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Follower - Die Geschichte einer Stalkerin

Follower - Die Geschichte einer Stalkerin

Titel: Follower - Die Geschichte einer Stalkerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Isabell Schmitt-Egner
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Dann hatte er eben keinen Job mehr und das geschah ihm ganz recht. Kiran war nicht der einzige Mann auf dieser Welt und nur weil er so schön war, nahm er sich Rechte heraus, die ihm nicht zustanden. Ein ungewohntes Gefühl bemächtigte sich ihrer. Ja. Zum ersten Mal fühlte sie echte Wut auf Kiran. Ehrliche Ablehnung. Wenn er jetzt hier vor ihr stünde, glaubte sie, dass sie sich herumdrehen und fortgehen konnte. Ihn einfach stehen lassen.
    „Patricia!“
    Daniela fuhr zusammen. Sie sah über die Schulter. Robert kam mit Barbarossa über den Sand auf sie zugeritten. Er lenkte das kräftige Pferd einfach ins Wasser und Barbarossas Hufe wühlten die Wellen zu weißem Schaum auf.
    „Was machst du da?“, rief Robert und es klang ehrlich besorgt. Daniela sagte nichts. Was hätte sie auch sagen sollen? Robert hielt zwei Meter von ihr entfernt und schaute auf sie herab. Er ritt ohne Sattel und saß trotzdem sicher auf dem glatten Rücken.
    „Jetzt sag nicht, du wolltest dich gerade umbringen?“, fragte er. Sie sah trotzig hoch. Kurz überlegte sie, ihm zu sagen, dass sie ihre Selbstmordpläne bereits verworfen hatte. Aber dann sagte sie: „Und wenn schon. Wen interessiert’s?“
    „Komm sofort da weg. Na los, komm her“, verlangte Robert und sie gehorchte. Mühsam watete sie zurück Richtung Ufer. Barbarossa schlug mit den Hufen auf das Wasser. Es schien ihm Spaß zu machen. Robert lenkte ihn aus der Brandung auf den trockenen Sand, während Daniela wie ein nasser Hund den beiden folgte. Dann ging sie, ohne sich umzudrehen, den Strand entlang.
    „Wo willst du denn hin?“ Robert war schon wieder mit seinem Pferd neben ihr.
    „Ist doch egal“, sagte Daniela.
    „Steig auf. Na komm.“ Er hielt ihr die Hand hin.
    „Ich kann nicht auf das Pferd“, sagte Daniela.
    „Doch, kannst du. Barbarossa macht das nichts. Du musst dich nur dicht hinter mich setzen. Nimm meine Hand.“
    Und Daniela nahm sie. Robert zog sie mit einem kräftigen Ruck hinter sich auf den Pferderücken.
    „Zu Hause müssen wir uns beide umziehen. Du bist klitschnass. Leg deine Arme um mich, damit du nicht fällst“, sagte er. Sie schlang ihre Arme um seine Taille und spürte die Wärme seines Körpers. Er legte seine Hand kurz auf ihre, als wolle er prüfen, ob sie sich richtig festhielt.
    „Was ist mit dir, Patricia? Du warst gestern schon so traurig. Warum wolltest du das tun?“, fragte er und Daniela dachte, wie ungewohnt ihr neuer Name noch war.
    „Weil ich eben traurig war“, sagte sie.
    „Wegen einem Mann?“, fragte Robert.
    „Woher weißt du das?“, fragte sie erstaunt.
    „Das dürfte der Selbstmordgrund Nummer Eins bei Frauen sein. Enttäuschte Liebe. Bist du deshalb zu uns gekommen? Um nicht an ihn zu denken?“
    „Ich will nicht drüber reden. Bitte, sag Martina nichts. Die schmeißt mich sonst raus. Ich wüsste nicht, wohin ich dann sollte“, bat Daniela. „Ich werde es nicht wieder versuchen.“
    „Das will ich stark hoffen. Ich kann dich nicht ständig hier abholen. Wenn du nicht so laut geschrien hättest, dann hätte ich dich vielleicht gar nicht gesehen.“
    Sie ritten eine Weile schweigend weiter und Danielas Kopf wurde schwer. Der Schlafentzug machte sich bemerkbar und das Schaukeln des Pferderückens war angenehm. Sie fror auch gar nicht mehr, denn Roberts und Barbarossas Körper wärmten sie. Ihr Kopf sank nach vorn und berührte Roberts Schulter. Sie schrak hoch.
    „Entschuldigung“, flüsterte sie. „Ich bin nur so müde. Hab nicht geschlafen.“
    „Ist okay. Das macht mir nichts“, sagte Robert. Daniela lehnte ihren Kopf an seinen Rücken und schloss die Augen. Das wohlige Gefühl in ihr breitete sich aus, durchströmte sie. Frieden und Wärme. Robert war so anders als Kiran. Er nahm sie einfach an, half ihr. Es machte ihm nichts, wenn er umarmt wurde. Er wich ihr nicht aus oder stieß sie weg. Sie fühlte sich wohl und sicher. Barbarossa schnaubte und Daniela döste vor sich hin.
    „Hey.“ Die Bewegung hatte aufgehört. Barbarossa stand still und sie fühlte Roberts Hand auf ihrer.
    „Wir sind wieder im Stall. Keiner hat uns gesehen“, sagte er. „Warte.“
    Er schwang ein Bein vorn über den Pferdehals und glitt geschickt an der Seite nach unten. Dann streckte er die Arme hoch zu Daniela.
    „Ich helfe dir. Komm.“ Sie ließ sich bereitwillig von ihm vom Pferd helfen. Als ihre Beine den Boden berührten, knickte sie weg. Ihre Füße trugen sie nicht. Robert fing sie auf. Sofort setzte sich

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