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Ein amerikanischer Thriller

Ein amerikanischer Thriller

Titel: Ein amerikanischer Thriller Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Ellroy
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Obregón hat den Leuten
    einen heilsamen Schrecken eingejagt.«
    »Jemand hat was versaut, sonst würdest du nicht mit mir
    reden wollen.«
    »Fulo betätigt sich als Zuhälter. Die Nutten schieben eine
    Nummer für einen Fünfdollar-Schuß. Er liefert das ganze
    Geld bei uns ab, aber ich glaube, daß das langfristig schlecht
    fürs Geschäft ist.«
    »Sorg dafür, daß er das bleiben läßt«, sagte Trafficante.
    Pete setzte sich auf die Sofakante. König Tut ließ ein
    grollendes Knurren hören.
    »Lockhart und seine Klan-Kumpel haben in der Nähe
    des Ausbildungsplatzes einen Club eingerichtet und spie-
    len mit dem Gedanken, mal ein paar Neger aufzuhängen.
    Außerdem hat sich Lockhart mit J. D., dem Bullen aus
    Dallas, angefreundet, der mit Ruby zu uns runtergefahren
    ist. Chuck Rogers will J. D. im Flugzeug mitnehmen und
    Hetzschriften abwerfen. Er will ganz Süd-Florida damit
    eindecken.«
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    Trafficante schlug auf die Schreibtischunterlage. »Sorg
    dafür, daß der Unsinn aufhört.«
    »Wird gemacht.«
    »Du hättest damit nicht bei mir anfragen müssen.«
    »Kemper meint, für Disziplin sollst du zuständig sein. Er
    will die Männer glauben machen, wir alle zusammen seien
    so was wie die Arbeiter und du der Manager.«
    »Kemper ist ein raffinierter Kerl.«
    Pete streichelte König Faruk und König Artus. Scheißkönig
    Tut schaute ihn böse an.
    »Das kannst du laut sagen.«
    »Castro hat meine Casinos in Schweineställe verwandelt.
    Er läßt seine Ziegen auf die Teppiche kacken, die meine
    Frau persönlich ausgewählt hat.«
    »Er wird dafür büßen«, sagte Pete.
    Er fuhr nach Miami zurück. Am Taxistand drängten sich
    die Nichtstuer: Lockhart, Fulo und der ganze Scheiß-
    kader.
    Bis auf Chuck Rogers – der saß im Flugzeug und warf
    Haßbomben ab. Pete schloß den Taxistand und stel te etwas
    klar. Er nannte es die Abhängigkeitserklärung des Kaders
    und die Bill of Non-Rights des Ku-Klux-Klan.
    Keine Zuhälterei. Keine Raubüberfäl e. Kein Trickbetrug.
    Keine Einbrüche. Keine Erpressung. Keine Entführung.
    Kein Lynchen. Keine Angriffe auf Nigger. Kein Anzünden
    von Kirchen. Kein Rassismus gegen Kubaner.
    Dagegen waren dem Blessington-Klan besondere Auf-
    gaben zugeteilt: Alle Kubaner lieben. Sie in Ruhe lassen.
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    Jeden anmachen, der versucht, die neuen kubanischen Brüder
    anzumachen.
    Lockhart nannte das einen Quasi-Genozid. Pete ließ die
    Knöchel knacken. Lockhart hielt die Klappe.
    Die Versammlung zerstreute sich. Jack Ruby erschien und
    verlangte einen Fahrer – sein Vergaser war im Eimer, und
    er mußte die Mädchen nach Blessington fahren.
    Pete erklärte sich dazu bereit. Die Mädchen hatten haut-
    enge Dreiviertelhosen und BHs an – es gab unangenehmere
    Aufgaben.
    Ruby setzte sich neben ihn. J. D. Tippit und die Strippe-
    rinnen nahmen hinten auf der Ladefläche Platz. Regenwolken
    ballten sich zusammen – wenn ein Sturm losbrach, waren
    sie schön blöd dran.
    Pete fuhr Richtung Süden. Er drehte das Radio an, damit
    Ruby nicht ständig quasselte. Chuck Rogers tauchte unver-
    mittelt am Himmel auf und gab dicht über den Baumwipfeln
    Rollen rückwärts zum besten.
    Die Mädchen jubelten. Chuck warf ihnen einen Sixpack
    herunter; J. D. fing ihn auf. Haßpamphlete wehten durch
    die Luft – Pete grabschte sich eins.
    »Sechs Gründe, wieso Jesus ein Klan-Mann war.« Mit
    Nummer eins war man bedient: weil die Kommunisten das
    Rote Meer fluoridiert hatten.
    Ruby guckte in die Landschaft. Tippit und die Mädchen
    schluckten Bier. Chuck unterbrach die Show und deckte
    eine Niggerkirche gleich packenweise mit Flugblättern ein.
    Der Radiosender verlor sich. Und Ruby fing an zu klagen.
    »Ein besonders tol es Gedächtnis hat Santo ja nicht. Santo
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    findet mich mit zehn Prozent ab, weil sein Gedächtnis ei-
    nen neunzigprozentigen Ausfal hat. Santo hat schlicht keine
    Ahnung, was ich auf mich genommen habe, um ihm die
    Damen nach Havanna zu schaffen. Klar, er hatte Ärger mit
    dem Bart. Aber keinen übergeschnappten FBI-Mann aus
    Chicago im Nacken.«
    Pete war auf einmal hellwach: »Was für einen FBI-Mann
    aus Chicago?«
    »Ich weiß nicht, wie er heißt. Ich bin ihm, gepriesen sei
    Allah, nur einmal von Angesicht zu Angesicht begegnet.«
    »Beschreib ihn.«
    »Gut 1,80 Meter groß, sechsundvierzig oder siebenund-
    vierzig Jahre alt. Brille, schütteres graues Haar und meiner
    unmaßgeblichen Meinung nach ein Säufer, weil er das eine
    Mal, als ich ihn traf, eine Whiskeyfahne

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