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Die Tiefe einer Seele

Die Tiefe einer Seele

Titel: Die Tiefe einer Seele Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kate Dakota
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gleich noch? Ach ja, bei den hellen und dunklen Phasen.«
    »Genauer gesagt hatte ich gerade erzählt, dass wir geglaubt hatten, sie mit unserer Liebe heilen zu können«, meinte der Pastor und rückte einen Stuhl für seine Frau zurecht. Erin und James setzten sich ebenfalls wieder. »Aber wir irrten uns!«, fuhr Egidius fort. »Nach etwa einem Vierteljahr mussten wir einsehen, dass wir keinen Schritt weitergekommen waren. Amelie verschloss sich zunehmend weiter vor uns. Hinzu kam, dass ihre Brüder, meine Frau und auch ich immer mehr unter dieser Situation zu leiden begangen. Es konnte und durfte so nicht weitergehen. Darum gaben wir sie in eine Klinik nach Aurich, wo sie therapeutisch betreut wurde.«
    »Die Entscheidung ist uns damals nicht leicht gefallen«, ergänzte Magda. »Aber die Monate danach zeigten, dass wir richtig damit gelegen hatten. So sah es jedenfalls zunächst aus. Amelie schien sich dort wohl zu fühlen. Sie durfte sich frei bewegen, fand sogar ein paar Freunde und sie entdeckte in dieser Zeit ihre große Leidenschaft für Geschichte. Wir konnten manchmal gar nicht mit Lesematerial nachkommen. Sie verschlang einfach alles im Handumdrehen, egal ob es um die Kaiserdynastien Chinas oder um das Viktorianische Zeitalter ging. Es war so schön, das zu beobachten. Wie sie auflebte und zurück ins Leben fand. Zwei Monate war sie dort, und als sie nach Hause kam, dachten wir, dass nun alles in Ordnung war. Beinahe so, als wenn nichts geschehen sei, als wäre es nur ein böser, vom Teufel geschickter Traum gewesen.«
    »Aber es war nicht so?«, warf James angespannt ein und konnte die Antwort erneut erahnen.
    »Nein, es war nicht so«, bestätigte Egidius. »Obwohl wir fünfeinhalb Jahre davon überzeugt waren. In dieser Zeit nahm Amelie ihr altes Leben wieder auf, und wir versuchten es ihr gleich zu tun. Wobei meiner Frau und mir das nicht so richtig gelang. Es war zu viel zusammengekommen. Die Menschen hier auf der Insel haben sich damals einiges zusammengereimt. Sie vermuteten, dass unsere Tochter sich umbringen wollte, weil ich ihr Gewalt angetan hätte. Ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse und eine äußerst schlimme Zeit für uns. Zum Glück konnte ich die Vorwürfe entkräften, doch meine Gesundheit war stark angeschlagen. Ja, und Magda….« Er hielt inne und sah seine Frau voller Liebe, aber auch mit Bedauern an.
    »…..hat aufgehört zu schreiben«, vollendete James den Satz.
    Verdutzt sah das Ehepaar Johannson den Amerikaner an. »Woher wissen Sie das?«, fragte Magda mit zitternder Stimme.
    »Amelie hat mal erwähnt, dass Sie Autorin sind, jedoch nicht mehr schreiben. Sie wollte mir nicht erzählen, warum das so ist, doch nun kann ich es mir denken.«
    »Ich hatte mir geschworen, dass ich erst wieder damit beginne, wenn Amelie völlig genesen ist«, sagte Magda leise und konnte ihren Schmerz kaum verbergen. »Und beinahe wäre es so weit gewesen. Ich hatte schon eine klare Geschichte im Kopf und was noch viel wichtiger war, ich verspürte eine riesige Lust, sie aufzuschreiben, war ganz nahe dran. Dann aber fand der Hund eines Kurgastes unser kleines Mädchen leblos in den Dünen. Das war im November 2008.«
    »Sie hat es wieder versucht?«, raunte Erin tief betroffen und schlug entsetzt die Hände vors Gesicht.
    Egidius nickte. »Ja, hat sie. Sie hat Tabletten geschluckt. Genauer gesagt hat sie meine Schlaftabletten genommen. Hat sie über einen Zeitraum von fast drei Jahren nach und nach aus meinem Nachttisch entwendet. Immer nur eine, damit niemand Verdacht schöpft. Wissen Sie, die Ärzte haben damals ihre Diagnose dahingehend ergänzt, dass sie nun von einer rezidivierenden depressiven Störung ausgingen. Vereinfacht ausgedrückt heißt das, dass es sich um keine dauerhafte und ständig präsente Depression handelt, sondern um abgrenzbare depressive Episoden in der Biografie eines Menschen. Die Heilungschancen sind in diesem Fall prinzipiell sehr gut.«
    Erin nickte zustimmend, aber der Pastor hob abwehrend die Hände. »Nur konnte ich so recht nicht daran glauben, kann es bis heute nicht. Meiner Ansicht nach hat sie die Depression, die zu ihrem ersten Suizid führte, niemals vollständig überwinden können. All die Jahre bis zu ihrem zweiten Anlauf hat sie nur daraufhin gearbeitet, es doch endlich zu schaffen. Sterben zu dürfen. Und hat uns in all der Zeit, in der wie glaubten, sie wäre wieder gesund, nur etwas vorgemacht.« Beruhigend tätschelte er seiner leise weinenden

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