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Im fernen Tal der Hoffnung

Im fernen Tal der Hoffnung

Titel: Im fernen Tal der Hoffnung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Nicole Alexander
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er in der Pitt Street Mall. Von Sarah war nichts zu sehen.
    Jim ließ sich schwer auf eine Holzbank sinken. Ungewollt belauschte er das Gespräch von zwei jungen Büroangestellten, die darüber redeten, dass der Vater einer Freundin gestorben war. Die Witwe musste Beruhigungsmittel nehmen, weil sie den Tod ihres Mannes nicht verkraftete, und ihre Freundin musste auf Anraten des Arztes wieder nach Hause ziehen. Jim zog ein Blatt Papier aus der Tasche und faltete es vorsichtig auf. Tony Woodbridge hatte die Adresse seines Vaters in Queensland herausgefunden. Ronald Gordon lebte an der Goldküste, und seine Frau Sue, Sarahs Mutter, war kürzlich gestorben.
    Â» Sie werden bestimmt monatelang trauern«, sagte das rundliche Mädchen, das links von Jim saß.
    Â» Da hast du sicher recht, Kylie. Bei einem nahen Verwandten dauert es bestimmt Monate, bis man darüber hinweg ist«, erwiderte ihre Freundin. » Wenn überhaupt jemals.«
    Auf dem Flug nach Australien hatte Jim sich gefragt, wie es wohl sein würde, wenn er seinem Vater begegnete. Er hatte sich vorgestellt, dass der Mann ihn willkommen heißen und umarmen würde, aber jetzt wusste er, dass die Realität ganz anders aussah. Ronald Gordon hatte seit Jahren von Jims Existenz gewusst und sich nicht die Mühe gemacht, ihn kennenlernen zu wollen. Der Tod von Sarahs Mutter würde daran wahrscheinlich auch nichts ändern. Die wirkliche Barriere zwischen ihnen waren nicht Zeit und Abwesenheit. Es war Wangallon. Sarah war besessen von dem Besitz. Sie war die Tochter ihres Vaters, und Jim war der ungewollte Sohn aus Schottland, der das Familienerbe ruinieren konnte.
    Einige Meter von ihm entfernt stand ein junger Straßenmusikant, der zur Musik aus einem Kassettenrekorder lauthals sang. Seine Stimme war nicht außergewöhnlich, aber er lächelte jeden, der ihm eine Münze gab, so strahlend an, dass die meisten noch etwas dazulegten. Er ging seinen eigenen Weg in der Welt und bereicherte sich nicht an etwas, das er nicht geschaffen hatte. Jim dachte an seine Eltern in Schottland und wünschte, er wäre zu Hause. Nächste Woche, dachte er. Er würde nicht hierbleiben, wo ihn niemand unterstützte. Er bezahlte seinem Anwalt ein Vermögen, also konnte Woolbridge in seiner Abwesenheit auch alles alleine regeln.
    In diesem Moment trat Sarah auf den Straßenmusikanten zu und ließ ein paar Münzen in die Schachtel zu seinen Füßen fallen. Der Mann hörte auf zu singen und sagte etwas zu ihr. Sarah lachte und ging dann weiter. Erneut folgte Jim ihr, wobei er versuchte, sich zurechtzulegen, was er zu ihr sagen könnte. Er hätte gerne noch einmal mit ihr gesprochen, aber irgendwie fand er nicht die richtigen Worte. Stattdessen dachte er an die unheimliche Nacht, die er im Farmhaus auf Wangallon verbracht hatte. Als Sarah eine Ampel überquerte, blieb Jim stehen. Er gehörte nicht in ihre Welt, er war unerwünscht. Um ihn herum wimmelte es von Menschen, aber er fühlte sich einsam. Er hätte sich von Robert Macken nie dazu drängen lassen sollen, nach Australien zu fliegen, dachte er. Er hätte auf seine Mutter hören sollen.

Hochsommer 1909
    Wangallon Station, am Wangallon River
    Aufmerksam blickte Hamish über den dunklen Strom auf die Bäume am gegenüberliegenden Ufer. Hoffentlich kamen die Rinder bald. Er nahm ein Seil von seinem Sattel, ließ sich auch die Seile von Harry und Angus geben und band alle drei zusammen. Ein Ende knotete er an einen dicken Baum.
    Mungo schüttelte den Kopf. » Vielleicht überqueren die Rinder gar nicht hier, Boss.«
    Â» Wenn sie hier herüberkommen, bringst du die Herde zur hinteren Grenze. Bis du eintriffst, hat Wetherly die Verantwortung, aber dann bist du der Boss, Mungo.«
    Â» Ich, Boss? Was ist mit Luke?«
    Â» Luke arbeitet nicht mehr hier.«
    Hamish rollte das Seil auf und trieb sein Pferd ans Wasser. Das Tier scheute und stieg, ging aber dann doch in den Fluss. Vorsichtig suchte es sich seinen Weg über den sandigen Boden. Bald reichte Hamish das Wasser bis zu den Oberschenkeln, und schließlich verlor das Tier den Boden unter den Füßen, und das Wasser überspülte den Sattel. Hamish trieb das Pferd immer weiter vorwärts. Es schwamm, bis sie schließlich das gegenüberliegende Ufer erreichten. Dort band Hamish das Seil um einen Buchsbaum. Jetzt würde er sicher wieder zurückkommen. Er

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