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Elfenlicht

Elfenlicht

Titel: Elfenlicht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernhard Hennen
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dein Wohlergehen.«
    »Darum wird sich Madrog schon kümmern! Schick nach meinem Koboldhauptmann! Warum ist er noch nicht hier?«
    Das Lager des Fürsten war von Kobolddienerinnen in schlichten, meergrünen Kleidern und mit weißen Hauben umgeben. Auch einige Wachen standen in den Ecken und gaben sich alle Mühe, ihrem Fürsten nicht aufzufallen. Offensichtlich fürchteten sie, Shandral könne sie für den Unfall zur Verantwortung ziehen.
    »Sag deinem Ollowain, dass ich ihn durchschaue. Das war ein Mordanschlag, und ich werde ihn dafür zur Verantwortung ziehen! Die Blutfäule soll er bekommen! Ich bin kein Mann des Schwertes, aber ich bin nicht wehrlos! Er wollte, dass ich unter meinem Pferd zerquetscht werde, dieser niederträchtige Speichellecker der Königin. Er wird den Tag noch verfluchen, an dem wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Sag ihm das!«
    Obilee atmete tief aus und versuchte gleichmütig zu bleiben. »Ich werde Ollowain berichten, was du gesagt hast. Gestatte, dass ich mich nun zurückziehe.«
    Shandral machte eine wedelnde Handbewegung und zuckte vor Schmerz zusammen. »Ja, fort mit dir! Ich kann euch widerliche Schleimer nicht mehr ertragen. Weg ...« Er versetzte einer Koboldfrau eine Ohrfeige, die sie von seinem Bett stürzen ließ. »Passt auf, was ihr tut, ihr elendes Gewürm. Die Nächste, die mir mit ihren ungewaschenen krummen Fingerchen Schmerzen bereitet, lasse ich an die Hauswand nageln!« Er breitete die Arme aus. »Los schneidet das Hemd auf! Und dann ruft nach einem richtigen Heilkundigen. Schleppt mir bloß keinen Quacksalber ins Haus!«
    Obilee zog sich aus dem Zimmer zurück. Shandral war eigentlich kein hässlicher Mann. Doch seine Seele schien durch und durch verrottet zu sein. Jetzt offenbarte sich sein wahres Gesicht. Welch ein Albtraum musste es sein, zu seinen Dienern zu gehören. Sie würde Emerelle von ihm berichten. Er war eine Schande für alle Elfenfürsten. Vielleicht konnte die Königin ihn seiner Herrschaft berauben oder ihn zumindest in die Schranken weisen?
    Obilee trat auf den Flur hinaus. Die Wände waren mit dunklem Holz getäfelt. Eine enge Treppe führte hinab in dieEingangshalle. Überall waren Diener, doch es herrschte Totenstille. Obilee war schon im Gemach des Fürsten aufgefallen, dass die Koboldfrauen dicke Filzschuhe trugen. Sie bewegten sich lautlos. Und jeder, der der Elfe begegnete, senkte den Blick.
    Der Flur machte kurz hinter der Tür zu Shandrals Zimmer einen scharfen Knick. Dieses unübersichtliche Haus war wie dafür geschaffen, sich zu verstecken. Sollte Melvyn tatsächlich hierher kommen, dann könnte er sich wohl ohne weiteres verbergen.
    Obilee zögerte nur kurz, dann ging sie den Flur hinauf, statt über die Treppe zur Eingangshalle zu eilen. Ollowain hatte sie gebeten, auf Shandral zu achten, und ganz gleich, was sie vom Fürsten von Arkadien hielt, sie würde ihre Aufgabe erfüllen, so gut es ging. Wenigstens würde sie sich die umliegenden Zimmer ansehen.
    Als sie um die Ecke bog, änderte sich das Licht. Lampen aus dunkelblauem Glas säumten die Wände. Nach ein paar Schritten machte der Flur erneut einen Knick. Es gab keine Türen. Zu ihrer Linken hing ein schwerer Gobelin, der eine düstere Klippenlandschaft zeigte. Eine Galeere, an deren Heck rote Lampen glommen, hielt auf die Steilklippen zu.
    Hinter der nächsten Biegung war der Flur mit schweren, schwarzen Samtvorhängen verhängt. Zwischen ihnen herrschte erstickende Finsternis. Die Berührung des Stoffes war der Elfe unangenehm. Er schien sich von sich aus zu bewegen, während sie voranschritt, als sei er lebendig und begierig darauf, ihre nackte Haut zu berühren. Kobolddiener gab es hier keine mehr. Ein bedrückender Duft hatte sich im Stoff verfangen. Es roch nach Ambra und Opium.
    Etwas Ledriges strich der Elfe über die Lippen. Sie machte einen Satz nach vorn und duckte sich unter dem tastenden Stoff. Ihr Atem ging schwer. Sich drehend, versuchte sie dem Samt zu entkommen. Es war unmöglich, etwas zu sehen. Blind musste sie allein auf Gehör, Tastsinn und Geruch vertrauen.
    Obilee dachte daran umzukehren. Doch sie war sich nicht mehr sicher, in welcher Richtung es zurückging. Sie fühlte sich wie in einem Traum gefangen. Jede Bewegung schien auf Widerstand zu stoßen, so als schwimme sie in dickem Sirup.
    Plötzlich war da Licht. Ein trübes, blaues Licht, abgeschirmt durch dickes Glas, doch es war eine Sonne inmitten der Finsternis des Samts. Der Flur hatte sich

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