Flammen der Rache
wie ein Schwamm und zerbrach sofort in zwei Teile, trotzdem bewirkte der Tritt, dass ihm ein kreischender Schmerz durchs Bein schoss. Bruno schüttelte den schmerzenden Fuß. Er fühlte sich wie der letzte Trottel.
Kev, das weise Genie, spürte instinktiv, dass jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt für weitere Frotzeleien war. Er schnappte sich einen Metalldetektor und kehrte zu seinem Erdhaufen zurück. Gott, wie sehr Bruno ihn für diese Geste liebte.
Auch Sean arbeitete grimmig weiter und durchharkte die Erde, die sie umgeschichtet hatten, um sie erneut zu durchsuchen. Die Bewegungen der Männer waren schwerfällig vor Erschöpfung. Davy und Con patrouillierten um das Areal. Niemand sprach ein Wort. Bruno realisierte mit einem grummelnden Gefühl im Bauch, dass es seine Aufgabe war, die Sache abzublasen. Es war sein Leben, das auf dem Spiel stand, sein Medaillon, seine Mutter, seine skelettierten Angreifer, seine Freundin, die in Gefahr schwebte. Die anderen beugten sich nur seinem Willen. Niemand wollte ihn im Stich lassen.
Das Gewicht dieser Verantwortung verursachte ihm leichte Übelkeit.
Er checkte die Uhrzeit. Zwei Minuten waren noch übrig von der zehnminütigen Pause, die er sich gönnte. Er schloss die Augen und sah tanzende, schlammbesudelte Skelette, die anzüglich grinsten. Ein trügerisches Funkeln von Gold. Er zwang sich, das Ganze noch einmal zu überdenken. Das Medaillon könnte an irgendeinem Punkt der holprigen Fahrt hierher aus Rudys Tasche gefallen sein. Es könnte von einem Tier ausgegraben und von einer Elster oder einem Eichhörnchen, das es für eine Nuss gehalten hatte, mitgenommen worden sein.
Außerdem würde das, was immer sich in seinem Inneren befand, nach achtzehn Jahren bis zur Unkenntlichkeit zersetzt sein. Alles auf Papier wäre nur noch ein schwarzer Schimmelfleck. Und was könnte sich sonst in so einem kleinen Medaillon verbergen?
Die ganze Mühe war vermutlich die reinste Zeitverschwendung.
Egal. Bruno wollte das Medaillon seiner Mutter zurückhaben. Er würde es polieren und um seinen Hals tragen, damit er es jederzeit anfassen und eine greifbare Verbindung zu ihr herstellen konnte. Die Entschlossenheit, es zu finden, hatte sich in seinem Kopf eingenistet. Er konnte nicht loslassen.
Bruno setzte sich wieder auf den Baumstamm und betrachtete die Knochen. Es war unfair von ihm zu schmollen, weil Lily dank Edie einen zärtlichen, übersinnlichen Moment mit ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte. Er sollte ihr das gönnen. Er selbst hatte zumindest ein paar lebendige Erinnerungen an seine Mutter. Trotzdem war es nicht gerecht. Eine kleine, praktische Hilfe wäre wirklich nett gewesen. Wenn sich ein Geist schon die Mühe machte, den großen Graben zwischen Tod und Leben zu überqueren, sollte man doch ein klein wenig Multitasking von ihm erwarten dürfen.
Aber so waren sie, die Toten. Wer wusste schon, was in ihren Köpfen vorging, drüben in der großen Leere. Darüber zu spekulieren würde ihm Migräne verursachen.
Bruno rieb sich die Augen und bekam Schmutz hinein. Sie begannen zu tränen, und plötzlich …
oh, verdammt
. Er beugte sich vornüber und weinte lautlos.
Das nicht auch noch. Die McClouds hatten ihn auch so schon als verwöhntes Würstchen abgetan, das zu heulen anfing, wenn es nicht das erhoffte Spielzeug in der Müslipackung fand. Trotzdem konnte er nicht aufhören, an die letzte Umarmung seiner Mutter auf dem nächtlichen Busbahnhof zu denken. Das Medaillon, das an seiner Brust geglüht hatte, erfüllt von ihrer lebendigen Wärme.
Mama, wo ist dieses verfluchte Medaillon?
Hüte deine Zunge, Bruno!
Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Das Erste, was er sah, war ein Käfer, der sich durch den Morast kämpfte. Er war braun mit einem breiten Rückenpanzer und enormen Scheren, die zeigten, dass er keinen Spaß verstand.
Brunos Schluchzen ging in ein zittriges Lachen über. Sieh mal einer an, der Respekt gebietende ländliche Verwandte der gemeinen Stadtküchenschabe, der den Auftrag hatte, Materie zu schreddern und in Erde zu verwandeln. Bruno fragte sich, ob die Vorfahren des kleinen Kerls Rudy und seinen Kumpanen diesen persönlichen Dienst erwiesen hatten.
Seine Mutter hatte die Kakerlaken gehasst, die ihre Mietswohnung bevölkert hatten. Mithilfe von Gift und Fallen hatte sie dauerhaft Krieg gegen sie geführt. Es war zwecklos, trotzdem gab sie nie auf. Sie wusste nicht, wie. Das war typisch für seine Mutter. Es gab keinen Ausschalter.
Es
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