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Error

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Titel: Error Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: N Stephenson
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fiel ihnen ein, dass sie noch darin saß, also zogen sie Zula durch das Heckschiebefenster der Fahrerkabine heraus und zerrten sie bis zur offenen Ladeklappe, wobei viele Hände sie an Armen und Knöcheln festhielten, um jeden Gedanken an Gegenwehr oder Flucht zu ersticken. Ershut beugte sich vor und stemmte beide Hände gegen ihr rechtes Bein, und Abdul-Wahaab schlang eine Kette um ihren Knöchel und ließ ein Vorhängeschloss daran zuschnappen. Sie wurde vom Rand der Ladefläche auf den Boden hinter dem Pickup gescheucht. Die Kette wurde um einen Teil der Anhängerkupplung geschlungen.
    Es folgte eines jener komischen Zwischenspiele, bei denen die Dschihadisten nicht recht wussten, was sie als Nächstes tun sollten, und in heftige gegenseitige Schuldzuweisungen verfielen.
    Wie es schien, fehlte ihnen ein Vorhängeschloss. Irgendwann im Verlauf ihrer Beutezüge im Bergarbeitercamp hatten sie die Kette und ein anderes Mal das Vorhängeschloss samt dazugehörigem Schlüssel gefunden. Damit konnten sie die Kette um ihren Knöchel befestigen. Prima. Doch nun fehlte ihnen das zweite Schloss, das erforderlich war, um das andere Ende der Kette mit der Anhängerkupplung zu verbinden. Einige brüllten einander an, einige durchstöberten ziellos den Krempel, den sie ergattert hatten.
    Ershut sagte: »Das ist kein Problem, es geht auch mit einem Schloss. Passt auf, ich zeige es euch.«
    Er sagte es auf Arabisch.
    Zula verstand es.
    Interessant.
    Andere Männer hätten sich vielleicht um Ershut geschart, um seine Cleverness zu bewundern, aber diese Leute verfolgten alle ihre eigene Strategie. Auf der Ladefläche des Pickup befand sich ein mit einem Vorhängeschloss gesicherter Werkzeugkasten, und Abdallah Jones ging den Schlüsselbund durch, offenbar weil er vernünftigerweise annahm, dass der Schlüssel daran hing, den man brauchte, um das Ding zu öffnen.
    Ershut schlang das lange Ende der Kette durch den Rahmen der Anhängerkupplung und führte es zu Zulas Knöchel zurück. Dann streckte er eine Hand aus und bat um den Schlüssel des Vorhängeschlosses, das bereits da war. Dann verlangte er ihn. Dann brüllte er danach. Schließlich klatschte ihn jemand in seine Hand. Er öffnete das Schloss an Zulas Knöchel, klappte den Bügel vom Gehäuse weg, holte das lose Ende der Kette heran, schob ein Kettenglied über den Bügel und ließ das Schloss wieder zuschnappen.
    Im selben Augenblick ließ sich Jones neben ihm auf ein Knie nieder und hielt ein offenes Vorhängeschloss hoch, das er offensichtlich gerade von dem Werkzeugkasten gelöst hatte. Als er sah, dass Ershut bereits eine Ein-Schloss-Lösung gefunden hatte, ließ er das Schloss auf den Boden fallen und ging weg.
    Zula blieb etwa eine Armlänge Spiel in der Kettenschlinge, die ihren Knöchel mit der Anhängerkupplung verband. Sie bekam ein Stück Plastikplane, einen Schlafsack, eine Flasche Wasser und einen kleinen Stapel Einmannrationen, bevor die Männer die Tarnung um den Pickup fertigstellten.
    Zu jeder anderen Zeit in ihrem Leben hätte sie einem solchen Vorgehen mehr Widerstand entgegengesetzt und wäre, wenn das Schloss zugeschnappt wäre, entsprechend niedergeschmettert gewesen. Aber allmählich stellte sich das Gefühl bei ihr ein, dass sich die Situation zu ihren Gunsten veränderte. Was angesichts ihrer gegenwärtigen Lage – in der Wildnis im Nordwesten Kanadas mit dem Knöchel an einer Anhängerkupplung festgekettet, die Schlüssel in der Tasche von Selbstmordattentätern – eigentlich eine schwachsinnige Einschätzung war.
    Aber sie hatte begonnen, Anzeichen dafür wahrzunehmen, dass sich die Kooperation langsam zu ihren Gunsten auswirkte. Hier zu sein war erheblich besser, als in China zu sein. Sie hatte sich gewappnet und diesen einen Kerl getötet. Ihn getötet. Unglaublich. Sie hatte es geschafft, ihr Überleben zum Dreh- und Angelpunkt von Jones’ Plan zu machen, worin auch immer dieser bestand. Alles war anders. Die Dschihadisten schienen diese Veränderung nicht wahrzunehmen.
    Die um sie herum errichtete Wand aus Tarnmaterial wurde so dicht, dass Zula die Bewegungen der Männer auf der anderen Seite kaum noch ausmachen konnte, während sie die Lichtschlitze schlossen, die da und dort noch vorhanden waren. Ihr kam der grauenvolle Gedanke, dass sie in Wirklichkeit vielleicht einen riesigen Scheiterhaufen bauten und sie bei lebendigem Leib verbrennen wollten. Doch nach einer Weile fiel ihr auf, dass sie sie nicht mehr hören konnte. Sie hatten ihre

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