Dunkle Schwinge Bd. 2 - Der dunkle Pfad
um Ihre Persönlichkeit wiederherzustellen.
Nach einem kurzen Moment fügte er hinzu: Es tut mir leid, wenn es eine schmerzhafte Erfahrung war, se Jackie. Mit einer Geste hin zu Th’an’yas kristalliner Form sagte er dann: Meine Seelenverwandte. Zu ihr gerichtet und auf Jackie zeigend erklärte er: Meine Waffengefährtin.
Ihr hsi ist stark, sagte Th’an’ya zu ihr.
Wir müssen den Gyaryu’har erreichen, verkündete Meta-Ch’k’te.
Ohne Zustimmung erkennen zu lassen, streckte sich Th’an’yas Verstand durch die Leere und zog dabei die anderen Wesenheiten mit sich.
Th’an’ya besaß einen höchst erfahrenen Geist, der geschickter war als alles, was Jackie bislang erlebt hatte – spürbar mächtiger als Ch’k’te und jedem Fühlenden mühelos überlegen, von dem sie bei Dienstaufnahme untersucht worden war. Das hier war mehr als bloße Kraft. Die Fühlenden der Navy hatten ihr eine Gänsehaut bereitet mit ihrem verächtlichen, nachbohrenden Verstand, aber Th’an’ya erschien ihr im Vergleich dazu eher wie eine Bildhauerin oder eine elegante Tänzerin, die dem Chaos, durch das sie alle zu stürzen schienen, eine Struktur verlieh.
Während sie sich weiter voranbewegten, wurde das Licht um sie herum heller und begann rhythmisch zu pulsieren. Allmählich bildeten sich Schatten und Schemen heraus, dann wirbelnde geometrische Muster, die zwei-, drei- und mehrdimensional waren. Auf einmal erkannte Jackie, was sie da vor sich sah: den Verstand von Menschen und von Aliens. Der menschliche Verstand schien in fast vertrauten Mustern angeordnet zu sein, von denen zufällige Gedanken Funken gleich über die Oberfläche huschten. Der Verstand der Zor besaß ebenfalls etwas Vertrautes, auch wenn die Muster vollkommen anders waren und weitaus weniger von ihrer Zusammensetzung erkennen ließen.
Doch da war noch der eine oder andere Verstand wahrzunehmen, und Jackie kam es vor, als handele es sich um weit entfernte, schwebende Formen, die ihre Ranken mal in diese, mal in jene Richtung bewegten, als würden sie eine Präsenz wahrnehmen, die sie aber nicht lokalisieren konnten.
Wie werden wir se Sergei finden?, fragte Jackie.
Wir erkennen ihn an seinem Muster, erwiderte Th’an’ya. Ich kann es bereits sehen.
Jackie blickte nach vorn und bemerkte eine Form, die in Sichtweite kam: ein Muster aus elf leuchtenden Punkten und in deren Mitte die Helix eines menschlichen Geistes.
Er träumt, erklärte Th’an’ya und schwebte in respektvoller Entfernung. Wir werden ihn sicherlich stören …
Das Bedürfnis ist stark, sagte Meta-Ch’k’te. Wir müssen warten, bis der Traum vorüber ist.
Sie hatten ihm eine Maske auf sein Gesicht gelegt, damit er sie nicht sehen konnte. Sie hatten ihm seine Klinge abgenommen, damit er nicht gegen sie kämpfen konnte. Blind und unbewaffnet kam er in die Festung, hoch oben in den Klippen der Eiswand. Der Sturm tobte, doch er spürte keinen Regen auf seinem Rücken. Die Blitze zerrissen den Himmel, doch er fühlte keine Angst.
Die Kraft der Schmach übte keine Macht über ihn aus, als er reiste, da sie nicht länger dieses Land bewohnte. Sie war zu ihm auf seinen Reisen gekommen und hatte ihn getötet, doch sein Körper lebte weiter.
Die Feste ragte auf einem großen vorspringenden Felsen empor, über einer Treppe, die sich kilometerweit dahinzog. Er war sie heraufgestiegen, unempfindlich gegenüber Kälte, Schmerz und Müdigkeit. In seinen Träumen war er ein junger Mann gewesen, für den die Stufen keine Schwierigkeit darstellten, denn die Schmach heißt jene willkommen, die sich bereitwillig zu ihr begeben.
Wie erwartet fand sich ein Wächter dort.
»Admiral«, sagte er, da er in diesem Land sehen konnte.
»Sergei? Warum sind Sie hergekommen?«
»Ich habe den Flug gewählt, Admiral. Hi Ke’erl träumte, dass die esGa’uYal herkommen würden.«
»Wie es auch geschehen ist.« Ein Blitz erhellte Marals’ Gesicht, das wie versteinert dreinblickte. »Der Täuscher, der einst versuchte, das Volk von den naZora’i zu trennen, hat seine Diener hergeschickt. Nun führt er eine andere Rasse herbei und liefert sowohl naZora’i als auch das Volk aus. Doch er weiß, dass wir nicht wehrlos sind.«
»Ich verstehe nicht.«
»Sie können es auch gar nicht verstehen. Es entzieht sich Ihrem Verständnis, so wie es sich zuvor meinem Verständnis entzog. esLi weiß es, denn Er kennt esGa’u. Er hat mich geschickt, um Ihnen in dieser Stunde der Ehrlosigkeit eine Nachricht zu überbringen,
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