Geheimnis einer Wuestennacht
Wunder bei all den Fallstricken und Lügengebäuden, mit denen Annalisas Geschlechtsgenossinnen in der Vergangenheit versucht hatten ihn hereinzulegen? Doch innerhalb weniger Minuten war ihm eigentlich klar geworden, dass er seine tapfere Retterin auf keinen Fall mit jenen Harpyien über einen Kamm scheren konnte.
âIch glaube dir, Annalisa.â
âGut ⦠und jetzt solltest du besser gehen.â
Tahir zögerte. âDu willst nicht, dass ich noch etwas bleibe und versuche, dich wieder in den Schlaf zu singen?â Wenn er jetzt die Hand ausstreckte â¦
âNein!â
Das kam so hart und kompromisslos, dass er sich in seiner männlichen Ehre verletzt und herausgefordert fühlte. âVielleicht sollte ich versuchen, dich zu überredenâ, raunte er heiser und beugte sich hinab. âDu weiÃt, dass ich es könnte â¦â
Er hatte die besten Lehrerinnen gehabt. Selbst seine erste Geliebte, eine umwerfende Schönheit, die er als Teenager mit allem Ungestüm der Jugend angebetet hatte, erwies sich als längst nicht so unschuldig, wie sie sich gab. Voller Hingabe und Enthusiasmus unterwies sie ihn in der hohen Kunst der körperlichen Liebe. Er war ihr verfallen, bis er feststellen musste, dass es weder sein männlicher Charme noch seine bemerkenswerte Lernfähigkeit waren, die sie anzogen, sondern das Geld seines Vaters.
Und dass er ihre Gunst mit dem alten Mann teilte â¦
Das hatte ihn dazu veranlasst, sich zu schwören, nie wieder auf weibliche Unschuld hereinzufallen. Und er hatte seinen Schwur gehalten ⦠bis zu Annalisa.
âBist du deshalb gekommen?â, fragte die ihn spöttisch. âUm dir eine Abwechslung zu deinen mondänen Geliebten zu verschaffen?â
Tahir schob unwillig die dunklen Brauen zusammen. Seit wann war sie so zynisch? Dabei war es nur sie, nach der er sich verzehrte. Die einzige Frau, die seinen Hunger stillen konnte und â¦
âWie viele hast du hier schon verführt? Dutzende? Hunderte?â
âIch bin schlieÃlich kein Heiligerâ, brummte er verstimmt.
Annalisa lachte rau. âDafür würde ich meine Hand ins Feuer legen! Ich habe mir nämlich erlaubt, heute Abend ein wenig im Internet zu recherchieren, nachdem ich endlich deinen vollständigen Namen als Anhaltspunkt hatte.â
Ihr eisiger Tonfall lieà ihn frösteln.
âIst es wirklich wahr, dass du alle Bewerberinnen für die Wahl der Miss Caribbean getestet hast? Und das auch noch zwischen zwei wichtigen Vertragsabschlüssen, sozusagen als Entspannungssport?â
âDu weiÃt doch, dass diese Schmierblätter immer schrecklich übertreiben â¦â
âIch frage ja nur, weil ich wissen möchte, wie groà die Chance ist, dass ich von dir auch noch etwas anderes bekommen habe als ein Kindâ, erklärte sie schonungslos.
Sekundenlang konnte er ihr gar nicht folgen, dann richtete er sich abrupt auf. âDu bist wirklich die Tochter deines Vaters, nicht wahr? Vielleicht solltest du doch lieber Medizin studieren.â Tahir war ebenso fasziniert wie desillusioniert. Und insgeheim verspürte er sogar etwas wie widerwillige Bewunderung für Annalisas nüchterne Sichtweise. âIch mag zwar manchmal rücksichtslos sein, aber ich bin kein Idiot. Und ich besitze ein einwandfreies Gesundheitszeugnis.â
âDas freut mich, um unseres Kindes willen.â
Unser Kind!
Zwei kleine Worte, die sich wie eine kalte Dusche auf seine Libido auswirkten, von der nach den letzten Minuten ohnehin kaum etwas übrig war. Plötzlich dämmerte es Tahir, das Annalisas Schwangerschaft für ihn viel mehr bedeutete als ein nationales Problem, für das unbedingt eine Lösung gefunden werden musste.
Sie beide würden in wenigen Monaten Eltern sein!
Was, wenn sich in ihrem Kind die Gene seines verhassten Vaters zeigen würden? Ob man bereits an einem Säugling sehen konnte, wie er sich später entwickeln würde? Die ungebetenen Ãberlegungen sandten einen eisigen Schauer nach dem anderen über Tahirs Rücken.
âWir werden später weiterredenâ, murmelte er und strebte in Richtung Tür.
âAber nicht hier!â, rief Annalisa ihm hinterher. âIch möchte nicht, dass du noch einmal diesen Raum betrittst!â
Tahir verharrte, mit der Hand auf der Klinke, wandte sich langsam um und deutete eine spöttische Verbeugung an. âWie Sie
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