Im fernen Tal der Hoffnung
ein bisschen fernsehen oder so.«
» Oder so?«, wiederholte Jim spöttisch.
Jack nahm zwei Kaffeebecher aus dem Küchenschrank.
» Du weiÃt, ich kriege schon, was mir zusteht«, erklärte Jim und zog sich die Socken an.
Ja, ja, wenn Schweine fliegen können, dachte Luke.
» Ich habe doch nur ein bisschen Fairness erwartet«, fuhr Jim fort.
Natürlich hatte der Schotte recht. Das Empfangskomitee war ja wirklich enttäuschend gewesen.
» Wenn ich eine Geschichte der Gordons auf Wangallon geschrieben hätte«, sagte Anthony, bemüht, nicht allzu verärgert zu klingen, würde ich sie dir zu lesen geben. Vielleicht würdest du dann ja ein bisschen mehr Verständnis aufbringen.«
» Verständnis?« Jim erhob die Stimme.
Jack hielt den Milchkarton hoch. » Milch?«
Anthony senkte die Stimme. » Ich will nicht mit dir streiten.« Das Letzte, was er brauchte, war eine Szene vor dem Cowboy. Dann wüsste es in ein paar Tagen die gesamte Gegend.«
» Nein, das ist mir klar. Du kannst dich ja auch nicht wirklich beklagen. Du hast deinen Anteil, und dabei bist du noch nicht einmal ein Gordon.«
Jack lieà die Tasse fallen, die er Jim gerade reichen wollte. » ScheiÃkerl!«
Anthony konnte kaum an sich halten, und nur Jacks Anwesenheit hielt ihn davon ab, auf Jim loszugehen. Er trat aus der Küche auf die Veranda. » Jack.«
Jack folgte ihm. Er schlüpfte in seine Stiefel und drückte sich den Hut fest auf den Kopf. Anthony hielt ihm die Tür auf.
» Du bist hier nicht willkommen, Jim, und ich glaube so langsam, dass Sarah recht hatte. Du solltest keinen einzigen Cent bekommen«, grollte Anthony. Er hatte die Nacht alleine verbracht, und Sarah war jetzt auf dem Weg nach Sydney. Er hatte keine Zeit für diesen Möchtegern-Gordon.
Ein paar Sekunden lang standen sie einander gegenüber und maÃen sich mit Blicken. Jack war bereits unten auf dem Betonweg.
» Du brauchst mir nichts von Rechten zu erzählen. Du hast deinen Anteil, das prächtige Haus und alles, was drin ist, weil du dich in die Familie eingeschlichen hast. Von Rechts wegen sollte ich mit dir dieses Gespräch führen, nicht anders herum«, zischte Jim.
Anthonys Faust traf Jim mitten aufs Kinn. Es knackte, und Jim flog durch die Verandatür auf das kleine Rasenstück vor dem Haus. Mit einem dumpfen Knall landete er auf dem Rücken.
» Verdammt«, sagte Jack ehrfürchtig. » Verdammt!« Er trat zu Jim, der stöhnte und sich den Kiefer hielt. Jack hätte am liebsten noch einmal mit der Stiefelspitze nachgetreten. Er wusste zwar nicht, worum es ging, aber er war auf Anthonys Seite. Rasch rannte er zu ihm und setzte sich auf den Beifahrersitz des Landcruisers.
Anthony streckte seine Finger. Anscheinend hatte er sich die Knöchel gebrochen. Der Schmerz schoss ihm durch den Handrücken bis in den Arm. In einer Staubwolke fuhr er los. » Wir sollten Matt suchen und ihn fragen, wann Toby die Rinder für die Viehroute mustert.«
Jack setzte sich bequem zurecht und lächelte. Na, das war einmal ein guter Tag.
Sommer 1908
Wangallon Station, Silvesterabend
Angus blieb am Eingang zu den Ställen stehen. Eine braune Schlange glitt unter einem Stapel alter Bretter hervor und hinterlieà eine gewundene Spur. Angus beobachtete sie, bis sie nicht mehr zu sehen war. Die Tür zur Sattelkammer stand offen. Der Sattel seines Vaters war nicht da. Er blickte sich um, um sich zu vergewissern, dass er immer noch allein war, dann nahm er ein Zaumzeug vom Haken und lief nach hinten in die Ställe. Dort stand Willy in einem angrenzenden Hof und striegelte eine der Stuten.
» Darfst du hier sein?« Angus schlüpfte durch die Holzlatten. Er hatte Willy seit der Prügelei um die Steinschleuder nicht mehr gesehen.
Willy drehte sich um und wischte sich mit dem Ãrmel den Rotz von der Nase. » Boxer hat gesagt, ich soll die Pferde putzen.«
Angus trat zu dem Jungen. » WeiÃt du denn, wohin sie geritten sind?«
Willy zeigte in Richtung des Flusses. » Vielleicht da entlang. Willst du reiten?«
» Vielleicht.«
Sie starrten einander an, dann wandte sich Willy wieder seiner Arbeit zu.
Angus kletterte über zwei weitere Zäune in den nächsten Hof. Dort stand der schwarze Wallach. Angus hatte ihn Wallace getauft, nach William Wallace, dem schottischen Highlander, der versucht hatte, sie von den
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