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Dreizehn Stunden

Titel: Dreizehn Stunden Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Deon Meyer
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etwas daran getan
     werden müssen.
    Eine Garage gab es nicht. Griessel parkte am Straßenrand, hinter einem schwarzen Mercedes SLK 200 Cabrio, zwei Streifenwagen
     und einem weißen Nissan mit dem SAPS-Wappen auf der Tür und darunter in schwarzen Lettern die Worte
Social Services.
Der Kleinbus der Spusi stand auf der anderen Straßenseite. Dick und Doof. Sie mussten auf direktem Wege von der Langstraat
     hierher gekommen sein.
    An der großen hölzernen Eingangstür wurde er von einem Kollegen in Uniform aufgehalten. Er zeigte seinen Dienstausweis. »Sie
     müssen außen herumgehen, Inspekteur, das Wohnzimmer ist der Tatort«, sagte der Mann.
    Griessel nickte zufrieden.
    »Ich glaube, sie sind noch in der Küche. Sie können hier rechts entlang gehen, Inspekteur, und dann ums Haus herum.«
    »Danke.«
    Er machte sich auf den Weg. Das Stück Garten zwischen Mauer und Haus war nicht besonders breit. Die Bäume und Sträucher waren
     groß, alt und ein wenig ungepflegt. Von der Rückseite des Hauses aus hatte man Aussicht auf den Leeukop. |56| An der Hintertür hielt ein weiterer Kollege Wache. Wieder holte Griessel seinen Dienstausweis aus dem Portemonnaie und zeigte
     ihn dem Konstabel.
    »Der Inspekteur erwartet Sie.«
    »Danke.« Griessel ging hinein, durchquerte die Waschküche und öffnete die Innentür. Dekker saß mit einer Tasse Kaffee in beiden
     Händen am Küchentisch. Vor ihm lagen ein Stift und ein Notizbuch, und er konzentrierte sich voll und ganz auf die farbige
     Frau, die ihm gegenüber saß. Sie trug einen weißrosa Haushaltskittel, hielt ein Taschentuch in den Händen und hatte verweinte
     Augen. Sie war dicklich, wodurch man ihr Alter schwer schätzen konnte.
    »Fransman …«, sagte Griessel.
    Dekker blickte verstört auf. »Bennie.« Dann nach kurzem Zögern: »Komm rein.« Er war ein großer, athletischer Farbiger mit
     breiten, starken Schultern und einem Gesicht wie aus der Zigarettenwerbung, kantig und attraktiv.
    Griessel trat an den Tisch und schüttelte Dekker die Hand.
    »Das ist Mevrou Sylvia Buys. Sie arbeitet hier als Haushälterin.«
    »Guten Morgen«, grüßte Sylvia Buys höflich.
    »Guten Morgen, Mevrou.«
    Dekker stieß den Kaffee weg, als wolle er sich davon distanzieren, und zog etwas unwillig sein Notizbuch heran. »Mevrou Buys
     hat um …« Er blätterte in seinen Notizen. »… sechs Uhr fünfundvierzig mit der Arbeit begonnen und erst Kaffee gekocht und
     die Küche aufgeräumt, bevor sie um … sieben Uhr die Wohnräume inspizierte.«
    »Katastrophenmanagement«, sagte Sylvia Buys vorwurfsvoll. »Diese Frau kann einen Dreck machen!«
    »… wobei sie den Toten fand,
Meneer
Adam Barnard, und die Verdächtige, Mevrou Sandra Barnard …«
    »Eigentlich heißt sie Alexandra«, bemerkte die Haushälterin abschätzig.
    Dekker machte sich eine Notiz und fuhr fort: »Mevrou Alexandra Barnard. Mevrou Buys traf sie in der Bibliothek im ersten Stock
     an. Um sieben Uhr. Die Schusswaffe lag neben Mevrou Barnard auf dem Teppich.«
    »Und dann der viele Alkohol! Sie ist ein Alki, jeden Abend lässt |57| sie sich bis zum Stehkragen volllaufen, und Meneer Adam …« Sylvia Buys nahm das Taschentuch vom Tisch, betupfte sich die Nase
     und sprach mit immer dünnerer Stimme.
    »War sie auch gestern Abend alkoholisiert?«, fragte Griessel.
    »Die ist jeden Abend voll. Ich bin gestern um halb fünf gegangen, da war sie schon ganz schön betüdelt. Um die Zeit fängt
     sie an, Selbstgespräche zu führen.«
    »Mevrou Buys sagte, die Verdächtige sei allein gewesen, als sie gestern Nachmittag das Haus verlassen habe. Sie weiß nicht,
     um welche Uhrzeit Meneer Barnard zurückgekehrt ist.«
    »Er war ein netter Mann. Immer ein gutes Wort. Ich verstehe das nicht. Warum hat sie ihn erschossen? Warum? Er hat ihr doch
     nichts getan! Er hat alle ihre Launen hingenommen, ihre Sauferei, er hat es einfach hingenommen. Jeden Abend hat er sie ins
     Bett gebracht, und dann erschießt sie ihn?« Sie weinte kopfschüttelnd.
    »Das ist der Schock, Schwester. Komm, wir sorgen dafür, dass du psychologischen Beistand bekommst«, sagte Dekker.
    »Ich brauche keinen Psychiater«, schluchzte Sylvia Buys. »Ich brauche einen neuen Job! Aber wo soll ich den jetzt herkriegen,
     in meinem Alter?«
     
    »Es ist nicht so einfach, wie sie glaubt«, bemerkte Dekker, als sie die Holztreppe zur Bibliothek hinaufstiegen. »Du wirst
     sehen.«
    Griessel sah Dekker die Anspannung an. Er wusste, dass die Kollegen Dekker

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