Die Rückkehr des Zweiflers - Covenant 08
Heer zu sehnen. »Darüber muss Streitwart Inbull entscheiden. Eine Heilerin würden wir freudig willkommen heißen. Aber dass die Frau wahr spricht, sagt wenig über ihre Begleiter aus.« Dann wandte sie sich an die Späher: »Ihr patrouilliert weiter. Kommen vier Fremde aus Westen, können acht folgen ... oder ein Dutzend oder ...« Sie brachte den Gedanken nicht zu Ende. »Epim und ich übernehmen die weitere Begleitung.«
Erleichtert folgte Linden ihr und ihrer Begleiterin, während die Späher lautlos in der Nacht verschwanden. Ihr Gesicht fühlte sich wie steifgefroren an, und ihr ganzer Körper schmerzte vor Kälte, doch trotzdem funktionierten ihre Nerven weiter. Sie näherte sich einer großen Menge von Männern und Frauen – und sehr viel weniger Pferden. Unter den Kriegern spürte sie Aufruhr und Entschlossenheit; fortwährenden Stress von Überanstrengung und Blutverlust und Unterernährung; zahllose Fälle von Verwundungen, Leiden und Sterben. So gut sie konnte, starrte sie nach Osten, wo bald Lagerfeuer sichtbar werden mussten. Aber selbst ihre Augen schienen gefroren zu sein, so wenig nützten sie ihr.
In ihrer Konzentration merkte sie nicht gleich, dass die Reiterin sie erneut ansprach. »Ich bin Yellinin, Dritte nach Streitwart Inbull im zehnten Fähnlein der zweiten Schar. Er wird nach euren Namen fragen. Und kommt ihr in der Tat als Freunde, möchte ich höflich von euch sprechen. Wie soll ich euch dem Streitwart vorstellen?«
Linden biss sich auf ihre gefühllose Unterlippe. Sie hatte keine Zeit – und noch weniger Kraft – für lästige Fragen. Und sie hatte eben den ersten Feuerschein entdeckt. Er überstrahlte die Sterne, machte die Nacht weniger finster und zeichnete einen langen, sanft ansteigenden Abhang nach – das letzte Hindernis zwischen ihr und dem Lager. Dennoch bemühte sie sich, ihre Ungeduld zu beherrschen: »Ich bin Linden Avery. Der Mann neben mir ist der Theomach. Thomas Covenant und mein Sohn Jeremiah sind hinter uns.« Und weil auch sie auf ihre Weise verzweifelt war, fügte sie hinzu: »Können wir die Unterredung mit eurem Streitwart nicht überspringen? Auch ich will nicht unhöflich sein, aber ihr habt hier erschreckend viele Verwundete. Die kann ich von hier aus spüren. Für alle wäre es besser, wenn ihr mich gleich ins Feldlazarett bringen würdet ...« Sie verzog das Gesicht wegen dieses unbeholfenen Ausdrucks, den Yellinin vielleicht gar nicht kannte. »... oder wo ihr sonst eure Verwundeten versorgt. Lass mich meinen Wert beweisen. Danach kann euer Streitwart – oder Lord Berek – entscheiden, was er von mir hält.« Dann kam ihr eine Idee: »Inzwischen kannst du meine Begleiter zu Streitwart Inbull bringen. Sie kann er ausfragen, so lange er will.« Sie lächelte stumm. Ein rätselhafteres Trio als Covenant, Jeremiah und der Theomach war kaum vorstellbar. Aber falls die Ressourcen von Bereks Feldscheren und Kräuterheilern aufgebraucht waren, würde sie den Stab des Gesetzes einsetzen müssen – und dazu musste sie möglichst weit von Covenant und Jeremiah entfernt sein. »Stell sie dir als Geiseln vor, die für meine guten Absichten bürgen.«
»Mama!«, protestierte Jeremiah mit ängstlich klingender Stimme. Und Covenant murmelte: »Höllenfeuer, Linden! Gerade als ich dachte, dir seien die schlimmen Ideen ausgegangen ...«
Die Besorgtheit ihres Sohns rührte sie an, während Covenants Verdruss sie kalt ließ. Aber sie verhärtete ihr Herz und ließ beiden den Rücken zugekehrt. Ihre Aufmerksamkeit war auf Bereks Verwundete konzentriert, und ihr Blick enthielt eine stumme Bitte an Yellinin: Bitte. Ich flehe dich an.
»Weisheit, wie ich bereits gesagt habe«, verkündete der Theomach. »Lady, ich bin entzückt und dankbar zugleich.«
Die Reiterin beugte sich aus dem Sattel herab, um Lindens Gesicht im schwachen Widerschein der Lagerfeuer zu studieren. »Du verlangst viel von mir, Linden Avery«, erwiderte sie streng. »Beurteile ich dich falsch – oder hat Krenwill sich verhört –, kannst du großen Schaden anrichten.«
»Sage ich jedoch die Wahrheit«, antwortete Linden, »rettest du Menschenleben.«
Die Reiterin nickte langsam: »Es war der Junge, den du Jeremiah nennst – hab ich recht? –, der Theurgie gegen Basila und ihre Kameraden eingesetzt hat. Bist du von ihm getrennt, kann er dich nicht mehr beschützen.« Und in deiner Abwesenheit kann er so viel Schaden anrichten, wie er will.
»Ja«, bestätigte Linden sofort, »er ist es
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