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Im fernen Tal der Hoffnung

Im fernen Tal der Hoffnung

Titel: Im fernen Tal der Hoffnung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Nicole Alexander
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seinen Fingernägeln. Sein Magen knurrte schrecklich, und seine Wasserflasche war fast leer. Die Pferde tranken zwischendurch, aber das Flussbett war fast ausgetrocknet und das Wasser schlammig.
    Der Schlamm tropfte von den Hufen der Pferde, als sie das gegenüberliegende Ufer erreichten. Sie trieben die Tiere den sandigen Abhang hinauf. Ein Waran ergriff die Flucht, als sie näher kamen, und huschte rasch einen Baum hinauf. McKenzie beobachtete das urzeitliche Biest. Die Schwarzen nannten ihn Landforelle; vermutlich schmeckte er gut. Ein oder zwei Mal hatte er einen Waran verfolgt, weil er fast am Verhungern war. Mit seinen Krallenfüßen hinterließ er deutlich sichtbare Spuren im Sand. Aber er hatte noch nie einen gegessen. Und er war auch noch nie von einem gebissen worden. Das verfaulende Fleisch, das zwischen ihren Zähnen hing, verursachte Entzündungen, wenn sie einem Bisswunden zufügten. Als McKenzie sich umblickte, sah er die große Echse gerade noch in der Baumkrone verschwinden. Mit seinem Gewehr hätte er ihn vielleicht erwischen können. Eine Wunde würde ja reichen. Den Rest konnte er mit einem Knüppel erledigen.
    Es wurde spät. In etwa einer Stunde würden sie wieder auf der Farm sein, deshalb war McKenzie überrascht, als Hamish verkündete, dass sie Rast machen würden. Sie lagerten unter einem Baum und banden die Pferde in der Nähe fest. McKenzie sammelte Holz, wie angewiesen, und bald prasselte ein Feuer. Er freute sich, dass sie im Freien übernachteten– die Nacht mit dem Boss war ein unvergleichliches Erlebnis.
    Â» Hast du eine Entscheidung getroffen?« Jasperson legte seinen Sattel und seine Decke ans Feuer. Er zog eine Ration Mehl aus seiner Satteltasche und knetete mit Wasser und ein bisschen Salz einen groben Brotteig, den er in die Flammen legte.
    Hamish zog seine Jacke aus und versuchte, eine bequemere Position zu finden. » Ja.« Er wickelte ein Stück Baumwolle auf, spießte ein Stück gesalzenen Hammel auf und hielt es über das Feuer. McKenzie bedeutete er mit einem Nicken, sich zu bedienen. » Wir holen uns zurück, was uns gehört, und auch noch einen Teil von ihnen.«
    Jasperson kaute nachdenklich auf einem Zweig. » Die Zeiten haben sich ein wenig geändert, Boss.«
    Â» Du hast also keine Lust dazu?« Hamish zupfte die Fleischfetzen heraus, die in seinem Schnurrbart hängen geblieben waren.
    Jasperson stocherte mit einem Stock in dem Brot.
    Hamish spuckte ins Feuer. » Ich lasse mich von so jemandem wie Oscar Crawford nicht als gewöhnlichen Menschen beschimpfen. Es wird Zeit, dass dieser Engländer einmal am eigenen Leib erfährt, was seine Landsleute meinen angetan haben. Ich hole mir mein Vieh zurück und auch einen Teil von seinem, und zwar beim nächsten Vollmond.
    Jasperson spießte das Brot mit dem Stock auf und legte es auf die Decke. » Dazu bräuchten wir noch Boxer und Luke.«
    Â» Mungo auch.« Hamish blickte McKenzie an. » Und dich, mein Junge.«
    McKenzie nickte nur, um sich seine Überraschung nicht anmerken zu lassen.
    Jasperson warf ihm ein Stück heißes Brot zu. » Das ist illegal.«
    Â» Bist du dazu bereit?«
    McKenzie blickte den Mann an, dem Wangallon gehörte. Er hatte Hamish für einen ehrbaren Viehzüchter gehalten. Aber jetzt wirkten seine eigenen Pläne im Vergleich dazu amateurhaft, und er fragte sich, ob er sich vielleicht über mehr Dinge Sorgen machen musste als nur über Jaspersons Neigungen. Er biss von dem dampfenden Brot ab und verbrannte sich fast die Zunge.
    Â» Nun?« Jasperson blickte ihn fragend an.
    Der Teig blieb McKenzie im Hals stecken. Er dachte an seine erste Begegnung mit Hamish, als der Mann drohte, jeden zu erschießen, der nicht am Wassergraben arbeitete. » W-was Sie w-wollen. Mr Gordon. Ich m-mache mit.«
    Blätterrascheln brachte sie zum Schweigen. Hamish zeigte nach links und machte eine kreisende Bewegung mit der Hand. Geräuschlos huschten sie in die Dunkelheit, die Gewehre im Anschlag. Lange Minuten umkreisten sie das Camp, aber ohne Ergebnis. Der Busch war laut, wenn man erst einmal zuhörte. Das dumpfe Hüpfen der Kängurus war ebenso zu hören wie das Zirpen der Grillen und der Schrei eines Tiers.
    Â» Ein Känguru?«, meinte Jasperson, als sie wieder ums Feuer saßen.
    Hamish legte sich hin, den Kopf auf seinem Sattel. » Du hältst Wache, McKenzie.

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