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Ein toedlicher Plan

Titel: Ein toedlicher Plan Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jeffrey Deaver
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Exotic-Drinks bringen zu lassen.«
    Oh, wie weich und geschmeidig!
    Die Auftritte hier waren gar nicht so schlecht. Der finstere Besitzer des Clubs im West Village frönte der Vorstellung, eine zweideutige Vermischung von Sex und Musik würde wesentlich dabei helfen, mäßige bis miserable Speisen zu verkaufen, und hatte Taylor für die Dienstagabende unter Vertrag genommen. Sie trat an diesen Abenden exklusiv auf, es sei denn, Dimitris Schwiegersohn verspürte gerade Lust, mit seinem Balalaika-Orchester auf die Bühne zu gehen.
    Taylor hatte zwischen dem Tagesjob in der Kanzlei und den Dienstagabendauftritten zu einer merkwürdig schizophrenen Harmonie gefunden. Musik deckte ihre sinnliche Liebe ab, während die Arbeit als Anwaltsgehilfin sie mit der Befriedigung des Intellekts erfüllte. Wenn sie am Klavier saß, vermisste sie die Vernunft und Ordnung der Kanzlei. Wenn sie an ihrem Schreibtisch saß, ertappte sie sich immer wieder dabei, sehnsuchtsvoll an die Freiheit der Musik zu denken, an das Adrenalin, das bei den Auftritten durch ihre Adern strömte, und an den verruchten Zauber von Bars. Manchmal kam sie sich vor wie die Männer, die doppelt verheiratet sind, ohne dass die eine Familie von der anderen weiß. Vielleicht würde sie eines Tages auffliegen und große Scherereien bekommen, aber bislang hatte sie ihr kleines Geheimnis hüten können.
    Taylor spielte gerade die Überleitung zu »Anything Goes«, als die Eingangstür mit ihrem Quietschen von D-Dur zu B-Dur aufflog. Die Frau, die hereinkam, war Mitte zwanzig und hatte das runde und liebe Gesicht einer großen Schwester. Ihr Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, und sie trug einen Pullover mit Norwegermuster, schwarze Steghosen und L.-L.-Bean-Stiefel. Als sie Taylor auf der Bühne entdeckte, lächelte sie nervös und winkte hektisch, bis sie plötzlich damit innehielt, da ihr wohl eingefallen war, dass ihr Auftritt die Show störte. Taylor teilte dem Publikum mit, dass sie jetzt eine kleine Pause mache, ging nach unten und setzte sich neben die junge Frau. »Carrie, du hast es tatsächlich geschafft!«
    Die Angesprochene strahlte mit funkelnden Augen. »Das war wirklich toll. Ich hatte ja keine Ahnung, was für eine gute Musikerin du bist. Hast du das etwa studiert? Vielleicht in Juilliard?«
    Taylor nippte an ihrem Glas mit Seagram und Soda. »Juilliard? Tipp lieber auf Madame Tschuikowa. Sie leitet eine berühmte Musikschule. Hast du nie davon gehört? Freddy Bigelow hat sie besucht. Und Bunny Grundel auch.«
    »Nein, ich habe von keinem von ihnen je etwas gehört.«
    »Da bist du nicht die Einzige. Freddy, Bunny und ich waren damals in derselben Klasse. Jeden Dienstag und Donnerstag sind wir um vier zu Madame Tschuikowa gegangen, um uns mit Arpeggien und korrekter Fingerhaltung foltern zu lassen …« Ihr Blick fiel auf Carries Diplomatenkoffer. »Sieht so aus, als hättest du ein paar Papiere mitgebracht.«
    »Weißt du, ich komme mir fast schon vor wie eine Geheimagentin. Die ganze Geschichte ist wirklich verrückt. Ehrlich gesagt, Taylor, sie macht mich ziemlich nervös.«
    »Carrie, ich hätte dich bestimmt nicht gebeten, wenn die Sache nicht so furchtbar wichtig wäre. Ich hätte es ja selbst erledigt, aber ich kenne mich zu wenig mit Computern aus. Sind das die Schlüsselverzeichnisse?«
    »Ja.«
    »Wie kann ich feststellen, wer den Schlüssel mit der Nummer zweihundertelf hat?«
    Carrie sah in der Liste nach. »Der Computerschlüssel wurde vor zwei Jahren dem Anwalt Nummer fünfundachtzig ausgehändigt.«
    »Und wer verbirgt sich hinter dieser Nummer?«
    Carrie blätterte in einem anderen Stoß Papier. Dann runzelte sie die Stirn. »Douglas Keller.«
    »Wer ist denn das?«
    »Er hat uns vor einem Jahr verlassen.« Sie sah von den Papieren auf. »Die Schlüssel werden nach dem Ausscheiden eines Anwalts weitergegeben. Sie kosten nämlich zwanzig Dollar das Stück. Wenn also jemand geht, wird der Schlüssel eingezogen und einem anderen ausgehändigt.«
    »Und wer hat nach Keller die Nummer zweihundertelf bekommen?«
    Carrie kämpfte sich durch einen weiteren Berg grünweiß gestreiften Computerpapiers. »Er wurde im Januar neu vergeben. An Thom Sebastian.«
    »Sebastian.« Taylor blickte in die Ferne und versuchte, sich an sein Gesicht zu erinnern. So viele von den jungen Anwälten sahen gleich aus. »Was weißt du über den Mann?«
    »Ist ein ziemlich Wilder. Schlägt sich Nacht für Nacht um die Ohren und reißt jede Woche eine

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