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Jan Fabel 05 - Walküre

Titel: Jan Fabel 05 - Walküre Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Craig Russell
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wie Vujacic mit irgendeinem ethnischen oder politischen Programm anfangen und sich dann begeistert dem kriminellen freien Markt zuwenden. Nach allem, was man hört, war er ein übler Drecksack. Er ist doch tot, nicht wahr?«
    »Darauf werde ich noch eingehen, aber Sie haben recht. Er ist vor vier Jahren gestorben. Vujacic war ein schleimiger und bösartiger Mistkerl. Als Mitglied einer bosnisch-serbischen Polizeieinheit hat er sich im bosnischen Krieg direkt an einigen der Gräueltaten beteiligt. Allerdings wurde er nie in Den Haag vor Gericht gestellt. Es lag nicht genug Beweismaterial gegen ihn vor. Aber der Halunke hat an den Massakern und an der Einrichtung der Vergewaltigungslager mitgewirkt. Jedenfalls hat Jespersen eine verdeckte Operation durchgeführt, und wir konnten Vujacic unschädlich machen. Ein paar Monate vorher war es uns gelungen, einen dänischen Geschäftsmann namens Peter Knudsen zu erwischen, der sich in Drogenexporten ver­sucht hatte. Jens traf eine Vereinbarung mit ihm, und Knud­sen arbeitete bei der Täuschung von Vujacic mit uns zusammen. Wir benutzten Knudsens Jacht, und Jens übernahm dessen Rolle. Dann arrangierten wir drei Treffen auf der Jacht und eines in Kopenhagen. Vujacic ließ sich auf alles ein. Beim letz­ten Treffen auf der Jacht wechselte Geld elektronisch den Besit­zer. Es war eine sehr teure Operation für uns, aber sie schien äu­ßerst erfolgreich zu sein.«
    »Wieso wurde Vujacic dann wieder auf freien Fuß gesetzt?«, fragte Fabel.
    »Leider hatte Jens nicht alle Formalitäten eingehalten, und Vujacics Anwälte sprachen von Verführung zu einer Straftat. Das hätte ihm keinen Freispruch eingebracht, aber seine Ver­teidiger schafften es, dass er zwischen den Verhandlungen auf Kaution freikam. Immerhin wurde sein Pass beschlagnahmt, und er durfte Dänemark nicht verlassen. Aber insgesamt war das Ganze ein Schlamassel. Danach überholte ich Jens nicht nur auf der Karriereleiter, sondern sein eigener Aufstieg kam zum Stillstand. Ihm wurde vorgeworfen, ein Schlupfloch gelas­sen zu haben, durch das Goran Vujacic entwischen konnte.
    Wie auch immer, als Vujacic vor der Verhandlung auf Kaution entlassen worden war, beschloss jemand, den Staat der Last eines Gerichtsverfahrens zu entheben. Wir fanden ihn in den Tivoli-Gärten, wo er im Regen auf einer Bank saß. Jemand hatte ihm eine kleine, schmale Feile oder ein Messer ins Herz gestochen. Es war eine wirklich professionelle Arbeit: kaum Blut nach außen, und die Einstichwunde unter seinem Brust­bein war fast unsichtbar.«
    »Ich nehme an, er hatte sich in seiner Branche eine Menge Feinde gemacht.«
    »Und man findet einige merkwürdige Partner.« Karin Ves­tergaard unterbrach sich, als der Kellner ihre Tassen abräumte. »Das war der Anfang von Jens' Faszination für die Walküre.«
    »Die Walküre?«
    Sie hob die Hand, als wolle sie Fabel Einhalt gebieten. »Wir hatten Knudsens Luxusjacht für die Operation vorbereitet — Wanzen und versteckte Kameras eingebaut, um alles aufzu­zeichnen. Unter anderem haben wir aufgenommen, wie Vu­jacic von einem dritten Geschäftspartner sprach. Einem stil­len Teilhaber, der den ganzen Drogenhandel finanziert hatte und den Löwenanteil des Gewinns erhalten sollte. Dieser ano­nyme dritte Partner war derjenige, den wir unbedingt entlarven wollten.«
    »Sie meinen also, dass der dritte Partner Vujacic ermorden ließ?«
    »Fast mit Sicherheit. Vujacic war ein Verhandlungskünst­ler. Während seiner Vernehmung ließ er sich kein Wort über die Identität des Geldgebers entlocken. Falls seiner Behaup­tung, zu einer Straftat verführt worden zu sein, nicht stattge­geben wurde, konnte er eine erhebliche Straferleichterung aus­handeln, wenn er den Namen seines Geldgebers nannte. Aber zurück zu dem Gespräch, das wir auf der Jacht aufgezeichnet haben: Vujacic erwähnte, dass dieser Geldgeber eine Auftrags­mörderin habe, die die beste auf der Welt sei. Offenbar hat sie auf Geheiß des stillen Teilhabers alle Konkurrenten von Vujacic aus dem Weg geräumt. Er verriet, ihr Codename sei Walküre. Und wenn die Umstände es verlangten, sei sie eine Expertin darin, Morde wie Unfälle oder natürliche Todesfälle aussehen zu lassen. Ach ja, übrigens ist auch der korrupte Ge­schäftsmann, mit dessen Hilfe wir Vujacic eine Falle gestellt hatten, vorzeitig gestorben.«
    »Deshalb also möchten Sie, dass unser Gerichtsmediziner nach Einstichstellen und anderen ungewöhnlichen Merkmalen

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