Grenzenlos ermitteln - 23 Raetsel-Krimis
Atmosphäre zu schaffen. »Herr Schilling, ist schon was mit dieser EM, wie ⦠Sind Sie ein groÃer FuÃball-Fan?«
»Nur, wenn die Nationalmannschaft spielt. Dafür aber dann umso mehr. Mehr Fan geht gar nicht. Die Vereinsmannschaften, pah, alles Legionäre, früher, als Hölzenbein noch â¦Â«
Das reichte Korn. »Herr Schilling, nun mal Tacheles!«
Schilling blickte erstaunt auf. »Was erlauben Sie siâ¦Â«
»Sparen Sie sich die Luft für Ihr Telefonat mit Ihrem Anwalt, sofern Sie einen haben. Sie haben mir eben ein schönes Märchen aufgetischt. Haben sich gleich drei Mal verplappert. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie im âºKlaane Sachsehäuser⹠überhaupt keiner gesehen hat! Wollen Sie mir nicht was erzählen? Wenn Sie es jetzt noch machen, werde ich in den Bericht schreiben, dass Sie freiwillig gestanden haben. Kann ziemlich wichtig sein, der kleine Vermerk, so vor Gericht. Kann ânen Unterschied von ein paar Jährchen in Freiheit ausmachen.«
Was war Korn aufgefallen?
Lösung
Schilling widerspricht sich gleich dreifach, wie Korn richtig feststellt:
1. Er gibt an, dass noch vier Spiele bei der EM zu spielen seien: zwei Halbfinals sowie Spiel um Platz 3 und das Finale. Bei Europameisterschaften werden aber â im Gegensatz zu Weltmeisterschaften â keine Spiele um Platz 3 ausgetragen. Hätte er als vorgeblich groÃer FuÃballfan wissen müssen.
2. Der Anruf kam um kurz nach 23 Uhr rein (»De Aaruf kam kurz na elf ennei.«). Da befand sich das Spiel Spanien gegen Portugal aber noch in der Verlängerung bzw. im ElfmeterschieÃen. Schilling behauptete jedoch, direkt im Anschluss an das Spiel nach Hause gegangen zu sein. Er hätte die Ãbbelwoikneipe somit erst viel später verlassen können. Aber â¦
3. â¦Â der Ortskundige wird es wissen: Im âºKlaane Sachsehäuserâ¹ kann man überhaupt keinen FuÃball gucken â dort gibt es kein TV.
Bernd Köstering
Dichtung und Wahrheit
Ein Goethe-Rätselkrimi
Das Telefon klingelte an einem Samstag.
Wahrscheinlich wundern Sie sich jetzt, dass ich dies erwähne. Sie verstehen es aber besser, wenn ich noch hinzufüge, dass es um 7 Uhr morgens geschah.
Zunächst dachte ich, es sei der Wecker. Doch am Vorabend hatten Hanna und ich uns vorgenommen, diesen Samstag völlig spontan zu gestalten, von einer Minute zur nächsten, ohne jeglichen Termindruck. Also auch ohne Wecker. Vorsichtig schälte ich mich aus der Bettdecke, penibel darauf bedacht, Hanna nicht zu wecken. Hoffentlich hörte sie das Telefon nicht. Ich lehnte die Schlafzimmertür nur an, um das mürrische Knarren des Türschlosses zu vermeiden. Die Treppe nach unten kannte ich genau, wusste exakt, wo ich den Fuà hinsetzen konnte, ohne dass das Holz stöhnte wie ein altes Weib beim Wäschewaschen.
Ich hob ab. »Hier Wilmut!«
Eine penetrant fröhliche Stimme drang an mein Ohr: »Guten Morgen, Hendrik. Hier ist Richard.«
»Ich weià nicht, was an diesem Morgen gut sein soll«, nörgelte ich.
»Dann schau mal aus dem Fenster, die Sonne scheint, Ostwind, ihr solltet also relativ ruhig geschlafen haben in Offenbach.«
Wir hatten tatsächlich gut geschlafen. Ohne den üblichen Fluglärm ab 5 Uhr, wenn die sogenannte Mediationsnacht vorüber war.
»Und an solch einem auÃergewöhnlichen Ruhetag rufst du um 7 Uhr in der Frühe an?«
»Entschuldige, ich brauche dringend deine Hilfe, kannst du ins Polizeipräsidium kommen?«
»Nach Frankfurt? Jetzt?«
»Ja, es eilt. Ich kann den Mann nicht so lange festhalten. Wahrscheinlich bist du zum Frühstück wieder zurück, bringst frische Brötchen mit und Hanna fällt dir um den Hals!«
»Meine Güte, du versuchst es ja mit allen Mitteln. Um was geht es überhaupt?«
»Der Verdächtige hat ein historisches Manuskript verkauft, angeblich handgeschrieben von Goethe, und nun behauptet der Käufer, es sei eine Fälschung. Schau dir das Manuskript bitte mal an.«
»Kann das nicht jemand vom Freien Deutschen Hochstift machen, die vom Goethehaus, du weiÃt schon, die kennen sich ebenso gut damit aus.«
»Bis ich das geklärt habe, gehen Stunden ins Land, Papierkram ohne Ende, und ob ich da jemanden am Wochenende erreiche, weià ich auch nicht. Also bitte, komm mal kurz rüber.«
»Na gut, aber
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