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Flora Segundas magische Missgeschicke

Flora Segundas magische Missgeschicke

Titel: Flora Segundas magische Missgeschicke Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Random House
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Es fiel mir nicht schwer, bedrückt und traurig zu klingen, weil ich mich tatsächlich bedrückt und traurig fühlte. Meine Erkältung machte mir immer noch zu schaffen.
    »Warum hast du dem Kutscher nicht gesagt, dass er warten soll?«
    »Man kann da nicht halten, ohne den ganzen Verkehr zu behindern.«
    »Ich mag es nicht, wenn du so spät noch mit der öffentlichen Droschke unterwegs bist.«
    »Ich hatte doch Flynnie bei mir, Mama.«
    »Ayah, ich bin mir sicher, dass er im Zweifelsfall eine große Hilfe gewesen wäre, der alte Feigling. Flora, ich war in deinem Zimmer, weil ich dich gesucht habe.«
    Mein Magen, der sich gerade ein wenig erwärmt hatte, verwandelte sich wieder in Eis. Nicht zittern.

    »Ich dachte, du hättest gesagt, dein Catorcena-Kleid sei fertig. Und was muss ich sehen? Es ist nicht fertig. Ich weiß, dass dir die Näharbeit nicht leichtfällt, aber das ist keine Entschuldigung für eine Lüge.«
    »Es tut mir leid, Mama«, sagte ich, und das stimmte auch. Ich bedauerte zutiefst, dass ich das Kleid nicht weggehängt hatte. Aber ich hatte ja nicht ahnen können, dass Mama mir nachspionierte. Das ist normalerweise nicht ihre Art. Gleichzeitig war ich erleichtert, dass offensichtlich nichts auf Valefors Anwesenheit hindeutete. Obwohl der Faulpelz eigentlich mein Kleid hätte fertigstellen sollen, bevor ich nach Hause kam.
    »Ich kann deine Entschuldigung akzeptieren, aber Entschuldigungen werden dir in der Kaserne nichts nützen, Flora. Man erwartet, dass die Kadetten ihre Arbeit ordentlich erledigen und in allen Dingen bei der Wahrheit bleiben. Aufrichtigkeit ist die höchste Tugend der Offiziere.«
    Ha! Meine Mutter hatte gut reden, dabei war sie doch, was Boy Hansgen anging, selbst nicht aufrichtig, oder? Sie hielt sich nicht an das, was sie anderen predigte. Waldläufer mochten lügen, aber wenigstens wussten sie, wann sie die Unwahrheit sagten. Waldläufer sind keine Heuchler.
    »Es tut mir leid, Mama.«
    »Und dann die Küche – du solltest doch die Hunde in der Waschküche einsperren, bevor du das Haus verlässt, Flora.«
    Also, ich ließ mir ja einiges gefallen, aber ich war nicht bereit, die Schuld für etwas auf mich zu nehmen, was ich nicht getan hatte. »Das habe ich getan,
Mama, wirklich. Poppy muss sie herausgelassen haben. Sie waren in der Waschküche, als ich gegangen bin. Das ist nicht meine Schuld.«
    »Dann muss ich mich korrigieren. Vielleicht ist es besser, wenn du die Hunde in Zukunft in den Stall bringst, wenn du aus dem Haus gehst. Dort wird Heißsporn vermutlich nicht auftauchen.«
    »Ayah, Mama.«
    Sie seufzte und rieb sich die Stirn. Sie wirkte noch erschöpfter als beim Abendessen. »Es tut mir leid, dass Heißsporn so eine Belastung für dich ist, Flora. Du passt wirklich gut auf ihn auf. Man musste schon immer auf ihn aufpassen, auf den armen Jungen.«
    In meiner Vorstellung waren Leute jenseits der dreißig keine »armen Jungen« mehr, und Poppy hatte dieses Alter schon weit hinter sich gelassen, aber meine Mutter kennt ihn schon so lange, dass es ihr offenbar schwerfällt, ihn nicht als »Jungen« zu betrachten. Er benimmt sich ja auch sehr kindisch.
    Mama fuhr fort: »Er hat eine schwere Zeit hinter sich.«
    Ich sagte nichts dazu, denn alles, was mir einfiel, wäre ziemlich gemein gewesen. Wir müssen nett zu Poppy sein, weil er drei Jahre als Kriegsgefangener verbracht hat. Aber auch andere Leute haben schwere Zeiten durchgemacht und sie lassen sie hinter sich und machen etwas aus ihrem Leben. Sergeant Carheña verlor ein Bein in der Schlacht von Calo Res und er kommt sehr gut zurecht. In meiner Gymkhana-Klasse ist ein Mädchen, dessen Bruder aus einem Eiswagen fiel und überfahren wurde. Auch sie kommt zurecht. Warum ist Poppy etwas so Besonderes?

    »Kann ich nach oben gehen, Mama? Ich habe jede Menge Hausaufgaben.«
    »Ich wünschte, du würdest dich ein paar Minuten lang zu mir setzen. Es ist so lange her, seit wir zusammen waren, und jetzt muss ich schon wieder weg. Ein Bote erreichte mich aus Moro; der Botschafter von Anahuatl hat nach mir verlangt und ich muss gleich morgen früh abreisen. Es tut mir so leid, Liebling.«
    Meine Mutter musste wieder weg? Was für ein Glückstreffer! Dann würde sie aus dem Weg sein, wenn Udo und ich unseren Befreiungsplan ausführten. Ein Hindernis weniger.
    »Aber ich verspreche, dass ich rechtzeitig zu deiner Catorcena zurück sein werde. Ganz bestimmt.«
    »Es macht nichts, Mama«, sagte ich. »Kann ich jetzt gehen? Ich

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