Geschichte der Entdeckung und Eroberung Perus
Gruppirung und weil ihnen ein Stern dieser
Gruppe so groß wie der andere vorkam. Alle übrigen Sterne betrachteten sie als Dienerinnen des Mondes; man wies ihnen deßhalb
auch eine Wohnung neben ihrer Herrin an, damit sie dieselbe um so bequemer bedienen könnten, denn man glaubte die Sterne seyen
am Himmel zum Dienste des Mondes und nicht der Sonne, weil man dieselben nur des Nachts und nicht am Tage erblickte. Dieses
Gebäude war nebst seinem großen Portal, wie der Tempel des Mondes, gleichfalls mit Silber bedeckt. Sein Dach stellte den Himmel
dar und daran prangten Sterne von verschiedener Größe. Das dritte Gebäude diesem zunächst war dem Blitz, dem Donner und dem
Wetterstrahle geweiht, welche drei Erscheinungen man unter dem einzigen Ausdruck Illapa begriff. Man betrachtete sie nicht
als Götter sondern als Diener der Sonne; ihre Wohnung war deßhalb auch mit Gold bekleidet; sie selbst aber hatte man weder
in Statuen noch in Abbildungen dargestellt, weil sich die Indianer keine Personification jener Naturerscheinungen zu erdenken
wußten. Sie hatten deßhalb auch weit mehr Furcht und Abscheu als Achtung vor ihnen. Traf der Blitzstrahl ein Haus, so durfte
es Niemand mehr betreten und die Thüre ward vermauert; traf er das Feld, so wurde das getroffene Stück umzäunt, damit es nie
wieder von einem Menschen berührt werden möge. Der vierte Pavillon war dem Regenbogen geheiligt, weil sie fanden daß er stets
vor der Sonne herging; er zeichnete sich durch seinen Reichthum an Gold aus und der Regenbogen selbst war in seinen verschiedenen
Farben auf Goldplatten so groß dargestellt, daß er eine Seite des Gebäudes fast ganz einnahm. Sie nannten den Regenbogen Cuycha
und bewiesen ihm große Ehrfurcht. Wenn sie ihn am Himmel erscheinen sahen, machten sie auf der Stelle den Mund zu und hielten
die Hand davor, weil sie glaubten daß, wenn siedenselben auch nur ein wenig öffneten, ihre Zähne verderben und faul würden. Das fünfte und letzte Gebäude war das des Oberpriesters
und der übrigen Priester, die den Tempeldienst verrichteten und die alle von königlichem Geblüt seyn mußten. Von oben bis
unten gleich den übrigen mit Gold verziert, diente es weder zum Essen noch zum Schlafen, sondern als Saal, um darin Audienz
zu geben und über die anzustellenden Opfer sowie über die den Tempeldienst betreffenden Angelegenheiten sich zu berathen.
Der oberste Priester hieß Villaellma (Wahrsager); er deutete die Anzeichen und Opfer, die Träume und sonstigen Erscheinungen
dem Volke, und durch seinen Mund that die Sonne ihren Willen, ihre Befehle kund. Außer den fünf großen Pavillons befanden
sich in dem Sonnentempel selbst noch mehrere Gemächer für die Priester und Tempeldiener, die nur aus der Kaste der Incas genommen
wurden. Kein anderer Indianer, so vornehm er auch war, durfte sie betreten, ebensowenig Frauen, selbst nicht einmal die Gemahlinnen
und Töchter der Könige. Die Priester verrichteten den Tempeldienst abwechselnd nach Wochen, die sie nach den Mondsvierteln
zählten; während dieser Zeit berührten sie nicht ihre Weiber und verließen den Tempel weder bei Tag noch bei Nacht. Die Indianer
welche im Tempel als Pförtner, Kehrer, Küchen- und Kellermeister, Kleiderbewahrer u. s. w. dienten, mußten von denselben Stämmen
und aus denselben Städten seyn wie die welche im Palast des Königs den Dienst hatten: es waren nämlich gewisse Städte verpflichtet
sowohl die Diener für den königlichen Palast, als auch für den Sonnentempel zu liefern; denn es verdient bemerkt zu werden,
daß in beiden wegen der Beziehung, welche zwischen dem Vater und dem Sohne, d. h. zwischen der Sonne und dem Inca obwaltete,
kein Unterschied des Dienstes herrschte, ausgenommen daß in dem Tempel keine Frauen dienten und in dem Palast nicht geopfert
wurde. Die Orte an welchen man die Opfer darbrachte, waren der Feierlichkeit derselben entsprechend. Manche wurden auf gewissen
Plätzen, andere an mehreren Stellen welche im Sonnentempel zu diesem oder jenem Feste bestimmt waren, verrichtet. Die allgemeinen
Opfer am Hauptfest der Sonne, Raymi genannt, brachte man auf dem großen Platze der Stadt, die andern nicht so bedeutenden
dagegen in dem Vorhof des Tempels, in welchem die Bewohner allerProvinzen und Leute aus allen Stämmen des Reiches zu tanzen und sich zu vergnügen pflegten. Jedoch durfte man diesen geweihten
Ort nur barfuß betreten. Vier große Straßen
Weitere Kostenlose Bücher