Kopf.
    »Flucht ist unmöglich. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in mein Schicksal zu fügen, so wie Ermo es tut.« Bei der Erwähnung seines einstigen Nachbarn zitterte Konrads Stimme. Ermo hatte seinen Verrat vollkommen gemacht und sich dem Glauben seiner neuen Herren angeschlossen. Nun wollte er zeigen, dass er ein besonders eifriger Moslem war, indem er alle Christen Schweine und die Juden Hunde nannte. Gebracht hatte ihm das bisher nicht viel, denn er galt in Fadls Haushalt als Sklave, und da dessen Knechte ein beschauliches Leben liebten, musste Ermo einen Gutteil der Arbeit für sie mittun. Konrad aber taugte wegen seiner Schwäche zu nicht mehr, als im Garten Pflanzen auszuzupfen, die hier als Unkraut galten.
    Maite begriff, dass der Franke an Flucht dachte, nahm aber an, er wolle sie nicht mitnehmen, und wurde wütend. »Ich hoffe, Fadl Ibn al Nafzi fängt dich schnell wieder ein, wenn du fliehen solltest, und zeigt dir dann, was wirkliche Qualen sind.«
    »Danke für den frommen Wunsch! Er wird wohl kaum in Erfüllung gehen. Fadl ist aufgebrochen, um die Grenzen des Königreichs zu

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