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Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Titel: Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Harald Evers
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viel zu schade.«
Seine Bemerkung schien Laura zu gefallen. Sie lächelte glücklich, und Ullrik dachte, dass dies vielleicht die bessere Methode
sei, ihre Stimmung wieder aufzurichten, als sie in ein bedeutungsschwangeres Gespräch zu verwickeln. »Jetzt! Schnell!«,
flüsterte er, deutete auf den Mann und erhob sich.
Der hatte seine Hose wieder hochgezogen, wandte sich um und
wollte gerade gehen, als Ullrik und Laura vor ihm aus der Dunkelheit auftauchten. Ullrik hob eine Hand.
»He du, warte mal«, sagte er.
Der junge Kerl blieb überrascht stehen. »Wer? Ich?«
Ullrik sah, dass sie eine gute Wahl getroffen hatten. Der Junge
war höchstens zwanzig, dürr und unansehnlich. Unter seinem
struppigen blonden Haar schaute ein rundes, flaches Gesicht hervor, das man nicht eben hübsch nennen konnte.
Seine Nase war platt, die Zähne schief und der dünne Bart faserig und ungleichmäßig.
Doch dumm war er nicht. Er schien sie beide zu kennen oder
hatte wenigstens von ihnen gehört und zog sofort die richtigen
Schlüsse. Auf der Stelle rannte er los, Richtung Dorf, und zwar so
schnell, dass Ullrik nur noch ein überraschtes Ächzen von sich
geben konnte.
Laura war besser. Mit verblüffender Schnelligkeit sprang sie ihm
hinterher, vollführte nach ein paar Schritten einen riesigen Satz
und landete, mit nach vorn gestrecktem Bein, genau in seiner
Fluchtroute. Er stolperte und schlug mit einem Aufheulen der
Länge nach bäuchlings auf den sandigen Boden. Sofort war Laura
über ihm, setzte sich auf ihn und hatte schon das mitgebrachte
Seil hervorgezogen, um ihm hinter dem Rücken die Hände zu
binden. Als der überraschte Ullrik dazukam, hörte er sie nur noch
zischen: »Ein Laut, und ich reiß dir den Kopf ab, verstanden?«
Ihre Drohung zeigte Wirkung, und Ullrik musste sich beherrschen, nicht laut loszulachen.
Er war regelrecht fasziniert von Lauras Energie und Tatkraft.
Von ihrem Herzen her war sie Azrani durchaus ähnlich, aber doch
wieder so anders – wenn es um handfeste Dinge wie dies hier
ging.
»Ein kleiner Engel?«, flüsterte er ihr grinsend ins Ohr, als er
sich zu ihr niederbeugte. »Eher ein kleiner Teufel!«
Wieder lächelte sie glücklich, und diesmal bekam er einen Kuss
– mitten auf die Nase. Unwillkürlich musste er an Azrani denken
und fühlte sich plötzlich ein wenig schuldig, auch wenn er den
Grund dafür nicht so recht wusste.
»Wie heißt du, Bursche?«, fragte er entschlossen, um sich rasch
anderem zuzuwenden.
»Mimi...«
»Mimi? Das ist ein Mädchenname!«
»Mi...guel«, vollendete der Junge das Wort.
»Ah, Miguel. Sehr schön. Du kommst jetzt mit uns, Miguel.
Keine Sorge, wir tun dir nichts. Du musst uns nur kurz helfen.
Bald bist du wieder frei.«
Laura, die noch immer auf seinem Rücken saß, beugte sich hinab und zischte ihm gefährlich zu: »... wenn du artig bist! Und
still!«
Laura stieg von ihm herab, und Ullrik zog ihn auf die Beine.
Zum Glück war er etwas größer als Miguel, was ihm einen kleinen
moralischen Vorteil verschaffte. »Los, da lang!«, befahl er und
deutete in die Dunkelheit, weg vom Dorf. Er schob Miguel an, und
sie setzten sich in Bewegung, der Junge zwischen ihm und Laura.
Miguel ging tief gebückt, so als erwartete er, jeden Augenblick
Prügel zu bekommen. Sein Blick war zu Boden gerichtet, er wagte
nicht, sie anzusehen. Besonders Laura nicht.
»W-was habt ihr m-mit mir vor?«, stotterte er nach zwanzig
Schritten mit leiser Stimme.
Ullrik entschied, besser gleich das Gespräch zu beginnen, als
ihm zu viel Zeit zum Nachdenken zu geben. Vielleicht würde er in
Panik verfallen und dann doch noch losschreien... Er maß mit einem Blick die Entfernung zum Dorf und entschied, dass sie fürs
Erste weit genug entfernt waren.
Also blieb er stehen und packte Miguel am Hemd. »Warst du
schon mal auf Okaryn?«
»A-auf dem Mhorad?« Er kicherte nervös. »I-ich? Wie soll ich da
je hinkommen?«
Laura stieß einen spöttischen Laut aus, sichtlich verärgert über
das saft- und kraftlose Auftreten des Burschen.
»Was weißt du über den Felsen?«, fragte Ullrik weiter.
»Redet man bei euch darüber?«
Miguel schüttelte den Kopf. »Nein. Da-das ist tabu.«
»Tabu?«, fragte Laura herrisch. »Und warum?«
Miguel wandte den Blick halb zu ihr, stammelte etwas, brachte
aber keine zusammenhängenden Worte hervor und sah wieder zu
Boden. Ullrik ließ ihn los, musterte Laura kurz.
Dann kam ihm ein Verdacht. »Du würdest gern mal dorthin,
nicht wahr?«, fragte er

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