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Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Die Sommerfrauen: Roman (German Edition)

Titel: Die Sommerfrauen: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mary Kay Andrews
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die Schlafzimmer vorzubereiten.
    Doch als sie ihren großen Koffer in den ersten Stock geschleppt und die Tür zum ersten Raum geöffnet hatte, sank ihr Mut.
    Das Zimmer war weiß gestrichen, die Bodendielen waren in grau gehalten. Es war luftig und geräumig, und zwei große Fenster boten einen grandiosen Blick auf den unglaublich blauen Sommerhimmel. Doch ansonsten war das Zimmer so gut wie leer. Ein einsames kleines Doppelbett stand in der Ecke, darüber war ein verschlissener Quilt aus blauen Blumen auf rosa Grund gebreitet. Zwei hauchdünne Kopfkissen lagen am oberen Ende, am Fußende war eine gefaltete Armeedecke in Olivgrün. Es gab keinen Nachttisch, keine Lampen, keinen Spiegel, keine Stühle, nicht mal einen Kofferständer. Eine klapprige Kommode mit drei Schubladen stand gegenüber dem Bett an der Wand. In einem klitzekleinen Wandschrank fehlten jegliche Kleiderbügel. Eine verrostete Klimaanlage war in ein kleines Fenster neben der Kommode eingebaut.
    »Ein Klimagerät im Fenster!«, rief Ellis. Im Zimmer war es heiß und stickig. Sie ging in den Flur und öffnete die anderen beiden Schlafzimmertüren. Die Räume waren ebenso spärlich eingerichtet – und tatsächlich: In jedem Fenster steckte die gleiche jämmerliche Klimaanlage.
    Sie stellte alle drei Geräte an. Laut ratterten sie in den Fenstern, doch innerhalb weniger Minuten spürte Ellis, dass die Temperatur fiel und ihr brodelndes Blut sich langsam beruhigte.
    Wenn sie diesen Mr Culpepper in die Finger bekam! Nichts im ersten Stock war so, wie es auf der Website von Ebbtide beschrieben war. In Ellis’ Zimmer hätte ein Bett mit Überbreite stehen müssen – und nicht so ein lächerliches kleines Ding, das da jetzt war. In Julias babyblau gehaltenem Zimmer hätte ein Doppelbett stehen müssen, stattdessen war dort ein schmales Einzelbett. Und Willas narzissengelbes Zimmer verfügte auch nur über ein eher schmales Doppelbett. Ellis zog den Kopf ein, weil sie bereits wusste, wie Willa darauf reagieren würde. Nur widerwillig hatte sie sich überreden lassen, zweihundert Dollar extra zu zahlen, wenn die anderen Frauen ihr das Zimmer mit dem King-Size-Bett überließen, da das die Größe war, an die sie und ihr Mann von zu Hause gewohnt waren. Arthur war natürlich gar nicht dabei, aber Willa hatte behauptet, sie könne unmöglich in etwas Kleinerem schlafen.
    Nachdem Ellis alle Klimaanlagen eingeschaltet hatte, stieg sie die schmale Treppe empor in den zweiten Stock. Die Stufen waren steil, die Wände so nah, dass Ellis nicht wusste, wie man einen normalen Koffer hinauf wuchten sollte. Sie musste innehalten und Luft holen, als sie den zweiten Stock schließlich erreicht hatte. Hier oben war es sogar noch heißer.
    Sie befand sich in einem kleinen Flur. Anders als im ersten Stock bestanden die Wände aus unbehandelten Holzpaneelen. Sie rochen schwach nach Pinie. Es gab drei Türen. Ellis öffnete die erste und entdeckte ein winziges Badezimmer mit einer Wanne mit Löwenfüßen und einem ungewöhnlichen Toilettensitz mit hohem Rücken. Sie konnte nur den Kopf schütteln, als sie sah, dass an der Badewanne kein Duschschlauch angebracht war. Dorie gehörte nicht zu der Sorte, die sich beschwerte, das war die Spezialität ihrer Schwester Willa, doch selbst die liebe Dorie würde nicht glücklich darüber sein, keine Dusche zu haben.
    Ellis probierte die Tür gegenüber. Sie war von der Hitze und Feuchtigkeit verzogen, doch schließlich konnte Ellis sie aufreißen, nur um festzustellen, dass sich dahinter ein Speicher verbarg. In dem hohen Raum war es schwül, er war voll gestellt mit verstaubten Pappkartons, Koffern und Möbelstücken. Vielleicht, überlegte Ellis zwischen zwei Niesern, konnte sie hier ein paar Beistelltische und Stühle finden, um die Schlafzimmer etwas wohnlicher einzurichten. Später.
    Sie öffnete die dritte Tür, durch die sie ins Schlafzimmer gelangte. Unter dem Dach gelegen, war es nicht so hoch und hatte schräge Wände, doch ein Erkerfenster zog sich gegenüber vom Bett über die gesamte Breite des Raums, und als Ellis hinaussah, bot sich ihr ein unglaublicher Blick auf das Meer. Die Wellen rollten an den Strand, Kinder flitzten ins Wasser und wieder heraus. Ellis riss das Fenster auf, und eine Brise wehte herein, die den Geruch von Salzwasser mit sich trug. Es gab noch ein zweites Fenster hoch über dem Bett, und wenn Ellis sich auf die Zehenspitzen stellte, konnte sie von dort auf die Straße schauen.
    Das Zimmer war

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