Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Hätschelkind: Der erste Fall für Jan Swensen

Hätschelkind: Der erste Fall für Jan Swensen

Titel: Hätschelkind: Der erste Fall für Jan Swensen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wimmer Wilkenloh
Vom Netzwerk:
Offensichtlich ist auch vor dem Tod niemand in die Wohnung eingedrungen. Eine klare Aussage können wir dazu allerdings noch nicht machen. Die beiden Personen, welche die Leiche fanden, haben die Tür zum Wintergarten aufgebrochen. Sie soll nach ihren Aussagen aber vorher völlig intakt gewesen sein. Wenn dem so ist, muss Rüdiger Poth seinen Mörder persönlich hereingelassen haben.«
    »Und wer sind die beiden Personen und was wollten die da vor Ort?«, fragt Rudolf Jacobsen dazwischen.
    »Zwei Mitarbeiter der ›Husumer Rundschau‹, eine gewisse Maria Teske und ein gewisser Ernst Meyer, Journalistin und Fotograf. Das Vernehmungsprotokoll vom Kollegen Mielke liegt vor.«
    »Und was wollten die da?«, wiederholt Rudolf Jacobsen.
    »Mit dieser Frage kommen wir zu den Parallelen zwischen unseren zwei Fällen.«
    Swensen heftet ein zweites Bild an die Pinnwand.
    »Dr. Herbert Kargel, er wurde sechs bis sieben Stunden früher fast auf dieselbe Weise erschossen. Lungenschuss aus nächster Nähe und ein aufgesetzter Herzschuss, Kaliber 7,65 mm das steht fest. Die Vorgehensweise weist dasselbe Muster wie bei Poth auf. Kargel ist Vorsitzender der Stormgesellschaft. Er arbeitete kurz vor seinem Tod an einem Gutachten, das die Echtheit eines Manuskripts von Theodor Storm prüfen sollte, das Hajo Peters, der Arbeitgeber unserer Leiche aus dem Watt, auf seinem Boden gefunden hat.«
    »Hat der Mordfall Edda Herbst denn auch was mit der Sache zu tun?«, fragt Rudolf Jacobsen.
    »Erst einmal nicht. Die Verbindung kann natürlich auch ein Zufall sein. Es gibt zumindest keine Hinweise auf einen Zusammenhang.«
    »Trotzdem merkwürdig, oder?«, zwitschert Susan Biehl dazwischen.
    »Lassen wir das bitte erst einmal so stehen!«, sagt Swensen mit Nachdruck. »Dieses Gutachten wurde jedenfalls von der ›Husumer Rundschau‹ bei Dr. Kargel in Auftrag gegeben und Rüdiger Poth war für die Geschichte mit dem Roman-Fund verantwortlich. Also, wir haben eine alte Handschrift von Theodor Storm, ein sicher wertvolles Manuskript. Dr. Kargel soll bestätigen, dass es echt ist und wird ermordet. Rüdiger Poth bearbeitet die Geschichte für die Zeitung und wird auf dieselbe Weise ermordet. Gefunden wird der Tote von seiner Kollegin, Maria Teske, die nach eigener Aussage wenige Stunden vorher in den Redaktionsräumen der Zeitung niedergeschlagen wurde. Dort soll sich jemand an dem Computer des Toten zu schaffen gemacht haben. Die beiden Streifenbeamten, die den Fall vor Ort aufgenommen haben, geben an, keinerlei Spuren für ein gewaltsames Eindringen gefunden zu haben. Doch nach der ersten Auswertung unserer Spurensuche wird ein Schuh daraus. Beim ermordeten Rüdiger Poth wurden zum Beispiel keine Wohnungsschlüssel gefunden. Das Schlüsselbund, an dem auch die Schlüssel für die Redaktionsräume gewesen sein sollen, ist verschwunden. Der Mörder könnte nach dem Mord versucht haben, den Computer des Ermordeten zu durchsuchen.«
    »Ich weiß immer noch nicht, warum diese Teske in die Wohnung ihres Kollegen eingebrochen ist«, nörgelt Rudolf Jacobsen, indem er seine Augen zusammenkneift. Swensen greift zu seiner Tasse und nimmt einen Schluck grünen Tee. Es entsteht eine Pause, die Stephan Mielke nutzt um Jacobsen ein zusammengeheftetes Papier zuzuwerfen.
    »Hier das Vernehmungsprotokoll! Da steht alles drin.«
    »’Schuldigung, dass ich mir noch nicht die Zeit nehmen konnte, es zu lesen«, zischt Rudolf Jacobsen.
    Swensen schaut ihm daraufhin direkt in die Augen. Jacobsen wendet seinen Blick sofort ab und kaut verlegen am Zeigefingernagel seiner rechten Hand.
    »Ich bin auch noch nicht dazu gekommen das Protokoll zu lesen!«, meldet sich daraufhin auch Silvia Haman.
    Stephan Mielke verzieht sichtbar seinen Mund.
    »Ist was, Stephan?«, fragt Silvia Haman, die Mielkes Gemütslage sofort wahrnimmt. »Nur weil du deine erste Vernehmung erfolgreich hinter dich gebracht hast, müssen wir uns ja nicht gleich alle wie wild auf dein Protokoll stürzen! Es ist schließlich erst kurz nach acht!«
    Stephan Mielke wird puterrot. Doch bevor er den Mund öffnen kann, schlägt Swensen mit dem Löffel an seine Tasse.
    »Kollegen, ich bitte e uch. Wir sind hier nicht im Kindergarten!«
    Seine Stimme klingt bedrohlich kühl. Er wartet in Ruhe die Wirkung ab und fährt fort.
    »Also, Rüdiger Poth war am Freitagmorgen nicht am Arbeitplatz erschienen und auch telefonisch nicht erreichbar. Dazu kam für Maria Teske noch der Vorfall in den Redaktionsräumen.

Weitere Kostenlose Bücher