Gespielin des Feuers: Roman (German Edition)
Gästeschar unter.
Sie führte Gabe zur Theke und bestellte zwei Sodawasser. »Auch auf dem Stützpunkt gibt’s eine Bar.«
»Ja, aber der Mann, der mich hierherfuhr, erklärte mir, in dieser Gesellschaft würde ich mich wohler fühlen. Denn ich hatte ihm gestanden, heute Nacht würde ich niemanden von ACRO in meiner Nähe ertragen.«
»Dev hat mich beauftragt, Sie hier rauszuholen.«
»Warum zum Teufel?«, murmelte Gabe. »Er hasst mich.«
»Eben nicht. Und darin liegt das Problem.«
»Klar, weil mich ein gewisser Oz wie ein gottverdammtes Sexgeschenk zu ihm geschickt hat.« Aufmerksam beobachtete er Marlenas Reaktion, und obwohl sie keine zu zeigen versuchte, sah er ihre Verblüffung. »Wissen Sie, wie das ist? Jemanden zu begehren, der einen nur wegen der miesen Manipulationen eines Toten haben will?«
»Ja.«
»Das sagen sie alle.« Gabe rülpste betrunken. »Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass Sie sich herablassen würden, aber ich habe mich schon öfter geirrt. Und zwischen Ihnen und Dev läuft was – ist mir scheißegal, was Creed sagt.«
Entschlossen packte sie ihn am Arm – wahrscheinlich sträflicher Leichtsinn, so mit einem Excedo umzugehen, aber wie sie schon vor langer Zeit herausgefunden hatte, waren diese speziell Begabten viel eifriger als Normalsterbliche bestrebt, niemanden zu verwunden. »Meine Stiefschwester hat mich verflucht«, erzählte sie so leise, dass er sich zu ihr neigen musste, um die Worte über dem Lärm in der Bar zu verstehen. »Deshalb wird mich kein Mann jemals lieben. Und ich muss jeden lieben, mit dem ich schlafe. Immer werde ich allein sein. Weder für Sie noch für Devlin stelle ich eine Bedrohung dar.«
Gabe strich ihr über die Finger – eine rührende Geste, die sie fast bewog, ihn loszulassen. So etwas verkraftete sie nicht. Doch sie las in seinen Augen nicht das erwartete Mitgefühl – sondern Schmerz und tiefes Verständnis. Als hätte er sein Leben lang immer nur Mist gebaut. »Tut mir so leid.«
»Nicht nötig, das ist nicht Ihr Problem.« Sie ließ ihn los und schaute ihn nur noch an. Inzwischen hatten die anderen Männer in der Bar ihre üblichen Rundgänge begonnen, in der Hoffnung, Marlenas Interesse zu wecken, ihr einen Drink zu spendieren, mit ihr zu tanzen und sie dann nach Hause mitzunehmen. In dieser Nacht aber gab es nur ein einziges Bett, das sie aufsuchen würde – ihr eigenes. »Gehen wir.«
Gabe folgte ihr. Auf dem Weg zur Tür legte er tatsächlich einen Arm um ihre Schultern, als wüsste er instinktiv, dass sie einen Schutzschild zwischen sich und den anderen Männern brauchte. Sie fuhren mit Marlenas Wagen auf Nebenstraßen zum bewachten ACRO-Gelände.
»Bringen Sie mich nach Hause?«, fragte er.
»Zuerst dorthin, wo Sie sein sollten«, antwortete sie. Nicht zum ersten Mal missachtete sie bewusst eine Anordnung ihres Chefs. Und so tat sie, was Devlin nicht wollte, aber am besten für ihn war.
Nachdem Gabriel vor Devs Haustür ausgestiegen war, schaltete sie das Autoradio ein und fuhr davon.
NUR EINE STUNDE LANG HATTE DEV Schlaf gefunden, bevor er wieder aufstand, duschte und beschloss, gleich ins Büro aufzubrechen – kurz nach fünf Uhr morgens, verdammt noch mal. Er widerstand dem Bedürfnis, Marlena anzurufen und sich zu vergewissern, dass alles geklappt und Gabriel sich einigermaßen benommen hatte. Solchen Versuchungen standzuhalten, stellte seine Geduld mittlerweile auf eine allzu harte Probe.
Als an seine Haustür gehämmert wurde, begleitet von lautem Geschrei, flog er geradezu die Treppe nach unten. Atemlos riss er die Tür auf und hob sie dabei beinahe aus den Angeln.
»Was zum Teufel soll das?«, stieß Gabriel hervor, ehe Devlin zu Wort kam.
Dev packte ihn am Hemdkragen und zerrte ihn ins Haus, um eine ernsthafte Diskussion über das Protokoll zu beginnen, wobei er auch seine Fäuste einsetzen würde.
Da sagte Gabriel: »Oswald Jameson Hughes fährt einen Baujahr-76-Oldtimer mit weißem Cabrioverdeck.«
Dev ließ ihn los und wich ein paar Schritte zurück. »Was hast du da gerade gesagt?«
Bereitwillig wiederholte Gabe seine Bemerkung.
»Woher zum Teufel weißt du das?«
»Weil er mich in zwei aufeinanderfolgenden Nächten hierhergebracht hat. Heute Nacht hat mich Marlena hier abgesetzt – und nachdem sie weggefahren war, sah ich seinen geparkten Wagen auf der anderen Straßenseite.«
»Wo?« Zuerst lief Dev zum Fenster, dann stürmte er zur Haustür, riss sie wieder auf und starrte in die Nacht. Die
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