Die Stunde der Gladiatoren
worden war.
»Du weiÃt, was das ist?«
Aber natürlich wusste sie, was das war. Und sie wusste, worüber Chrysaphius und ihre Herrin, die Kaiserin, gesprochen hatten. Vor ihr, der langjährigen Vertrauten, hatte Flavia Maxima Fausta, ungeliebte Gattin von Flavius Valerius Constantinus, keinerlei Geheimnisse. Wenn, dann war sie es, die in ihre Pläne eingeweiht, mit Botengängen betraut und mit Geschenken überhäuft worden war. Sie war es, der die Kaiserin ihr Herz ausschüttete, der sie vertraute, der sie Einblicke gewährte, die allein ihr vorbehalten waren. »Natürlich weià ich das.«
»Na also, dann wären wir uns ja einig.«
»Einig?«
Ein Wort, nur ein einziges unbedachtes Wort, und die Tortur begann von vorn. Das Schicksal, zu dem sie verdammt zu sein schien, vor Augen, hielt Berenike die Luft an, während die Wogen, die zu Brechern anschwollen, über ihr zusammenschlugen. Das ist das Ende!, dachte sie, und es schien, als würde sie von der Flut, gegen die sie sich stemmte, fortgerissen werden.
»Wie du siehst, führt es zu nichts, wenn du die Unwissende spielst. Mir kannst du nichts vormachen. Ich weià genau, mit wem du unter einer Decke steckst. Und ich weiÃ, wie man mit Leuten deines Schlages umzugehen hat.«
Von dem, was ihr Peiniger sagte, hatte Berenike nur die Hälfte verstanden. Eines aber war ihr klar: Dieser Mann meinte es ernst. Bitterernst.
Und er schreckte vor nichts zurück.
»Also: Hast du es dir überlegt?«
Auch davor nicht, bis zum ÃuÃersten zu gehen.
»Alles, woran ich interessiert bin, sind ein paar Informationen. Ãber die Kaiserin. Ãber ihr Privatleben. Und über den Umgang, den sie pflegt.«
»Wer bist du? Wer gibt dir das Recht, am helllichten Tag über mich herzu â¦Â«
»Der Kaiser«, entgegnete der Mann und schlug ihr ins Gesicht. »Zufrieden?« Der Unmut des Menschenschinders wuchs. »Doch zurück zu uns, mein Schatz: Wie wärâs mit einem heiÃen Bad? Das entspannt und verleiht frische Kräfte.«
»Nein, bitte nicht! Hab Erbarmen, Herr, ich werde sagen, was ich â¦Â«
»Aber, aber, wer wird denn gleich in Panik geraten.« Am Ziel seiner Wünsche, schlug der Mann, vor dem Berenike kapituliert hatte, einen vor Genugtuung strotzenden Tonfall an. »Du wirst mir sagen, was du über das Privatleben â oder wenn man so will â Intimleben der Kaiserin weiÃt. Und zwar alles, bis ins Detail. Ihre Ambitionen, ihre Machtgelüste nicht zu vergessen. Dann werden wir weitersehen.«
»HeiÃt das, ich komme wieder frei?«
»Ob du freikommst, schwarze Hexe, hängt allein von dir ab. Insbesondere von deiner Redseligkeit.«
Und so begann Berenike zu erzählen. Je länger ihr Bericht währte, desto mehr wuchs ihre Scham, desto mehr aber auch die Zuversicht, der Gefahr, in der sie schwebte, entronnen zu sein. »So, das war alles!«, schloss sie ihren Bericht, »mehr weià ich beim besten Willen nicht zu berichten.«
»Mehr war auch nicht verlangt!«, lautete die Antwort, welche an das Ohr der Kammerfrau drang. »Ich muss zugeben, du hast mir sehr geholfen.«
»HeiÃt das, du lässt mich in Ruhe?«
»Aber natürlich.«
Berenike atmete befreit auf.
»Was hast du denn gedacht.«
Und tatsächlich â kaum hatte sie die Worte ihres Peinigers vernommen, spürte die Nubierin, wie sich jemand näherte, an das Kopfende der Holzpritsche trat und die Kapuze entfernte, welche ihr zuvor übergestülpt worden war.
Berenike schlug die Augen auf. Stille. Ãberall Totenstille. Und dieser Geruch, dieser beiÃende Gestank nach SchweiÃ. Blut, das aus ihrer Nase sickerte. Wasser, das auf den Boden tropfte. Schattenbilder, welche in Zylindern steckende Fackeln an die Decke warfen.
Sonst nichts?
Noch nichts.
Bis sich das Profil eines Mannes in ihr Blickfeld schob, verging beinahe eine Ewigkeit. Es war ein Mann in mittleren Jahren, vom Aussehen her Dalmate, breitschultrig, beinahe doppelt so alt wie die Nubierin und mit harten, unerbittlich anmutenden Zügen.
Ein Mann, den sie kannte.
»Ãberrascht?«
» Du? «, brach es aus Berenike hervor, so heftig, dass das Echo ihres Ausrufs von den Wänden widerhallte. »Du hier?«
»Ja, ich â was ist daran so schlimm?«
Blind gegenüber dem Blick, mit dem Tiro, Magister Officiorum, sein
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