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Fitz der Weitseher 2 - Der Schattenbote

Fitz der Weitseher 2 - Der Schattenbote

Titel: Fitz der Weitseher 2 - Der Schattenbote Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robin Hobb
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eine unglückliche Wahl Kettricken für ihn gewesen war. Es lag nicht an ihr. Sie war stark und zur Herrscherin erzogen, hingegen sagte Veritas oft von sich selbst, er sei der geborene zweite Sohn. Die richtige Frau hätte ihm Halt gegeben wie ein Schiffsanker, hätte ihn unauffällig gestützt und ihm geholfen, sich der Königskrone würdig zu erweisen. Eine Frau, die weinend zu ihm ins Bett geschlüpft wäre, um bei ihm Trost und Zuflucht zu suchen, hätte ihn in seinem Selbstbewusstsein bestärkt, so dass er sich morgens in der Überzeugung erhoben hätte, er sei ein Mann und fähig, König zu sein. Kettrickens Disziplin und Beherrschung weckten in ihm Zweifel an der eigenen Stärke. Ganz plötzlich wurde mir klar, wie sehr mein Prinz nur ein ein facher Mensch war. Das war keine sehr beruhigende Erkenntnis.
    »Ihr solltet wenigstens hinausgehen und zu ihnen sprechen«, meinte ich.
    »Und was sagen? ›Gute Jagd‹? Nein. Aber du wirst dort hingehen, Junge. Geh und sieh dich um und berichte mir, was geschieht. Geh nun, geh. Und schließ die Tür hinter dir. Ich habe nicht den Wunsch, irgendjemanden zu sehen, bis du mit Neuigkeiten wiederkommst.«
    Ich gehorchte. In dem Korridor zum Burghof begegnete ich Edel. Er war selten zu dieser frühen Stunde außerhalb seiner Gemächer anzutreffen, und sein Aussehen ließ darauf schließen, dass er sich nicht aus eigenem Entschluss erhoben hatte. An Kleidung und Frisur gab es nichts zu tadeln, doch all die kleinen Raffinessen fehlten: kein Ohrring, kein sorgsam gefaltetes Cachenez, und als einzigen Schmuck trug er seinen Siegelring. Sein Haar war gekämmt, aber nicht parfümiert und in Locken gelegt. Er hatte blutunterlaufene Augen und war fuchsteufelswild. Als ich an ihm vorbei wollte, griff er nach meinem Arm und riss mich zu sich heran. Oder hatte vielmehr die Absicht, mich zu sich heranzureißen. Ich leistete keinen Widerstand, sondern machte mich nur ein fach schwer. Zu meiner Freude und meinem Erstaunen stellte ich fest, dass er nicht imstande war, mich von der Stelle zu bewegen. Er ging auf mich los und musste dabei entdecken, dass er den Blick heben musste, zwar ein wenig nur, aber immerhin, um mir in die Augen starren zu können. Ich war gewachsen und schwerer geworden. Das hatte ich natürlich gewusst, mir aber nie Gedanken über die angenehmen Auswirkungen gemacht. Ich unterdrückte ein Grinsen, doch bestimmt konnte er es in meinen Augen erkennen. Er versetzte mir einen derben Stoß, und ich tat ihm den Gefallen zu wanken. Zumindest ein wenig.
    »Wo ist Veritas?«, fauchte er.
    »Hoheit?«, fragte ich, als hätte ich ihn nicht richtig verstanden.
    »Wo ist mein Bruder? Seine elende Gemahlin …« Der Zorn erstickte seine Stimme. »Wo ist mein Bruder gewöhnlich um diese Tageszeit zu finden?«, fragte er schließlich in gemäßigterem Ton.
    Ich log ihn nicht an. »Manchmal geht er schon früh in seinen Turm. Oder er könnte jetzt beim Frühstück sein. Im Badehaus vielleicht …«
    »Unnützer Bastard.« Edel wirbelte herum und eilte in Richtung des Turms davon. Meine besten Wünsche für den Aufstieg begleiteten ihn. Ich selbst lief in die entgegengesetzte Richtung, um keine kostbare Zeit zu verschwenden.
    In dem Moment, in dem ich den Burghof betrat, war mir der Grund für Edels Rage klar. Kettricken stand auf dem Bock eines Kutschwagens, und alle Gesichter waren zu ihr emporgewandt. Sie trug dieselben Kleider wie am Abend zu vor. Bei Tageslicht konnte ich die Blutspritzer am Ärmel der weißen Pelzjacke sehen. Ein größerer Schwall hatte ihre purpurne Hose besudelt. Sie war gestiefelt und gespornt, bereit zum Aufbruch, sogar ihr Schwert trug sie an der Hüfte. Ich war bestürzt. Wie konnte sie nur? Ich war gerade zu einem Moment erschienen, in dem große Ruhe herrschte. Jeder Mann, jede Frau schien den Atem anzuhalten und auf ihre nächsten Worte zu warten. Endlich fuhr Kettricken mit ihrer Rede fort. Sie brauchte kaum die Stimme zu erheben, so aufmerksam und schweigend lauschte ihr die Menge.
    »Ich wiederhole es noch ein mal, dies ist kein gewöhnlicher Jagdausflug«, sagte sie ernst. »Macht ein Ende mit der unziemlichen Fröhlichkeit. Legt euren Schmuck ab, jedes Abzeichen von Rang und Stellung. Lasst Demut in eure Herzen einziehen und bedenkt, was wir im Begriff sind zu tun.«
    Sie sprach immer noch mit dem Akzent ihrer Bergheimat, doch ein nüchterner Teil meines Verstandes registrierte, wie sorgfältig ausgewählt jedes einzelne Wort war, wie ausgewogen

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