Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar

Titel: Höhlenwelt-Saga 7 - Die Monde von Jonissar Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Harald Evers
Vom Netzwerk:
beeindruckt zu sein. Seine Miene spiegelte
Furcht und Verwirrung. Es mochte gut sein, dass Laura die erste
Frau war, die er je zu Gesicht bekam, seit er damals, wohl im
Alter von vier oder fünf Jahren, seiner Mutter entrissen und hierher gebracht worden war. Ullrik hätte gern gewusst, welche Legenden er bisher über Frauen gehört hatte. Vermutlich solche von
überirdisch zarten und mütterlichen Wesen... Da musste Lauras
Auftreten ein rechter Schock für ihn sein.
»Geht lieber nicht zu ihm«, meinte Miguel zögernd. »Zu meinem Vater, meine ich. Er... er ist ein ziemlich böser Mann.«
Ullrik warf Laura einen fragenden Blick zu, aber sie schnaufte
nur.
»Er... er würde keinen Scheffel für mich geben. Und wenn ich
wieder frei wäre, ich meine... falls ihr mich freilasst, dann...«
»Was?«, verlangte Laura zu wissen.
Miguel blickte beschämt zur Seite. »Er würde mich totprügeln.«
»Totprügeln? Aber wofür denn?«
Mit feuchten Augenwinkeln sah er Laura an – dieses Mal bemerkenswert lange. »Dafür, dass ich mich von euch habe fangen lassen«, gestand er mit leiser Stimme.
Laura ballte die Fäuste und stampfte vor Wut mit dem Fuß auf.
»Weißt du was? Ich glaube, wir vergessen, was ich gesagt habe.
Wir gehen stattdessen zu deinem Vater und hauen ihn windelweich!«
Ullrik starrte sie verwundert an. Im Sternenlicht funkelten Tränen auf ihren Wangen. »Warum macht dich das so wütend?«,
fragte er leise und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie war
über die Maßen aufgebracht.
»Weil sie alle so sind, diese Scheiß-Relies!«, presste sie hervor.
»Entweder gemein, brutal und gewalttätig – oder totale Weichlinge wie der hier! Wir sind dort hinten bei unserem Wrack eingesperrt und gehen langsam vor die Hunde, weil es uns an allem
fehlt, während diese Dummköpfe hier alles haben! Aber was machen sie daraus? Nichts! Ihnen fällt nichts Besseres ein, als zu
duckmäusern, sich von den Drachen tyrannisieren zu lassen und
dahinzuvegetieren wie irgendwelche Wilden vor tausend Jahren!«
Sie wandte sich mit geballten Fäusten an Miguel und schrie ihn
an: »Ihr seid zu nichts nutze, ihr blödes Pack! Das Tal von Okaryn könnte ein Paradies sein! Hier gibt es alles! Aber ihr Idioten
macht es zu einem religiösen Gefängnis! Ihr lasst euch eure
Frauen von diesen >Engeln< wegnehmen und betet sie dafür
auch noch an!«
Ullrik drückte Laura an sich und versuchte sie zu beruhigen.
»Leise, sonst hören sie dich noch!« Laura vergrub schluchzend ihr
Gesicht an seiner Brust. Ullrik tat sie furchtbar Leid, und dennoch
verstand er nicht recht, warum sie das alles so sehr aufbrachte,
dass sie in Tränen ausbrach.
Irgendein Geheimnis kannte er wohl noch nicht, und er sah ein,
dass er mit ihr doch noch einmal reden musste.
»Du denkst also, dein Vater wäre eine schlechte Wahl«, sagte
er streng zu dem jungen Mann.
»Hättest du denn einen besseren Vorschlag?«
Miguel schluckte. »Vielleicht... Titus?« »Und warum der?«
»Nun ja. Er ist recht nett, und vielleicht...«
»Nett?« Laura, die sich schon wieder von Ullrik befreit hatte,
schüttelte den Kopf. »Nett hilft uns nichts. Das ist doch der, der
schon fünfmal auf Okaryn war, oder? Das bedeutet, er ist fromm,
strebsam, fleißig, gehorsam, unterwürfig und ein Speichellecker.
Ein Waschlappen ohne Fehl und Tadel ganz im Sinn eurer verfluchten Engel. Was sollen wir mit dem? Glaubst du, ausgerechnet
so einer würde uns verraten, wie es in Okaryn aussieht? Kennst
du den überhaupt persönlich?«
»Nun ja, vom Sehen. Wir sind ja kein so großes Dorf...«
Ullrik war längst klar, was sie tun mussten. »Führ uns zu ihm«,
forderte er von Miguel. »Du weißt doch sicher, wo er wohnt,
oder?«
Miguel nickte zögernd, Laura hingegen sah Ullrik fragend an. In
ihren Augen stand ein leiser Vorwurf.
»Du hast ja Recht«, flüsterte er ihr zu, »aber was du sagst, trifft
doch auf alle Relies zu, nicht wahr?
Jedenfalls die, die nach Okaryn durften. Wir können nur eins
tun, nämlich uns einen von denen zu schnappen. So wie Miguel.«
Laura studierte kurz sein Gesicht, dann nickte sie. Die Erklärung
schien sie zufrieden zu stellen. »Los, führ uns zu seinem Haus«,
befahl sie Miguel und wischte sich die Tränen fort.
23
Flucht nach vorn
    »Wo ist dieser Quendras!«, brüllte Rasnor voll heißem Zorn.
»Wo ist er?«
Wie von Dämonen gepeitscht, marschierte er hin und her und
auf und ab – kreuz und quer durch seinen bizarres Refugium, das
er sich inmitten der

Weitere Kostenlose Bücher