Die Schöne des Herrn (German Edition)
Moustier – und Vorsitzende einer literarischen Gesellschaft, die sie gegründet hatte, um den Kreis ihrer vornehmen Beziehungen zu erweitern –, erzählte begeistert von dem Vortrag eines Herzogs, Mitglied der Académie française, den sie sich angehört hatte, um ihn nach dem Vortrag anzusprechen und von nun an – natürlich nur ganz nebenbei, wie es sich gehört – erzählen zu können, sie kenne diesen lieben Herzog, der so einfach und so herzlich sei. Ganz aufgeregt, weil er mit dem gleichgültig dreinblickenden Guastalla plauderte, einem unfähigen Marquis und Protegé, mit dem man nichts anzufangen wusste und den man daher zum Sonderberater des Generalsekretärs ernannt hatte, beeilte Petresco sich, von den Ferien zu sprechen, die er vielleicht bei den Titulescos auf ihrem Besitz in Sinaia verbringen würde, wo es jedoch im Sommer so heiß sei, dass er sich trotz der wiederholten Einladung des Ministers noch nicht entschlossen habe, was ein freundliches Lächeln auf die Lippen seines Gesprächspartners zauberte. Darauf ergriff Madame Petresco die Gelegenheit, originell zu sein, klatschte in die Hände, um das verwöhnte Kind und spontane Mädchen zu spielen, und rief, sie wolle zu ihrem lieben Titu und nirgendwo anders hin, egal, wie heiß es in Sinaia sei, zu ihrem lieben Titu und nirgendwo anders hin, zu ihrem Flirt Titu und nirgendwo anders hin, jawohl!, und fuhr schelmisch fort, in die Hände zu klatschen und ihr Titu zu kreischen, um den bedeutenden Guastalla zu bezaubern. Zwei sich hassende, aber in ihrem Aufstieg verbundene Eheleute, von denen sich gerade ein Minister für Kriegsversehrte losgeeist hatte, der seine politische Karriere seinem Holzbein verdankte, schickten sich gemeinsam an, den Gesandten eines kleinen neu gegründeten Staates zu überprüfen, einen schuppigen ehemaligen Journalisten, der sich in einem Spiegel betrachtete und seinen Augen nicht traute. Eine alte englische Dichterin mit zehn schweren Ringen an den Fingern schmollte einsam und rückte ihren tröstenden mittelalterlichen, mit einem langen schwarzen Schleier versehenen Hut zurecht, Genre giftmordende Königinmutter und Katharina von Medici. Als der Gesandte Croci Solal erblickte, stürzte er auf ihn zu und erklärte, er sei überglücklich, mit seinem lieben Freund plaudern zu können. In Wirklichkeit war er in der Hoffnung gekommen, irgendein kurzlebiges politisches Geheimnis aufzuschnappen, um es nach Rom weiterzuleiten und sich damit verdient zu machen. Sich ins rechte Licht setzen, einen Botschafterposten ergattern, auf der Leiter nach oben steigen, von der alle herunterpurzeln werden, gestoßen in das für sie gegrabene Erdloch. Um ihn loszuwerden, erfand Solal eine vertrauliche Mitteilung, die das Schweinchen begierig aufnahm, wobei sein Adamsapfel heftig auf und ab hüpfte. Nach einigen Liebenswürdigkeiten ging er verrückt vor Freude, begleitet von einem noch nicht erkannten Krebs. Da der Fahrstuhl nicht gleich kam, lief er die Treppen hinunter und konnte es kaum erwarten, seinem Minister die wichtige Geheimnachricht zu übermitteln. Der Botschafterposten war ihm sicher! Schnell ein persönlich chiffriertes Telegramm mit dem Zusatz »Streng geheim, nur für Seine Exzellenz bestimmt!« Oder nein, besser gleich nach Rom fliegen! Ein guter Vorwand für einen persönlichen Kontakt mit dem großen Chef! Nachdem sie den kahlen Botschafter endlich gekapert hatte, zitierte die Baronin de Moustier ihm mit ihrer zitternden und durch zahlreiche Polypen näselnden Stimme einen Gedanken dieses lieben so einfachen und so herzlichen Herzogs, nämlich, dass es ebenso wichtig sei, ein guter Gärtner zu sein wie ein guter Herzog und Pair. »Wie schön und wie wahr!«, sagte sie feucht und lächelte aus ganzer Seele der Exzellenz zu, die dieser Intrigantin jedoch nicht aufzusitzen gedachte und sie ohne weiteres stehen ließ, um sich schüchtern Lord Galloway zu nähern, dem die rumänische Delegierte, nachdem sie sich vorsichtig nach allen Seiten umgeblickt hatte, gerade anvertraute, sie habe aus sicherer Quelle erfahren, dass der italienische Delegierte bei der übermorgigen Ratssitzung nicht wie im Vorjahr von nationalen Forderungen sprechen werde, sondern nur von nationalen Bestrebungen, was immerhin eine Nuance von kapitaler Wichtigkeit sei, die eine Wende in der faschistischen Politik ankündige, behauptete sie mit majestätischen und keinen Widerspruch duldenden Hängebacken, während sie ihre kleine Hand wie eine
Weitere Kostenlose Bücher