Im fernen Tal der Hoffnung
gekommen. Er möchte dich kennenlernen und stellt Ansprüche auf sein Erbe.« Eigentlich hatte Sarah es ihrem Vater etwas feinfühliger mitteilen wollen, aber jetzt posaunte sie es heraus wie ein Marktschreier.
Ronald ordnete die Zeitungen. » Dann bist du also gar nicht gekommen, um deine Mutter zu besuchen?«
» Dad, du weiÃt doch, dass wir nie eine normale Beziehung zueinander hatten. Warum soll ich dann so tun als ob?«
Ronald trat zu Sue und schob ihr eine Haarsträhne, die sich gelöst hatte, hinter die Ohren.
» Hast du gehört, was ich gesagt habe, Dad?«
» Der Arzt gibt ihr noch eine Woche. Sie hat aufgehört zu essen, und, na ja, ich sehe keinen Sinn darin, sie künstlich ernähren zu lassen.« Er wandte sich zu Sarah um. » Was meinst du? Ihre Organe funktionieren alle nicht mehr richtig, was wohl etwas mit den Medikamenten zu tun hat, die sie über die Jahre bekommen hat. Wusstest du, dass sie zum Martini immer Schmerzmittel geschluckt hat, als seien es Oliven? Na ja, für eine Transplantation kommt sie auf jeden Fall nicht infrage.« Er zog Sue das Bettjäckchen fester um die Schultern. » Sie hat seit einem Jahr nicht mehr mit mir gesprochen, aber die Schwestern behaupten, manchmal sei sie richtig bei klarem Verstand.«
» Es tut mir leid, Dad.«
» Na ja, ihr zwei habt euch ja nie verstanden.«
Sarah riss die Augen auf. » Das ist unfair. Ich musste mit den Nachwirkungen eurer auÃerehelichen Affären klarkommen: mit deiner und mit Mums. Dass ihr beide Cameron bevorzugt habt, war eine Sache, aber dass ich danach auch noch Mums Ãngste aushalten musste, war echt unfair. Du bist mein Vater, du hättest mich unterstützen müssen.«
Die Schultern ihres Vaters sanken herab. » Das habe ich ja versucht, Sarah, aber dafür gibt es kein Handbuch. Nach Camerons Tod hatte ich einfach genug. Mein ganzes Leben lang habe ich gegen deinen Vater angekämpft und versucht, dich aus dem Ganzen herauszuhalten, indem ich dein neues Leben in Sydney unterstützt habe. Du hättest nie mehr nach Wangallon zurückkehren dürfen, Sarah. Der Besitz hätte verkauft werden sollen.«
» Nun, das passiert jetzt wahrscheinlich sowieso«, erwiderte Sarah.
Ronald wandte sich von seiner Frau ab und blickte aus dem Fenster. Seine Miene war undurchdringlich. Dann auf einmal rötete sich sein Gesicht, als ob seine Gefühle sichtbar würden. » Wie ist er?«
» Stur und egoistischâ er will nur seinen Anteil, in bar. Die Farm ist ihm egal, und er war wütend, als ich ihm keine Willkommensparty bereitet habe.«
Ronald blickte sie an. » Er war in Wangallon?«
» Er war da und ist wieder weg.«
» Es tut mir leid. Ich hätte dich mit diesem Chaos nicht alleine lassen dürfen.«
Es dauerte eine Zeit, bis Sarah ihrem Vater die Ereignisse der letzten Woche berichtet hatte. Gelegentlich runzelte er die Stirn, aber er unterbrach sie nicht. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Sarah die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Vaters. Dann kam die Krankenschwester, um bei Sue Puls, Blutdruck und Temperatur zu messen.
» Unverändert«, sagte sie fröhlich, zog Laken und Bettdecke gerade und schüttelte das Kissen auf. Sie nickte in ihre Richtung, wobei ihr Blick vielleicht einen Moment länger auf Sarah ruhte, bevor sie aus dem Zimmer ging.
» Deine Mutter hatte nicht viele Besucher, seit sie hier liegt. Aber ich glaube, sie fühlt sich hier wohler. Die Schwestern sind sehr fürsorglich.«
» Was meinst du, was wir tun sollen, Dad?«
» Nun, es überrascht mich nicht, dass Frank Michaels zum Verkauf geraten hat. Aberâ¦Â«
Sarah beugte sich vor. Endlich wollte noch jemand um den Besitz kämpfen.
» Aber wir sollten besser einen anderen Teil verkaufen.« Ronald kratzte sich am Ohr.
» Was?«
» Wir sollten Land an der östlichen Grenze verkaufen. Es ist nicht so fruchtbar wie die anderen Teile von Wangallon.«
Deprimiert sank Sarah zurück. Beinahe hatte sie geglaubt, ihr Vater würde eine Lösung vorschlagen.
» Was Anthony angeht, nun, soll er doch Land umwandeln, solange sich die Kosten im Rahmen halten, aber nicht auf Boxerâs Plains, Sarah, das ist viel zu gutes Weideland. Es wäre eine Verschwendung, es umzupflügen. Dad wollte es immer so lassen, wie es ist, und das sollten wir auch tun.«
Sarah runzelte die Stirn. Steckte am
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