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Hexer-Edition 16: Stirb, Hexer!

Hexer-Edition 16: Stirb, Hexer!

Titel: Hexer-Edition 16: Stirb, Hexer! Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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in ein Schlagloch fuhr, schwankte der Revolver so stark hin und her, dass die Polizisten neben mir es sichtlich mit der Angst zu tun bekamen.
    Und nicht nur sie.
    Schließlich bog die Kutsche in eine finstere Toreinfahrt ein und hielt in einem versteckten Hinterhof. Ein gutes Dutzend Polizisten erwartete uns. Ein paar von ihnen spannten die Pferde aus und führten sie weg, während die übrigen mit ihren Pistolen durch das Kutschenfenster auf mich zielten. Erst als man die Pferde weggebracht hatte, stieg Cohen vom Kutschbock und sperrte das Schloss an der Tür auf.
    »Keine Tricks, Craven«, sagte er. »Sonst sind Sie schneller ein toter Mann, als Sie piep sagen können!« Er unterstrich seine Worte mit einer drohenden Bewegung seiner Pistole. Die neben mir sitzenden Polizisten stiegen bis auf die zwei, an die ich gefesselt war, aus der Kutsche und bildeten mit gezückten Waffen eine Gasse.
    Jetzt stiegen auch Jenkins und Tailworthern aus dem Wagen. Sie achteten dabei sorgfältig darauf, nicht in die Schusslinie zu geraten. Dann stand ich auf dem unebenen Pflaster und versuchte durch die nebelige Dämmerung den Ort zu erkennen, an den man mich gebracht hatte. Da ich nur die Rückfront sah, hätte ich überall in London sein können. Die Uniformen der beiden Männer jedoch, die uns die Türen öffneten, waren so charakteristisch, dass ich einen Augenblick stehen blieb und sie anstarrte.
    Was zum Teufel hatten wir zu dieser späten Stunde im Old Bailey zu suchen? Wenn mich ein Richter oder Staatsanwalt verhören wollte, so hätte es weitaus weniger Umstände bereitet, wenn er in den Yard gekommen wäre. Außerdem hatte ich nicht die Absicht, auch nur ein Wort zu sagen, solange Gray nicht bei mir war.
    »Vorwärts!«, knurrte Tailworthern. Rücksichtslos wurde ich weiter gezerrt. Ich hatte das Gefühl, in eine belagerte Festung zu kommen. Überall wimmelte es von Pistolen und Gummiknüppel schwingenden Polizisten, die alle nichts anderes zu tun hatten, als mich mit möglichst finsteren Mienen anzustarren. Wäre es mir besser gegangen, hätte ich mir trotz der Lage, in der ich mich befand, das Lachen nicht verkneifen können. Eigentlich kam mir in diesem Moment erst richtig zu Bewusstsein, was hier geschah. Ich wurde nicht nur wie der berühmte Staatsfeind Nummer eins behandelt – in den Augen dieser Männer war ich es.
    Cohen selbst öffnete die letzte Tür und wenige Sekunden später stand ich im bedeutendsten Gerichtssaal des Empires. Jenkins und Tailworthern zogen mich weiter, drückten mich auf die Anklagebank und setzten sich zu meinen Seiten nieder. Die begleitenden Polizisten nahmen im Zuschauertrakt Platz, ohne ihre Waffen aus der Hand zu legen, während Cohen auf die Empore zutrat, auf der Richter, Staatsanwalt und Schöffen thronten. Alles kam mir mehr und mehr wie ein böser Albtraum vor.
    Aber es war kein Traum. Es war unmöglich und widersprach mindestens einem Dutzend Gesetzen und Erlassen, aber es war alles zum Prozess bereit.
    Der Richter blätterte in seinen Akten und stellte Cohen einige leise Fragen, während sich ein paar Schöffen flüsternd miteinander unterhielten. Die meisten wirkten verwirrt und wussten anscheinend genauso wenig wie ich, was wir hier alle sollten.
    Der Richter beendete sein Gespräch mit Cohen und schlug mit einem Hammer dreimal auf den Tisch. »Können wir die Verhandlung eröffnen?«, fragte er. Seine Stimme klang seltsam – als hätte er Drähte anstelle von Stimmbändern im Hals.
    Dr. Gray stürmte förmlich durch die Tür, warf einem Gerichtsdiener Mantel und Schirm, einem anderen den Bowler zu und eilte nach vorne zur Empore.
    »Ich bitte Sie, meine Verspätung zu verzeihen, Euer Lordschaft. Aber ich wurde über diese grässliche Sache erst informiert, als ich in meine Kanzlei zurückkam«, sagte er.
    Lordoberrichter James Darender nickte gelangweilt. »Ich nehme Ihre Entschuldigung an, Dr. Gray. Doch ich muss Sie jetzt bitten, sich umzuziehen, damit die Verhandlung beginnen kann.«
    »Selbstverständlich, Euer Lordschaft. Doch dürfte ich vorher noch kurz mit meinem Mandanten sprechen? Ich wurde von dem Fall so überrascht, dass ich keine Zeit fand, mich darauf vorzubereiten.«
    Der Richter nickte. Gray kam zur Anklagebank und beugte sich zu mir herab. »Kein Wort über den Zwischenfall im Yard«, zischte er. »Ich glaube, ich kann alles vertuschen. Du sagst nichts ohne mein Einverständnis, klar?«
    Ich nickte ganz automatisch. Nicht, dass ich auch nur noch ein Wort

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