Flammen der Rache
satanischen Genies, die mit schauderhaften Apparaten zur Bewusstseinskontrolle experimentierten, von lüsternen osteuropäischen Mafiapaten, von Organdieben, mysteriösen physischen Kräften, gestohlenen Babys und anderen schaurigen Dingen. Es war schwer, das alles zu begreifen.
Sie atmete tief durch. »Sollte euer Ziel gewesen sein, mir das Gefühl zu geben, dass meine Probleme geradezu banal sind, dann ist euch das
beinahe
gelungen. Der Unterschied ist nur, dass eure Horrorgeschichten hinter euch liegen. Ich kann euch nicht sagen, wie sehr ich euch um dieses kleine, aber wichtige Detail beneide.«
Tam nickte. »Das kann ich dir nicht verdenken. Aber sieh uns an. Wir sind alle noch in einem Stück und damit der lebende Beweis dafür, dass auch du deine Horrorgeschichte mit heiler Haut überstehen kannst.«
Trotz des Feuers im Kamin überlief sie ein eisiger Schauder. Der Nachmittag war in den Abend übergegangen, und noch immer keine Nachricht von Bruno. Nur Textnachrichten von Kev, die besagten, dass die Grabung gut lief und bislang kein Angriff erfolgt war. Bruno hatte keine Zeit, ihr das Händchen zu halten, während er die Skelette der Mörder seiner Mutter ausbuddelte. Sie sollte ihm daraus keinen Strick drehen.
Val tauchte in der Tür auf, mit Livs strampelndem Sohn Eamon in den Armen. Er knuddelte das Baby und drückte ihm einen Kuss auf seinen blonden Lockenkopf, während er ins Zimmer trat und auf Livs Chaiselongue zusteuerte.
»Val zieht eine Show ab«, kommentierte Tam. »Seine nonverbale Botschaft lautet: Seht nur, was für ein echter Kerl ich trotz meiner femininen Seite bin. Findet ihr mich nicht hinreißend?«
Ein Grübchen zeigte sich in Vals schmaler Wange, als er Liv das Baby gab. »Er ist aufgewacht und verlangt nach dem Beruhigungsmittel, mit dem nur du dienen kannst«, sagte er.
Lächelnd nahm Liv ihm den Kleinen ab und knöpfte ihre Strickjacke auf. Die Augen selig geschlossen und die dicken kleinen Fäuste an ihrer Brust geballt, waren von Eamon nur noch hungrige, schmatzende Geräusche zu hören.
Val wandte sich an Tam. »Rachel hat ihr Mittagsschläfchen ebenfalls beendet. Sie ist bei Rosa in der Küche. Sie backen Kekse.«
Tam schnaubte. »Diese Frau wird uns noch zu Tode mästen.«
»Ja, aber wir werden fett und glücklich sterben«, konterte Val. »Es gibt schlimmere Arten, aus dem Leben zu scheiden. Rosa bereitet Osso buco und Rosmarinkartoffeln zu. Apropos Essen, wann hast du zu Mittag gegessen?«
Tams Augen waren goldene Schlitze. »Vor einer vollkommen angemessenen Zeitspanne.«
»Nimm dir einen Keks«, befahl er. »Du brauchst die Kalorien. Der Gynäkologe hat extra darauf hingewiesen. Du erinnerst dich? Letzten Dienstag bei der Ultraschalluntersuchung?«
»Benimm dich nicht wie eine Glucke.«
Val wählte einen Stern mit pinkfarbenem Zuckerguss aus. »Du bist daran gewöhnt, dich halb zu Tode zu fasten. Dein Hungergefühl ist nicht verlässlich. Iss einen Keks.« Val drückte ihr den Stern in die Hand und schloss ihre Finger darum.
»Ich hatte ein absolut ausreichendes Mittagessen«, informierte sie ihn. »Und ich sagte, du sollst dich nicht wie eine Glucke benehmen.«
Er verschränkte angriffslustig die Arme. »Sonst was?«
»Sonst breche ich dir beide Beine«, warnte sie ihn.
»Pah«, machte er verächtlich. »Das ist doch gar nichts. Knochen heilen wieder, das solltest du besser wissen als jeder andere. Iss ein Plätzchen für Irina.«
Ein seltsamer Ausdruck huschte über Tams Gesicht. »Wir haben doch darüber gesprochen. Bitte nenn sie nicht beim Namen. Noch nicht. Das bringt Pech.«
»Mach dir keine Sorgen«, beschwichtigte er sie. »Das Glück ist jetzt auf unserer Seite.«
»Fordere es trotzdem nicht heraus.«
»Einverstanden. Wenn du die Kekse isst.«
Tam verdrehte die Augen, aber ihre Lippen zuckten belustigt. »Also sind es jetzt schon Kekse? Plural?«
»Um dir meinen Gehorsam zu erkaufen, ja«, bestätigte er. »Iss zwei.«
»Einen. Ich lasse mich nicht manipulieren. Und jetzt verzieh dich. Das hier ist eine Mädchenparty. Penisträger sind nicht willkommen. Mit Ausnahme von Eamon. Er kann bleiben.«
Val setzte ein gekränktes Gesicht auf. »Du meinst, die anderen wollen nicht die Geschichte von meinem heldenhaften Kampf hören, als ich dich und Rachel aus den Fängen des Bösen befreit habe?«
»Hinaus.« Tam beugte sich über ihren Bauch und versetzte ihm einen Stoß gegen die Hüfte.
»Zwei Kekse«, wiederholte er, als er das Zimmer
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