Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Jenseits des Bösen

Jenseits des Bösen

Titel: Jenseits des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Clive Barker
Vom Netzwerk:
Fernsehen.
    Siehst du da drüben die Familie Patterson? Sie haben sogar ihren Hund dabei.«
    »Morgan«, sagte Howie. »Meine Mutter hat sich die
    Sendung immer angesehen.«
    Der Hund, eine liebenswerte Promenadenmischung mit einem langen Stammbaum liebenswerter Promenadenmischun-
    gen, hörte seinen Namen und kam herüber, gefolgt von Benny, dem jüngsten Kind der Pattersons.
    407
    »Hi«, sagte der Junge. »Ich bin Benny.«
    »Ich bin Howie. Das ist...«
    »Jo-Beth. Ja. Wir haben uns schon kennengelernt. Kommst du mit mir raus Ballspielen, Howie? Mir ist langweilig.«
    »Draußen ist es dunkel.«
    »Nein«, sagte Benny. Er nickte zur Verandatür. Sie war offen.
    Die Nacht draußen war, wie Benny gesagt hatte, alles andere als dunkel. Es war, als wäre das seltsame Leuchten, das im Haus zu herrschen schien und über das er noch nicht mit Jo-Beth hatte sprechen können, bis hinaus in den Garten
    gedrungen.
    »Siehst du?« fragte Benny.
    »Ich sehe es.«
    »Also, kommst du?«
    »In einer Minute.«
    »Versprochen?«
    »Ich verspreche es. Übrigens, wie heißt du denn richtig?«
    Das Kind sah verwirrt drein. »Benny«, sagte er. »Schon immer.« Damit gingen er und der Hund in die helle Nacht hinaus.
    Bevor Howie die vielen Fragen, die ihm durch den Kopf gingen, in eine Reihenfolge gebracht hatte, wurde ihm eine freundliche Pranke auf die Schulter gelegt, und eine
    volltönende Stimme fragte: »Was zu trinken?«
    Howie hob die verbundene Hand als Entschuldigung, daß er die Hand nicht schüttelte.
    »Schön, dich kennenzulernen. Jo-Beth hat mir von dir er-zählt. Ich bin übrigens Mel. Der Mann von Lois. Ich denke, du hast Lois schon kennengelernt.«
    »Ganz recht.«
    »Ich weiß nicht, wohin sie verschwunden ist. Ich glaube, einer der Cowboys nimmt sie sich vor.« Er hob das Glas. »Wozu ich sagen muß, lieber er als ich.« Er gab einen beschämten Ausdruck vor. »Was sage ich da nur? Ich sollte den Dreckskerl 408
    auf die Straße zerren. Ihn niederknallen, hm?« Er grinste. »Das ist der neue Westen für dich, richtig? Man darf sich verdammt noch mal nicht aus der Ruhe bringen lassen. Noch einen Wodka, Jo-Beth? Möchtest du auch etwas, Howie?«
    »Warum nicht?«
    »Komisch, nicht?« sagte Mel. »Erst wenn diese verdammten Träume zur Tür hereinspazieren, wird einem klar, wer man ist.
    Ich... ich bin ein Feigling. Und ich liebe sie nicht.« Er wandte sich von ihnen ab. »Ich habe sie nie geliebt«, sagte er im Her-umdrehen. »Miststück. Elendes Miststück.«
    Howie sah ihm nach, wie er von der Menge verschlungen wurde, dann blickte er wieder zu Jo-Beth. Er sagte sehr langsam: »Ich habe nicht die geringste Ahnung, was los ist.
    Du?«
    »Ja.«
    »Sag es mir. In möglichst einfachen Worten.«
    »Dies ist das Ergebnis dessen, was dein Vater letzte Nacht getan hat.«
    »Das Feuer?«
    »Oder was daraus hervorkam. Diese Leute...« Sie lächelte und betrachtete sie, »... Lois, Mel, Ruby da drüben... sie waren gestern nacht alle beim Einkaufszentrum. Was immer von deinem Vater ausgegangen ist...«
    »Sei leise, ja? Sie starren uns schon alle an.«
    »Ich spreche nicht laut, Howie«, sagte sie. »Sei nicht so paranoid.«
    »Ich sage dir, sie starren uns an.«
    Er spürte ihre durchdringenden Blicke: Gesichter, die er bislang nur in Magazinen oder auf dem Bildschirm gesehen hatte, sahen ihn mit seltsamen, beinahe besorgten Mienen an.
    »Dann laß sie doch starren. Ich sage dir, sie wollen uns nichts Böses tun.«
    »Woher weißt du das?«
    »Ich war den ganzen Abend hier. Es ist wie bei einer
    409
    normalen Party...«
    »Du nuschelst.«
    »Warum sollte ich nicht auch ab und zu meinen Spaß
    haben?«
    »Das sage ich ja gar nicht. Ich sage nur, daß du nicht in der Verfassung bist zu entscheiden, ob sie gefährlich sind oder nicht.«
    »Was hast du vor, Howie?« sagte sie. »Möchtest du diese Leute alle für dich behalten?«
    »Nein. Nein, natürlich nicht.«
    »Ich will nichts mit dem Jaff zu tun haben...«
    »Jo-Beth.«
    »Er ist vielleicht mein Vater. Das heißt nicht, daß mir das gefällt.«
    Als der Jaff erwähnt wurde, war es in dem Zimmer totenstill geworden. Jetzt sahen alle im Zimmer - Cowboys,
    Seifenopernstars, Komödianten, Schönheiten, alle - in ihre Richtung.
    »O Scheiße«, sagte Howie leise. »Das hättest du nicht sagen sollen.« Er studierte die Gesichter ringsum. »Das war ein Fehler. Sie hat es nicht so gemeint. Sie ist nicht... sie gehört nicht... ich meine, wir gehören zusammen. Sie und ich. Wir

Weitere Kostenlose Bücher