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Im fernen Tal der Hoffnung

Im fernen Tal der Hoffnung

Titel: Im fernen Tal der Hoffnung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Nicole Alexander
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ebenfalls im Garten, einen Korb über dem Arm. Lee bewegte sich schneller und schüttelte drohend die Fäuste, als er das Mädchen sah. Der Garten war sein Reich. Angus und Willy krochen leise auf dem Bauch näher heran.
    Â» Aua.« Willy zog sich einen großen Dorn aus dem Fuß.
    Â» Pst!« Angus runzelte die Stirn.
    Sie hörten Margarets leise Stimme und versteckten sich hinter einem Baumstamm, als sie Mungo und Margaret unter einer Akazie sitzen sahen. Sie hatte die Röcke sorgsam um die Knöchel festgesteckt, und Mungo saß mit ausgestreckten Beinen da.
    Â» In zwei vollen Monden muss ich wieder weg.« Mungo blickte sie an. » Wir könnten uns am Hügel treffen.«
    Angus schlug Willy auf den Kopf, und sie duckten sich hinter den Baumstamm.
    Margaret entzog ihm ihre Hand. » Ich bin versprochen.«
    Mungo packte das Mädchen an den Schultern. » Er ist alt. Er stirbt bald, und dann…«
    Â» Dann wird es einen anderen geben.«
    Das Mädchen hatte Tränen in den Augen. Angus sah, wie sie ihr über die Wangen liefen und ihr Kleid nass machten. Mungo küsste sie.
    Angus drückte Willys Kopf herunter, damit man sein Lachen nicht hörte.
    Â» Ich will bei dir sein«, sagte Mungo leise.
    Â» Für eine Nacht?« Margaret schüttelte den Kopf. » Das ist nicht genug.« Sie stand auf und schaute ihn an. » Hier drin«, sie berührte ihre Brust, » bin ich weder schwarz noch weiß. Ich bin einfach nur ich. Siehst du mich?«
    Â» Ich habe auch Träume«, erwiderte Mungo. » Aber die meisten von ihnen bleiben im Himmel bei den Geistern.«
    Â» Das liegt an dir.« Margaret schüttelte den Kopf. » Du musst ja nicht mit einem alten Mann schlafen. Du musst ja nicht die Sticheleien der Frauen ertragen, weil mein Vater ein Weißer war.«
    Â» Es ist doch unser Volk.«
    Margaret runzelte die Stirn. » Ich habe dich nicht im Lager am Bach gesehen. Neun Monde habe ich dich nicht gesehen. Ich glaube, manchmal bist auch du zu weiß.«
    Mungo zerknackte kleine Zweige in seiner Hand und warf sie ins Gras. Margaret ging weg.
    Angus rollte sich herum. » Das sind Angelegenheiten von euch Schwarzen.«
    Â» Vielleicht auch von euch Weißen«, antwortete Willy. » Auf jeden Fall ist es schlimm.«
    Mungo machte ein Gesicht, als hätte er sich den Magen verdorben.

Winter 1989
    Castlereagh Street, Sydney
    Frank Michaels blickte auf seinen Terminkalender und blinzelte, als könne er seinen Augen nicht trauen. Der Name von Mr Harvey Jamieson, einem persönlichen Freund und prominenten Unternehmer mit einer widerspenstigen Frau und einer unerfreulichen Scheidung, war dick durchgestrichen, und stattdessen hatte Sarah Gordon um fünfzehn Uhr einen Termin. Er würde seinen alten Freund zur Entschädigung auf ein Glas Scotch einladen müssen. Er konnte es weiß Gott gebrauchen. Das war schon seine dritte Frau. Frank schob sich seine Lesebrille auf den Nasenrücken und studierte das Faksimile, das er eben bekommen hatte.
    Mr Woodbridge teilte ihm mit, er handle in Vollmacht für einen gewissen James Robert Macken aus dem Dorf Tongue, Nord-Schottland, und sein Mandant wünsche, die volle Summe zu erhalten, die ihm von dem verstorbenen Angus Gordon hinterlassen worden sei. Weiter verlange sein Mandant Auszahlung in bar an dreißig Prozent des Viehbestands und der Einrichtung der Farm von Wangallon. Dahingehend würde James Macken das Testament von Angus Gordon anfechten. Frank legte das Schreiben zur Seite, nahm seine Lesebrille ab und lehnte sich auf seinem schwarzen Lederbürostuhl zurück. Tony Woodbridge war ein fähiger Mann. Er wusste, wie man einen Fall vertrat. Leider griff er auch gerne zu unsauberen Tricks.
    Â» Ronald, alter Junge«, sagte er laut zu Sarahs Vater, » du hättest deinen Schwanz in der Hose halten sollen, alter Junge!« Frank hatte keinen Sinn für Dramatik, aber er fühlte sich von James Macken gestört. Seiner Erfahrung nach gab es nichts Schlimmeres, als mit jemandem zu tun zu haben, der vergleichsweise arm war und anderen ihren Reichtum übelnahm. Und das schien bei diesem Macken der Fall zu sein. Die zweite Sorge des Tages erreichte ihn über einen Telefonanruf, bei dem ihm sein blau emaillierter Sheaffer-Füller aus der Hand auf den Fußboden fiel. Hätte es in diesem Moment nicht gerade an der Tür geklopft und wäre nicht seine

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