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Fitz der Weitseher 03 - Der Nachtmagier

Titel: Fitz der Weitseher 03 - Der Nachtmagier Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robin Hobb
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meinen Rachefeldfzug gegen Edel hineinzuziehen. Als ich Rolf ansah, setzte er ein schiefes Lächeln auf und zuckte mit den Schultern. »Geht also. Aber seid vorsichtig, alle beide. Noch bevor der Mond untergeht, werdet ihr das Herzogtum Bock verlassen haben und in Farrow sein. Wenn du nun denkst, König Edel hätte uns hier unter seiner Knute, dann warte erst mal, bis du in die Gegend kommst, wo die Leute glauben, das wäre sein gutes Recht.«
    Ich nickte grimmig, und dann setzten Nachtauge und ich unseren Weg fort.

KAPITEL 7
    FARROW
    P rinzessin Philia, die Herrin von Bocksburg, wie man sie schließlich nannte, erklomm auf einzigartige Weise die Stufenleiter der Macht. Sie war Tochter einer vornehmen Adelsfamilie und wurde durch ihre nicht gern gesehene Vermählung mit dem Kronprinzen Chivalric ein Mitglied des Königshauses der Weitseher. Niemals zeigte sie Neigung, sich der Macht zu bedienen, die ihr durch Geburt sowie Heirat zu Gebote stand. Erst als Witwe, als sie in Bocksburg fern von Heimat und Familie und als exzentrische Prinzessin Philia Zielscheibe von gutmütigem wie gehässigem Spott wurde, gab sie ihre selbstgewählte Zurückhaltung auf und begann, sich Einfluss zu verschaffen. Sie tat es, wie alles andere in ihrem Leben, auf eine planlose, etwas wunderliche Art und Weise, mit der sonst keine andere Frau etwas erreicht haben würde. Weder suchte sie Rückhalt bei nahen und entfernten Verwandten in den Adelshäusern, noch knüpfte sie ein Netz von Beziehungen, die auf dem Status ihres verstorbenen Gemahls gründeten. Stattdessen wählte sie als Grundlage ihrer Macht das einfache Kriegsvolk, das sich sowohl aus Männern als auch aus Frauen zusammensetzte. Die wenigen, die von König Listenreichs Veteranen und Königin Kettrickens Leibgarde übrig geblieben waren, befanden sich in der merkwürdigen Situation von Wächtern, die nichts zu bewachen hatten. Die in der Burg stationierten Truppen waren durch die Einheiten, die Lord Vigilant aus Farrow mitgebracht hatte, von ihren höheren Pflichten entbunden worden, und man wies ihnen untergeordnete Aufgaben zu, wie zum Beispiel die Reinigung und Instandhaltung der Gebäude und Verteidigungsanlagen der Burg. Sie wurden unregelmäßig besoldet, hatten den Respekt vor sich selbst und voreinander verloren und waren zu oft mit erniedrigenden Aufgaben beauftragt worden oder dem Müßiggang verfallen. Prinzessin Philia begann deshalb unter dem Vorwand, sie hätten ohnehin keine andere Beschäftigung, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Unter anderem bestand sie darauf, von einer Leibwache begleitet zu werden - was ihr als Witwe eines königlichen Prinzen zustand -, als sie von einem Tag auf den anderen anfing, auf ihrer alten Stute Seidenlocke auszureiten. Aus einfachen nachmittäglichen Austritten wurden Tagesausflüge, schließlich blieb sie über Nacht aus und nahm ausgerechnet in Ortschaften Quartier, die entweder von den Roten Korsaren heimgesucht worden waren oder die einen solchen Überfall fürchteten. In den verwüsteten Dörfern standen sie und ihre Zofe Lacey den Verwundeten bei, stellten Gefallenenlisten auf oder ermittelten die Zahl der Entfremdungen, während die Leibgarde half, Trümmer wegzuräumen und Notunterkünfte für obdachlos gewordene Bürger zu errichten. Diese für Soldaten nicht angemessene Arbeit. rief den Männern dennoch ins Gedächtnis, dass es ursprünglich ihre Aufgabe gewesen war, gegen diesen Feind zu kämpfen, der unser Land bedrohte, und was geschah, wenn es niemanden gab, der ihm Einhalt gebot. Die Dankbarkeit der Menschen, denen sie halfen, gab ihnen ihr Selbstbewusstsein zurück und ein Gefühl des Zusammenhalts. In den anderen Dörfern diente die kleine Schar der Bewaffneten als Demonstration, dass Bocksburg und der Stolz der Weitseher noch nicht untergegangen waren. In einigen Ortschaften wurden für die Dorfbewohner Palisaden hochgezogen, hinter denen diese im Falle eines Angriffs wenigstens hoffen konnten, ihr Leben oder auch ihre Seele so teuer wie möglich zu verkaufen.
    Man weiß nicht, was Lord Vigilant über Prinzessin Philias Streifzüge dachte. Sie hielt es keinesfalls für nötig, seine Genehmigung einzuholen. Nach ihrer Darstellung ritt sie nur zu ihrem Vergnügen aus, die Soldaten, die sie begleiteten, hatten sich freiwillig zur Verfügung gestellt und verrichteten ebenso freiwillig die Arbeit in den Dörfern. Einige, denen sie besonderes Vertrauen schenkte, dienten ihr schließlich als ›Laufburschen‹ und

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