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Dohlenflug

Dohlenflug

Titel: Dohlenflug Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Georg Gracher
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anderen Trumpf im Talon, und der sticht in jedem Fall. Ich sage nur:
     Alpl-Hütte. Komm mir also nie wieder pampig.«
    Zum dritten Mal trat eine längere
     Pause ein. Dann sagte Regenmandl langsam: »Du wirst das einzig gültige
     Gesellschaftssystem nie kapieren. Die, die oben sind, sind nicht zufällig
     dort. Und sie sorgen auch dafür, dass sie dort oben bleiben –
     egal in welchem System. Ein Loser wie du sollte sich also nicht zu weit
     aus der Deckung wagen, sonst kriegt er hundertprozentig eins auf die
     Fresse.«
    »Sehr unklug von dir,
     gegen den Wind zu pissen. Du machst dich garantiert nur selbst nass.
     Willst du dich vielleicht jenen Bankern anschließen, die sich
     irgendwo in der Welt vor der Justiz verkriechen müssen? Dazu braucht
     man sehr, sehr viel Geld. So viel hast nicht einmal du zur Seite
     geschafft.«
    Eine Zeit lang war auf dem
     Band nichts zu hören, dann lachte Regenmandl glucksend: »Du
     hast wirklich keine Ahnung von der Welt, Fredl.«
    Und nach einer neuerlichen
     Pause fauchte er: »Ich schlage vor, du bringst erst mal deine
     Bilanzen in Ordnung. Es sollte dir nicht entgangen sein, dass uns in drei
     Wochen eine Revision ins Haus steht. Und jetzt schleich dich!«
    Das Gespräch war
     beendet.
    Koteks Handy spielte
     Schumann. Da sie im Bad war, warf Jacobi einen Blick auf das Display. Es
     war der Journaldienst des Referats 112.
    »Was gibt es, Max?«
    »Oh, hallo, Chef! Ins
     Haus von Alfred Schleißheimer, dem Bankangestellten, der heute in
     Bad Hofgastein ermordet wurde, ist eingebrochen worden«, meldete
     Bezirksinspektor Max Haberstroh gemächlich. »Vor wenigen
     Minuten.«
    Wie Oberleutnant Kotek,
     Chefinspektor Feuersang, Innendienst-Chef Hans Weider und Major Lorenz
     Redl gehörte auch Haberstroh zum inneren Kreis von Jacobis Team, dem
     sogenannten Sechserpack. Er hatte heute Nachtdienst. Meldungen wie diese
     stellten für ihn eine willkommene Abwechslung im langweiligen
     Journaldienst dar, aber aus der Ruhe brachten sie ihn schon lange nicht
     mehr.
    »Eine Nachbarin hat das
     Licht einer Taschenlampe in den Räumen aufblitzen sehen, wusste aber,
     dass Salma Schleißheimer nicht mehr im Haus war. Andernfalls hätte
     sie längst nach ihrer Katze Stella gerufen, wie sie es sonst jeden
     Abend tut. Sie hat es verlassen, unmittelbar nachdem Melanie, Leo und
     Werner weg waren, und ist noch nicht zurückgekehrt.«
    »Ihr habt das Nötige
     veranlasst?« Jacobis Frage war nur eine rhetorische Floskel.
    »Natürlich, Chef.
     Aber der Einbrecher war schon weg, als die Hofgasteiner Kollegen dort
     aufkreuzten.« Haberstroh hielt es für überflüssig
     anzumerken, dass in diesen Augenblicken die Ausfallstraßen des
     Marktfleckens Lafén abgeriegelt, frei parkende Autos überprüft
     und Personenkontrollen durchgeführt wurden.
    »Verwertbare Spuren?«
    »Leider nicht. Man oder
     frau war mit Handschuhen und dem Anschein nach mit
     Nullachtfuffzehn-Joggingschuhen unterwegs.«
    »Okay, Max, ihr meldet
     euch, wenn es nötig sein sollte.« Das hieß, Jacobi durfte
     in dieser Nacht nur noch in dringenden Fällen gestört werden.
    Melanie kam aus dem Bad. Ihr
     weißer Frotteebademantel stand vorne offen, und sie duftete verführerisch,
     aber Terrier Jacobi hatte nach dem Anruf von Haberstroh bereits eine
     andere Witterung aufgenommen: den Geruch von Mord und Totschlag.
    »In das Haus des
     Mordopfers ist eingebrochen worden, während du unter der Dusche
     standst«, sagte er beiläufig und schob dabei die zweite
     Kassette in den Rekorder.
    Kotek war nur mäßig
     überrascht. »Und? Mach’s bitte nicht so spannend. Hat man
     den Einbrecher erwischt?«
    »Leider nicht. Er oder
     sie muss bemerkt haben, dass die Nachbarn aufmerksam geworden waren, und
     ist blitzartig getürmt. Keine verwertbaren Spuren.«
    Melanie Kotek band den
     Bademantel mit dem Frotteegürtel zu und setzte sich zu Jacobi auf die
     Couch. Er schenkte ihr ein großes Glas Rotwein ein.
    Sie nahm es am Stiel und
     drehte es geistesabwesend zwischen Daumen und Fingern hin und her, während
     sie sich gegen seine Schulter lehnte.
    »Vielleicht war es ja
     gar kein Einbrecher«, mutmaßte sie, »sondern die Schleißheimer
     selbst. Werner könnte etwas übersehen haben, was sie sich jetzt
     holen und sicherheitshalber verschwinden lassen wollte.«
    Jacobi wiegte zweifelnd den
     Kopf. »Aber warum dann die Heimlichtuerei? Sie hätte doch ganz
     normal in ihr Haus zurückkehren können, kein Nachbar

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