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Jenseits des Bösen

Jenseits des Bösen

Titel: Jenseits des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Clive Barker
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gehören zusammen, klar? Mein Vater war Fletcher, und ihrer...
    ihrer nicht. « Es war, als würde er in Sand einsinken. Je mehr er sich abmühte, desto tiefer sank er.
    Einer der Cowboys sprach als erster. Er hatte Augen, die die Presse eisblau nennen würde.
    »Du bist Fletchers Sohn?«
    »Ja... das bin ich.«
    »Dann weißt du, was wir tun müssen.«
    Plötzlich begriff Howie die Bedeutung der Blicke, die ihm seit seinem Eintreten zugeworfen worden waren. Diese
    Kreaturen - Halluzigenien hatte Fletcher sie genannt - kannten ihn; zumindest bildeten sie es sich ein. Jetzt hatte er sich 410
    identifiziert, und das Verlangen in ihren Gesichtern konnte nicht größer sein.
    »Sag uns, was wir tun sollen«, sagte eine der Frauen.
    »Wir sind für Fletcher hier«, sagte eine andere.
    »Fletcher ist nicht mehr«, sagte Howie.
    »Dann für dich. Du bist sein Sohn. Was sollen wir hier tun?«
    »Sollen wir das Kind des Jaff für dich vernichten?« sagte der Cowboy und sah Jo-Beth mit seinen blauen Augen an.
    »Gütiger Himmel, nein!«
    Er streckte die Hand aus, um Jo-Beth am Arm zu packen, aber sie wich bereits mit langsamen Schritten vor ihm zur Tür zurück. »Komm zurück«, sagte er. »Sie werden dir nichts tun.«
    Er sah ihrem Gesichtsausdruck an, daß seine Worte in dieser Gesellschaft kein Trost waren.
    »Jo-Beth...«, sagte er, »... ich dulde nicht, daß sie dir weh tun.«
    Er ging auf sie zu, aber die Geschöpfe seines Vaters waren nicht bereit, ihre einzige Hoffnung auf Führung gehen zu lassen. Bevor er bei ihr war, spürte er, wie eine Hand an seinem Hemd zog, dann noch eine und noch eine, bis er von flehentlichen, bewundernden Gesichtern umgeben war.
    »Ich kann euch nicht helfen«, schrie er. »Laßt mich in Ruhe!«
    Er sah aus dem Augenwinkel, wie Jo-Beth furchtsam zur Tür lief und hinausschlüpfte. Er rief ihr nach, aber der Lärm um ihn herum war angeschwollen, bis er jedes seiner Worte übertönte.
    Er drängte sich nachdrücklicher durch die Menge. Sie mochten Träume sein, waren aber durchaus greifbar; und warm; und, so schien es, ängstlich. Sie brauchten einen Führer, und sie hatten ihn auserkoren. Es war eine Rolle, auf die er nicht vorbereitet war, besonders dann nicht, wenn sie ihn von Jo-Beth trennte.
    »Verdammt, geht mir aus dem Weg!« forderte er und
    drängte sich um sich schlagend durch die erleuchteten, glänzenden Gesichter. Ihr Eifer ließ nicht nach, sondern stieg 411
    proportional zu seiner Gegenwehr. Nur indem er sich duckte und wie durch einen Tunnel durch seine Bewunderer ging, konnte er sich ihnen entziehen. Sie folgten ihm auf den Flur hinaus. Die Eingangstür stand offen. Er lief wie ein von Fans verfolgter Star darauf zu und in die Nacht hinaus, bevor sie seiner wieder habhaft werden konnten. Ein Instinkt hinderte sie daran, ihm ins Freie hinaus zu folgen, auch wenn einer oder zwei, angeführt von Benny und dem Hund Morgan, ihm
    nachliefen; und der Ruf des Jungen - »Besuch uns bald wieder!« - folgte ihm wie eine Drohung die Straße entlang.
    412
    VII

    l

    Die Kugel traf Tesla an der Seite wie der Schlag eines Schwergewichtschampions. Sie wurde rückwärts geschleudert, der Anblick von Tommy-Rays grinsendem Gesicht wich den Sternen über dem offenen Dach. Sie wurden binnen Sekunden größer, schwollen an wie helle Wundmale auf der sauberen Dunkelheit. Was danach geschah, entzog sich ihrem
    Verständnis. Sie hörte einen Aufruhr und einen Schuß, gefolgt von Schreien der Frauen, die sich, wie Raul ihr gesagt hatte, um diese Zeit hier einfanden. Aber sie brachte nicht die Willenskraft auf, sich für irgend etwas auf Erden zu
    interessieren. Das häßliche Schauspiel über ihr erforderte ihre ungeteilte Aufmerksamkeit: ein kranker, eiternder Himmel, der im Begriff stand, sie mit beflecktem Licht zu überschütten.
    Ist das der Tod? fragte sie sich. Wenn ja, dann wurde er überschätzt. Das gab Stoff für eine Geschichte, überlegte sie.
    Über eine Frau, die...
    Der Gedanke teilte das Schicksal ihres Bewußtseins: Er erlosch.

    Der zweite Schuß, den sie gehört hatte, war auf Raul
    abgefeuert worden, der sich auf Teslas Attentäter gestürzt hatte und dabei über das Feuer gesprungen war. Die Kugel verfehlte ihn, aber er warf sich beiseite, um einer weiteren zu entgehen, was Tommy-Ray Zeit gab, zur Tür hinauszulaufen, zu der er hereingekommen war, in eine Frauenmenge hinein, die er mit einem dritten Schuß über ihre verschleierten Köpfe hinweg auseinandertrieb. Sie stimmten

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