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Flammen der Rache

Flammen der Rache

Titel: Flammen der Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Shannon McKenna
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Mistkerl ihm mit seinem biergeschwängerten Atem ins Gesicht gebrüllt hatte.
    Zwischen den beiden Stirnhöckern klaffte ein Einschussloch.
    »Hallo, Rudy«, sagte Bruno.
    »Das kann doch nicht wahr sein«, flüsterte Lily entsetzt. »Dein Herz?«
    Sveti, das feengleiche Mädchen, das bei Tam und Val wohnte, um in Amerika die Schule besuchen zu können, nickte ihr von dem Sofa, auf dem es saß, bestätigend zu. »Ja. Mein Herz, meine Leber, meine Nieren, meine Hornhäute und andere Organe.« Ihre helle Stimme hatte einen leichten ukrainischen Akzent. »Sie haben mich gerade noch rechtzeitig gerettet. Nick, Tam, die McClouds und Alex. Es gab einen furchtbaren Kampf. Die Transplantationspatientin war im Nebenzimmer und wartete auf ihr neues Herz.«
    Lilys Blick fiel auf den Butterkeks in ihrer Hand. Er war herzförmig. Sie legte ihn auf ihre Serviette. Ihr war der Appetit vergangen.
    »Was ist mit ihr geschehen? Mit dieser Patientin? Wurde sie vor Gericht gestellt?«
    Sveti senkte ihre dunklen Wimpern. Unter ihren Augen lagen violette Schatten.
    »Nein. Sie ist gestorben. Das Mädchen war erst fünfzehn. Es konnte nicht länger warten. Als die Polizei eintraf, war es schon tot.«
    Lilys Magen zog sich zusammen. »Das ist schrecklich.«
    »Es war nicht ihre Schuld«, fuhr Sveti leise fort. »Sie konnte kaum sprechen. Es waren ihre Eltern, die mich töten wollten, um sie zu retten. Zusammen mit den Leuten, die mich entführt hatten. Auch Rachel und die anderen sind nur knapp entkommen.«
    »Rachel?« Lilys Augen weiteten sich. Sie schaute zu Tam. »Deine Rachel? Deine kleine Tochter? Sie wurde …«
    »… von Organpiraten gefangen gehalten, ja.« Tams Stimme war hart. »Sie war damals zwei, drei Jahre alt. Sie haben sie wie ein Pfund Fleisch in einem Waisenhaus gekauft. Ein Waisenhaus, das im Anschluss geschlossen wurde. Die Betreiber sind untergetaucht, sonst wären sie jetzt tot. Dafür hätte ich persönlich gesorgt.«
    »Aber die meisten Kinder waren wie ich«, sagte Sveti. »Wir wurden unseren Eltern weggenommen, weil sie diesen Mafiaboss gegen sich aufgebracht hatten.«
    Lily fröstelte trotz ihres warmen Pullis und des heißen Tees. »Sitzen die Leute, die das verbrochen haben, alle im Gefängnis?«
    »Ein paar sind tot. Nick und Becca haben den Paten und einige seiner Handlanger liquidiert. Die anderen sind im Gefängnis, und ich hoffe, sie bleiben dort für immer.«
    »Das hoffe ich auch«, sagte Lily voller Inbrunst. »Was ist mit den Eltern des Mädchens, das ein Herz brauchte?«
    Um Svetis Mund lag nun ein verbitterter Zug. »Sie kamen ungeschoren davon. Sie haben behauptet, nicht gewusst zu haben, dass der Organspender noch am Leben war. Sie waren sehr, sehr reich.«
    Lily ließ sich das durch den Kopf gehen. »Sie bekommen ihre Strafe.«
    Sveti zuckte die Achseln. »Weil sie ihre Tochter verloren haben? Sie wäre sowieso gestorben. Aber egal. Ich bemühe mich, nicht an sie zu denken. Ich arbeite, ich lerne, ich plane meine Zukunft. Morgen schreibe ich einen Test, der mich vom ersten Studienjahr befreit, wenn ich Glück habe. Ich habe inzwischen wichtigere Dinge, über die ich nachdenken muss.«
    Sveti schaute hinaus auf den Ozean. Deckenhohe Panoramafenster nahmen zwei ganze Wände des enorm großen Zimmers ein. Sie blickten auf einen wunderschönen Strand, der sich nach beiden Seiten kilometerweit erstreckte, und auf ein Meer von Nadelbäumen, in denen der Wind toste. Sveti schien nichts davon wahrzunehmen. Das Mädchen wirkte so jung und dabei so alt. Sie plagte sich mit zwei verschiedenen Jobs in Seattle ab, um Geld für die Uni zu sparen. Sie lernte ganze Nächte durch. Trotz ihrer Jugend und Schönheit schwebte ein Schatten über ihr. Lily kannte sich aus mit Schatten und harter Arbeit.
    Ihr Blick glitt über die anderen Anwesenden. Liv, Seans Frau, lag gemütlich ausgestreckt auf einer Chaiselongue, während Tam wie eine Hof haltende, schwangere Madonna Tee trinkend im Schneidersitz auf einem der Sofas thronte. Mit dem Kopf auf den Ellbogen gestützt lag Edie neben einem großen, niedrigen Holzcouchtisch auf dem Boden und zeichnete in ein Skizzenbuch. Ihre dunklen Haare ergossen sich in ungebändigten Wellen auf den sandfarbenen Teppich unter ihrem Kopf.
    Die Sonne stand tief am Himmel. Lily hatte Geschichten über jede Einzelne dieser Frauen gehört, bei denen ihr die Haare zu Berge hätten stehen müssen, wenn die Luftfeuchtigkeit hier an der Küste das nicht schon besorgt hätte. Sie handelten von

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