Im fernen Tal der Hoffnung
an. Der Schweià lief ihr über den Körper, wie bei einer Waschfrau. Das war der Beruf ihrer Mutter, und auf einmal fand sie es komisch, dass sie beide an einem solchen Tag unter der Hitze litten. » Wie ist es eigentlich so auf dem groÃen Besitz?«, fragte sie.
» Gut. Willst du kommen und es dir ansehen?«
» Warum?«, fragte Lauren vorsichtig. Luke Gordon hatte sie vor die Tür gesetzt, und der hier lud sie ein.
» Ich bekomme da drauÃen meine eigene Hütte.«
Er wollte wohl jemanden zum Kochen und Saubermachen haben. » Kein Interesse.«
» Ich habe vor, Aufseher oder Herdenleiter zu werden, und ich habe gedacht, das würde dir gefallen.«
Lauren zuckte mit den Schultern. Prüfend musterte sie ihre abgebrochenen Fingernägel und zog noch einmal an der Zigarette, bevor sie die Kippe in das Wasserglas auf dem Nachttisch fallen lieÃ. » Hast du keine Lust mehr, mich zu bezahlen?«
» Da ist auch Geld für dich drin.« Er zählte weitere Münzen ab und legte sie auf den Waschtisch. » Du brauchst ein Zuhause. Ich könnte es dir geben.«
Lauren fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. » Auf Wangallon? Warum?«
Weil Hamish Gordon auf ihn aufmerksam geworden war und weil er vor einem Abenteuer stand, das ihn in Zukunft unersetzlich machen würde. » Ehrbarkeit.« In diesem Wort war auch Jasperson enthalten. Er konnte schon gar nicht mehr zählen, wie oft er sich übergeben hatte, nachdem er bei ihm gelegen hatte. Er wollte den Mann jetzt endlich loswerden. AuÃerdem brauchte er die Anerkennung der anderen Viehtreiber. Sie sollten nicht hinter seinem Rücken über ihn lachen. Er war nicht die Hure eines Mannes. Alles schien einfach zu erreichen, bis Wetherly auftauchte. Dadurch bekam Andrew Duff die Rolle des Vorarbeiters, wenn Jasperson erst einmal aus dem Weg geräumt war. Wenn nötig, konnte Mungo Herdenleiter werden. Es gab einige Männer, die nicht nach seinem Geschmack waren, und zwei von ihnen mussten auf jeden Fall gehen.
Lauren blickte ihn an. » Ich bin keine Hure.«
» Was soll das heiÃen?«
» Dass du dich nicht einfach so bei mir bedienen kannst.«
Er grinste. » Nun, das habe ich doch schon vier Mal getan.«
Lauren zog ihren Rock an und knöpfte ihre Bluse zu. » Komm bald wieder her, dann sehen wir weiter.« Sie sammelte die Münzen ein, schlüpfte in ihre Schuhe und verlieà das Zimmer.
Die Frau eines Grenzreiters, dachte Lauren, als sie nach unten ging. Das war eigentlich das Angebot des Jungen. Aufseher, bla bla. Trotzdem war es der erste Antrag, den sie bekommen hatte. Auf dem Treppenabsatz blickte Lauren nach unten, um sich zu vergewissern, dass sich niemand in der Bar aufhielt, und dann rannte sie durch die Hintertür hinaus. Mr Morellis Hühner waren im Hof. Die verwelkten Ãberreste seines Gemüsegartens zeugten vom Ende des Sommers und dem Versiegen des Hotelbrunnens. Am Tor zählte Lauren noch einmal rasch die Münzen in ihrer Hand, bevor sie durch die Gasse zu ihrem Haus lief.
Mrs Grant stand im Garten und rührte in einem geschwärzten Eisenkessel, der über dem Feuer hing. Das Wasser kochte, und etwas Graues schwamm darin herum, das früher vermutlich einmal weià gewesen war. Das Baby, ihr kleiner Bruder, lag im Gras und rieb sich die Augen, und ihre Schwester Annie spielte im Dreck. Mrs Grant war eine schwere Frau mit dünnen blonden Haaren, unter denen blutiger Schorf zu sehen war; manche Stellen waren getrocknet, andere bluteten. Sie blickte auf und grunzte etwas in Richtung eines Haufens nasser Kleider, die in der Hitze dampften. Lauren warf das Bündel in einen Kessel mit kaltem Wasser. Mit einem Holzpaddel rührte sie einmal um, dann zog sie die nassen Kleidungsstücke heraus und hängte sie über den Zaun zum Trocknen. Manche der Unterröcke, Handtücher, Bettlaken und Unterhosen sahen sauber aus, andere rochen wie gekochte Ratten. Lauren rümpfte die Nase. Kein Wunder, dass die Sachen normalerweise zwei Tage an der frischen Luft hängen mussten.
» Und?«, sagte Mrs Grant mit heiserer Stimme. » Du hast deine Schwester Susanna verpasst. Sie hat es fertiggebracht, sich schwängern zu lassen. Natürlich will der Vater nichts mit ihr zu tun haben. Er hat sie verdammte Hure genannt.« Mrs Grant wischte sich die tropfende Nase mit der nassen Hand ab. » Ich kannâs ihm nicht
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