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Elfen wie Stahl

Elfen wie Stahl

Titel: Elfen wie Stahl Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chris Evans
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lauten Lachen oder dem vollkommenen Fehlen von Gelächter. Sie setzten von Berufs wegen ihr Leben ständig aufs Spiel, dennoch würde man nie hören, dass sie über die Gefahren sprachen, die sie einfach als Teil ihres Berufs betrachteten.
    Selbst jetzt, da etliche ihrer Kameraden gestorben waren, sie stramm auf eine unbekannte Gefahr zumarschierten und ganz gewiss noch mehr von ihnen sterben würden, redeten sie nicht über die Furcht, die sie alle empfinden mussten.
    Diesen Widerspruch konnte Visyna nicht verstehen.
    Konowa redete auch nicht darüber. Selbst im Wald, wo sie zu zweit gewesen waren, hatte sie sehen können, dass er immer noch Soldat war. Er hätte überall hingehen und alles sein können, doch ohne die Armee hatte er wie ein verlorener kleiner Junge gewirkt. Und nachdem er jetzt sein Regiment wiederhatte, fragte sie sich, ob er jemals etwas anderes würde haben wollen.
    Sie, zum Beispiel. Sie wusste, dass er Gefühle für sie hegte; in dieser Hinsicht war Konowa alles andere als subtil. Aber sobald das Gespräch auf das Imperium, die Natürliche Ordnung und die Schattenherrscherin kam, zog er sich zurück, obwohl sie wusste, dass er sehr ähnlich empfand wie sie.
    Es ärgerte sie, dass es sie überhaupt beschäftigte. Ihr Volk und ihre Lebensweise wurden vom Imperium und der Schattenherrscherin bedroht, und Konowa diente eindeutig dem einen und lief Gefahr, auch der anderen zu dienen. Bald schon, nur allzu bald, würden Entscheidungen getroffen werden müssen. Etwas tief in ihr sagte Visyna, dass es kein Zurück mehr geben würde, wenn die Zeit gekommen war.

    Â»Es ist verkehrt, Rallie, all das ist falsch«, sagte Visyna und veränderte ihre Haltung ein bisschen.
    Sie fuhr mit Rallie in deren Wagen und musste lauter reden, als ihr lieb war, um sich über das ständige Knarren und Ächzen des Holzes verständlich zu machen, das getötet und verformt worden war. Schwache Erinnerungen der Bäume an ihre frühere Existenz waren in dem Holz verblieben, was Visyna traurig stimmte. Warum erzeugten die Menschen nur mit allem, was sie berührten, so viel Schmerz?
    Rallie nahm einen langen Zug aus ihrer Zigarre und stieß eine gewaltige blaue Rauchwolke aus. »Wenn junge Männer in die Schlacht marschieren, Liebes, ist das niemals richtig. Die Frage ist: Was muss man tun, um es richtig zu machen?«
    Â»Das Imperium muss aus Elfkyna vertrieben werden«, antwortete Visyna schlicht. Sie spürte plötzlich etwas rechts von sich, drehte sich um und sah, wie Jir aus dem Dickicht sprang und sich auf eine kleine Drachenratte stürzte. Erst ertönte ein Quieken, ein Knacken und dann verschwand die Ratte im Maul des Bengar. Sie lächelte über die Freude und Befriedigung, die der Bengar ausstrahlte. »Das Imperium ist hier ein unnatürlicher Räuber.«
    Rallie nickte, als würde sie das begreifen. »Verstehe. Sagen Sie mir, welche Verbündeten die Elfkynan dann für ihren Kampf gegen die Schattenherrscherin hätten? Die Orks vielleicht? Sie haben immer Interesse gezeigt, sich nach Süden auszudehnen. Oder vielleicht die Zwerge, vorausgesetzt, sie würden ihnen Schürfrechte gewähren. Oder wie wäre es mit …?«
    Visyna schüttelte den Kopf und hob zum Zeichen ihrer Kapitulation die Hände. »Ich habe schon verstanden. Aber Sie begreifen doch sicher, dass das Imperium unmöglich hierbleiben kann? Das hier ist nicht sein Land. Es unterdrückt mein
Volk und beutet unsere Ressourcen aus. Und jetzt schicken Sie dieses Regiment aus, um den heiligsten Talisman der Elfkynan zu stehlen. Wie sollen wir weiter mit ihnen zusammenarbeiten?« Angesichts ihrer eigenen Heuchelei spürte Visyna einen bitteren Geschmack im Mund. Sie selbst diente dem Imperium, das sie hasste, genauso wie Konowa es tat. Warum also hielt sie sich für etwas Besseres?
    Â»Wir alle tun Dinge, auf die wir nicht stolz sind, Liebes … Der Schlüssel zur Lösung ist, wie ich bereits erwähnte, die Frage, was man tut, um es richtig zu machen. Und die Antwort darauf«, Rallie beugte sich vor und tätschelte Visynas Knie, »kennen Sie bereits.«
    Â»Sie haben mehr Vertrauen in mich als ich selbst«, erwiderte sie. Auch wenn sie es nur sehr ungern zugab, wusste sie, dass das Imperium, so böse und herzlos es auch sein mochte, der Schattenherrscherin niemals erlauben würde, Einfluss in

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